«Persepolis» von Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud

«Persepolis»

Persepolis war die Hauptstadt des antiken Perserreichs. Heute sind davon nur noch die Ruinen zu besichtigen. «Persepolis» ist auch der Titel des autobiografischen Comic von Marjane Satrapi, einem vierteiligen Werk, das in Deutschland in zwei Bänden herausgegeben wurde. Ihr bewegtes Leben endete auch beinahe in Ruinen. Zusammen mit Vincent Paronnaud hat sie die eigene Geschichte in einen berührenden Animationsfilm verwandelt.

Marjane war 8 Jahre alt, als 1979 die islamische Revolution die iranische Gesellschaft durchrüttelt. Das aufgeweckte Mädchen aus der aufgeschlossenen Familie versteht die Welt nicht mehr, holt sich bei der scharfzüngigen Grossmutter Rat und debattiert nachts mit Gott und Marx (worüber Gott wenig erfreut ist). Während der iranisch-irakische Krieg tobt und die fundamentalistische Ideologie das alltägliche Leben im Würgegriff hält, schwärmt die Teheranerin für Bruce Lee und Iron Maiden.

Über die zunehmenden Repressionen gegen die liberal denkenden Bürger besorgt, schicken die Eltern ihre 14-jährige Tochter ins ferne Wien. Die junge Iranerin startet in einer Nonnenpension ins Teenagerleben, schlittert in amouröse Katastrophen und endet in schweren Depressionen. Geplagt von Heimweh kehrt Marjane nach Teheran zurück, wo sie sich vergeblich zu integrieren versucht.

Mit 33 Jahren emigriert Marjane Satrapi schliesslich nach Frankreich, wo sie das wechselvolle Leben zwischen zwei Kulturen mit Selbstironie und viel Situationskomik in einem Comic festgehalten hat. Die Verfilmung erhielt am diesjährigen Filmfestival von Cannes verdientermassen den Jurypreis.

«Persepolis»

Das Schicksal von Marjane Satrapi ist von aussen betrachtet tragisch. Sowohl unter der brutalen Herrschaft des Schahs, als auch später unter dem noch brutaleren Diktatur der Mullahs sind Verwandte von ihr ins Gefängnis gesperrt und auch getötet worden. Die Unterdrückung der Religionshüter lässt die Familie in ständiger Angst schweben. Eigentlich erstaunlich, dass nur die Tochter ins Ausland geschickt wurde.

Trotz düsteren Episoden verliert die Erzählung aber nie eine ironische Distanz, ohne die das Drama teilweise nur schwer erträglich wäre. So räsoniert Marjane im Wiener Spital, in das sie wegen einer Bronchitis eingeliefert worden ist, dass sie zwar eine Revolution und einen Krieg überlebt habe, nun aber fast von Liebeskummer dahingerafft worden sei. Subversiv wehrt sie sich auch gegen die heuchlerischen Vorschriften der intoleranten iranischen Gesellschaft. Als ihr ein Sittenwächter erklärt, dass ihr Hinterteil beim Rennen unanständig wackle, schreit sie ihn an, was ihm eigentlich einfalle, auf ihr Hinterteil zu starren.

Fazit: «Persepolis» ist ein aufwühlendes Drama mit subtilem Humor und eine eindringliche Hommage an die Würde des Menschen.

Bewertung: 6 Sterne

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