«The Truman Show» von Peter Weir

Jim Carrey in «The Truman Show»

We accept the reality of the world with which we are presented.

Schon einmal das Gefühl gehabt, dass dein Leben von aussen bestimmt wird? Die ewige Diskussion über freier Wille (Selbstbestimmung) und Schicksal (Vorbestimmung) ist die Grundlage für die herrliche Tragikomödie «The Truman Show» von Regisseur Peter Weir und Drehbuchautor Andrew Niccol. Der unfreiwillige Hauptdarsteller einer Fernsehserie wagt den Ausbruch aus seinem vorgezeichneten Tagesablauf.

Die Welt von Truman Burbank (Jim Carrey) könnte nicht besser sein. Eine perfekte Ehe mit einer hübschen Frau (Laura Linney), ein angenehmer Beruf sowie ein schönes Haus in einer traumhaften Stadt, die idyllisch auf einer Insel nahe der Küste gelegen ist. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt wünschen sich das Leben von Truman Burbank. Da sie es nicht haben können, schauen sie ihm zu. Truman ist nämlich der Hauptdarsteller seines eigenen Leben. Der Ablauf wird von einem Fernsehproduzenten gesteuert und als erfolgreiche Fernsehserie auf die Bildschirme in der ganzen Welt übertragen.

Die Welt lebt mit Truman, ohne dass dieser auch nur den geringsten Hauch einer Ahnung davon hat, dass er ein Gefangener in einem Glaskasten ist. Entgegen den Bestrebungen des Produzenten Christof (Ed Harris), ist Truman allerdings mit seiner Existenz auf der Insel je länger je mehr unzufriedener. Sein Herz sehnt sich nach Reisen und einem Wiedersehen mit der Frau (Natascha McElhone), in die er sich während seinem Studium verliebt hat. Den Tod seines Vaters vor Augen fürchtet sich Truman jedoch seine Insel zu verlassen. Als sich aber die Anzeichen auf eine Verschwörung gegen seine Person allmählich häufen, werden Truman Fluchtversuche immer entschlossener.

Ed Harris und Jim Carrey in «The Truman Show»

Das Leben im Schaukasten wird je nach Sichtweise unterschiedlich beurteilt. Von der dystopischen Zukunftsvision einer totalen Überwachung von George Orwell in «1984» bis zur gegenwärtigen Offenherzigkeit mancher Internet-Benutzer und dem freiwilligen Einzug in sogenannte «Reality Shows» dauerte es nur gerade knapp 50 Jahre. Gut 10 Jahre nach der Produktion von «The Truman Show» ist nicht einmal mehr ein Auftritt im Fernsehen notwendig, um sich seine eigene Show zu basteln. Das Internet bietet so ziemlich alle vorstellbaren Möglichkeiten zur Selbstdarstellung – bis hin zur Besprechung eines Films über den Verlust der Privatsphäre in einem Blog.

Zwischen dieser Ausstellungslust und dem Dasein von Truman Burbank besteht allerdings ein gewichtiger Unterschied. Truman ist sich nicht bewusst, dass ihn täglich Millionen von Menschen bei seinen Tätigkeiten beobachten oder dass sein Leben für diese Menschen ein beruhigendes Idealbild darstellt. Er hat lediglich festgestellt, dass sein Leben nicht von ihm selbst bestimmt wird, ein Umstand den er unbedingt abändern möchte. Sein Drang nach einem anderen Leben ist ein Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung.

Antoni Corone und Mario Ernesto Sanchez in «The Truman Show»

Im Universum von Truman lässt sich sogar eindeutig ein Gott erkennen. Der ist menschlicher als Truman sich das vorstellen kann. Aber obschon der Schöpfer von Trumans Realität nicht allmächtig ist, fühlt sich Christof trotzdem als Herrscher über Trumans Universum. Andrew Niccol («Gattaca») erforscht in seinem ausgeklügelten Drehbuch die verschiedenen Aspekte dieser eigenartigen und zwiespältigen Vater-Sohn-Beziehung sowie das leicht gestörte Verhältnis der Aussenwelt zu diesem scheinbar vorbildlichen Universum. Die Zuschauer geben einen Teil ihres eigenen Lebens auf, um mit ihrem Idol mitzufiebern.

Die Inszenierung von Regisseur Peter Weir («The Cars That Ate Paris») ist beinahe makellos. Obschon der Film auch reichlich Stoff für angeregte Diskussionen und Überlegungen liefert, lässt er sich auch ganz banal als Unterhaltungsfilm geniessen. Der Humor ist verspielt und durch die Ausgangslage auch leicht absurd. Wenn Truman beinahe von einem aus dem Himmel stürzenden Scheinwerfer erschlagen wird, folgt später im Radio die Durchsage, dass ein Flugzeug ein Teil der Fracht verloren hat. Passend dazu die Warnung vor dem Fliegen, um noch ein wenig die Flugangst von Truman zu fördern. Mitreissend ist schliesslich der Aufstand von Truman gegen die Elemente. Ein nahezu perfekter Film.

Bewertung: 6 Sterne

(Fotos: ©Paramount Pictures)

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3 Kommentare to “«The Truman Show» von Peter Weir”

  1. Roger says:

    Einer meiner Lieblingsfilme.

  2. juliaL49 says:

    Muss ich auch demnächst nochmal gucken :) (vielleicht eine Peter Weir-Woche einlegen?!)

    Interessant finde ich in dem Zusammenhang, dass ED-TV, der fast zeitgleich gestartet ist, völlig untergegangen ist. Da ging es ja gerade um die freiwillige Zurschaustellung. Da hat das originellere und diskussionswürdigere Thema der Truman Show eher die Zeit überdauert.

  3. Lesender says:

    ich glaube wir haben orwell schon weit übertroffen. diese ganze überwachung und datensammelei, dies hat er sich nicht geahnt, dass das zwischenzeitlich so in mode gekommen ist. es ist aber nicht nur der staat. wie auch die bürger selbst, freiwillig ihre daten in sozialen netzwerken offenbaren, zeigt doch, dass wir alle gebenüber dem datenschutz gleichgültiger geworden sind. oder etwa nicht?

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