«Up» von Pete Docter und Bob Peterson (Blu-ray)

Ellie und Carl in «Up»

Adventure is out there.

Phänomenerrlich, stratofantastisch, grandastios. Eigentlich müsste ein neuer Wortschatz erfunden werden, um zu beschreiben, wie umwerfend die Filme von Pixar («WALL•E», «Ratatouille», «Cars») sind. Auch «Up», der 10. Langfilm des Studios, lässt keine Zweifel offen, dass die Künstler aus Emeryville das Mass aller Dinge sind. Dabei wird dem Publikum bereits nach knapp zehn Minuten schon einmal das Herz gebrochen. Danach gibt es aber nur noch eine Richtung: nach oben!

Für den kleinen Carl gibt es einen grossen Helden, den Forscher Charles Muntz (Stimme von Christopher Plummer). Carl träumt davon, wie Muntz in einem Luftschiff die Wildnis in Südamerika zu entdecken. Den gleichen Wunsch hegt die ungestüme Ellie, auf die Carl beim Spielen stösst. Hier haben sich zwei Seelenverwandte getroffen. Doch anstatt die entferntesten Ecken der Welt zu erkunden, verlieben sich die beiden ineinander und heiraten etliche Jahre später.

Ohne Worte wird danach in knapp fünf Minuten das lange Eheglück von Carl und Ellie geschildert. Gerne würden sie Kinder kriegen, doch dazu sind sie nicht in der Lage. So entschliessen sie sich dazu, trotzdem ihre Kinderträume zu verwirklichen und für eine abenteuerliche Reise zu sparen. Doch das gesammelte Kleingeld wird immer wieder für andere Notwendigkeiten aufgebraucht. Einmal platzt der Reifen, dann stürzt ein Baum auf das Haus. Als sich Carl endlich die Flugkarten nach Südamerika kauft, ist Ellie bereits zu schwach und stirbt kurze Zeit danach.

Carl, Dug und Russell in «Up»

Da Carl (Ed Asner) nicht mehr so gut auf den Beinen ist, zieht er sich vollends in sein Haus zurück. Das sollte schon längst abgebrochen werden, wenn es nach einem Bauunternehmer geht, der rundherum bereits mit der Errichtung eines Wolkenkratzers begonnen hat. Als Carl mit seiner Gehhilfe einen Arbeiter schlägt, ist der Moment gekommen, in dem er ins Altersheim abgeschoben werden soll. Doch Carl gibt nicht so schnell auf und verwandelt sein Haus über Nacht in ein von Ballonen getragenes Luftschiff. Hier beginnt für Carl die Entdeckungsreise seines Lebens.

Was Carl und sein unfreiwilliger Reisegenosse, der übereifrige Jungforscher Russell (Jordan Nagai), in einer direkt aus «The Lost World» entlehnten Gegend erleben, muss man einfach gesehen haben. Regisseur und Drehbuchautor Pete Docter («Monsters, Inc.») und Co-Regisseur und Drehbuchautor Bob Peterson (Drehbuchautor von «Finding Nemo») treiben die Handlung derart unkonventionell und überraschend voran, dass Indiana Jones seinen Hut gleich einpacken kann. Da trifft Carl nicht nur auf einen seltenen Vogel und seltsame Hunde.

Carl in «Up»

«Up» ist so humorvoll, spannend und berührend erzählt, dass ständig gelacht oder gestaunt werden kann. Und ab und zu beginnen die Augen zu tränen. Ganz so rastlos, wie sich das nun anhört, ist der Film allerdings nicht. Es ist vielmehr die Mischung aus rasanten Szenen und ruhigen, stimmungsvollen Momenten, die den besonderen Reiz von diesem unglaublichen Abenteuer ausmachen. Oder wie Russell einmal treffend feststellt: «It might sound boring, but I think the boring stuff is the stuff I remember the most.» Das ist alles andere als langweilig.

«Up» ist eine herrlich ergreifende Geschichte mit unendlichem Einfallsreichtum. Das Herz von diesem inspirierenden Kunstwerk ist in den liebevollen, raffiniert gestalteten Details versteckt, die teilweise erst bei der zweiten oder sogar dritten Betrachtung ins Auge stechen. Es spricht auch für die fesselnde Gestaltung des Drehbuchs, dass manche Aspekte erst bei wiederholter Auseinandersetzung mit dem Film auffallen. Da sind dann nachträglich auch Verknüpfungen zu erkennen, denen zunächst noch wenig Beachtung geschenkt wurde.

Technisch zeigen sich die Zeichner auf einem verblüffenden Niveau. Besonders die Lichtgestaltung und die Wolken verdienen vertiefte Aufmerksamkeit. Manche Bilder bleiben durch ihre zerbrechliche Schönheit lange in der Erinnerung haften. Von unvergleichlichem Anmut ist etwa eine Aufnahme aus der Sequenz «Married Life»: als Ellie erfahren hat, dass sie keine Kinder haben kann, sitzt sie mit steifen Rücken im Garten hinter dem Haus, niedergeschlagen, aber auch entschlossen, die durch die Äste des Baumes scheinende Sonne taucht die Szene in ein unscharfes Licht. Jahre später stösst Carl auf ein Foto von einer älteren Ellie, die zufrieden lächelnd in ihrem Sessel im Wohnzimmer des Hauses sitzt. Diese beiden ergänzenden Aufnahmen fassen auch die Botschaft des Films zusammen, in dem die Frage gestellt wird, wie der Wert eines erfüllten Lebens gemessen wird.

Der Film ist so perfekt, dass es eigentlich gar keine Rolle spielt, wie die Bewertung der Blu-ray-Disc ausfällt. Aber wie von Pixar erwartet werden kann, lässt die Qualität und Ausstattung fast keine Wünsche offen. Erstklassig sind Bild- und Tonqualität der Blu-ray-Disc. Die Tonspur in DTS-HD 5.1 ES beginnt noch ziemlich dezent. Spätestens als die Helden in eine Verfolgungsjagd verwickelt werden, entwickelt sie einen umfassenden Raumklang.

Vorzüglich ist auch das vollständig in High Definition enthaltene Bonusmaterial. Regisseur Pete Docter und Co-Regisseur Bob Peterson führen auf dem Cine-Explore-Kommentar, zu dem zahlreiche Entwürfe und ergänzendes Bildmaterial eingeblendet werden, durch den Film und weisen vor allem auf die verschiedenen Überlegungen bei der Entwicklung hin. Sie verraten etwa, dass gemäss der Rechnung eines Mitarbeiters eigentlich 26,5 Millionen Ballone notwendig gewesen wären, um das Haus fliegen zu lassen (ohne das Gewicht von Ballonen und Fäden zu berücksichtigen). Verwendet wurden aber nur ungefähr 10’862 Ballone. Sie betonen auch, dass die Geschichte in erster Linie der Hauptfigur dienen muss. Wenn dazu eine Nebenfigur sterben muss, dann ist das deren Aufgabe. Dieses Thema taucht auch im Beitrag «The Many Endings of Muntz» (5 Minuten) auf. Wahrlich abenteuerlich ist der Beitrag «Adventure Is out There» (22 Minuten), in dem die Forschungsreise von rund 10 Pixar-Mitarbeitern zu den Tepuis und dem Wasserfall Kerepakupai merú in Venezuela geschildert wird.

Auf der ersten Disc sind auch die beiden Kurzfilme «Partly Cloudy», der schon im Kino als Vorfilm zu sehen war, und «Dug’s Special Mission» vorhanden. Wie schon der Kurzfilm «BURN•E» auf der Blu-ray-Disc von «WALL•E» eine Ergänzung des Hauptfilms darstellte, wird auch in «Dug’s Adventure» ein wenig der Hintergrund von Dug enthüllt. Auf der zweiten Disc lässt eine alternative Fassung von «Married Life» (9 Minuten) die verschiedenen Stufen bei der Entwicklung erkennen. Amüsant ist die Promo-Montage (6 Minuten) in der auch einige Szenen enthalten sind, die für die Werbung verwendet wurden.

Zusätzlich beleuchten sieben Beiträge (insgesamt 47 Minuten) verschiedene Aspekte der Produktion. Im Zentrum stehen vor allem die verschiedenen Figuren (Carl, Russell, Muntz, Dug und Kevin), aber auch die Gestaltung des Hauses und die Fluggeräte werden näher vorgestellt. Wer sich den Beitrag über Russell und dessen Sprecher ansieht, kann danach nicht mehr behaupten, dass es bei einem Animationsfilm keine Rolle spielt, in welcher Sprachfassung man ihn sich anhört. Der Aufwand für die Originalaufnahme und das dadurch erhaltene Resultat lässt sich einfach nicht wiederholen, und Pete Docter erwähnt ausdrücklich, dass die Figuren durch die Besetzung der Stimme verändert werden.

Das «4-Disc-Set» enthält den Film zusätzlich auch noch auf DVD und als Digitalkopie.

Bewertung: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
6 Sterne

(Bild: ©Disney/Pixar. All Rights Reserved.)

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