SF 10: Trickfilmwettbewerb Suissimage SSA 2010

«Frère Benoît et les grandes orgues» von Michel Dufourd

Auf die Solothurner Filmtage verzichte ich in diesem Jahr. Aber den heute von der Schweizer Trickfilmgruppe durchgeführten Trickfilmwettbewerb habe ich mir dennoch nicht entgehen lassen. Wirklich  begeistert hat mich zwar keiner der Filme, aber die vielfältige Auswahl zeugte dennoch von einem mehr als soliden Niveau der Schweizer Trickfilmer. Kleiner Schönheitsfehler an diesem Bild: Die beiden Werke, die in der Publikumsabstimmung am meisten Stimmen erhielten, wurden zu einem vermutlich beträchtlichen Teil in Indien und Polen hergestellt.

Wie sich schon dem Applaus nach abschätzen liess, ging der mit 7000 Franken dotierte, von SSA und Suissimage gestiftete Publikumspreis an Michel Dufourd. Seine computeranimierte Komödie «Frère Benoît et les grandes orgues» setzte sich sehr deutlich durch. Von den 392 gültigen Stimmen (3 ungültige Wahlzettel) erhielt er mehr als einen Viertel. Der Film spielt in einem mittelalterlichen Kloster, in dem der etwas ungeschickte Bruder Benoît den Befehl erhält, die gigantische Kirchenorgel zu putzen. Ein neugieriger Gockel unterstützt ihn dabei. Das Timing des Films ist präzise, die Einfälle humorvoll und die Ästhetik nicht ganz nach meinem Geschmack. Trotzdem ein durchaus verdienter Sieger.

«Little Eden» von Nino Christen

Meine Stimme habe ich hingegen an «Little Eden» von Nino Christen vergeben. In seinem Abschlussfilm des Studiums Animation an der Hochschule Luzern erzählt er von einem Schrebergärtner, der sein kleines Paradies schön ordentlich pflegt und vehement gegen Eindringlinge wie Ameisen und Schnecken verteidigt. Als aber eine Krähe auftaucht, ist seine Idylle plötzlich in Gefahr. Der aus Zeichen- und Computeranimation hergestellte Film überzeugt durch die sorgfältige Inszenierung und die knorrige Stimmung.

Von der Animation her hat mich auch «Warten» von Tom Hänni überzeugt, die Geschichte von einem etwas zu klein geratenen Märchenprinzen, der bei der Suche nach seiner Prinzessin entweder zu spät kommt oder an die Falschen gerät. Das einzige Problem an dieser Produktion ist nur, dass das dazugehörige Lied von Adrian Zaar, das Hänni als Vorlage benutzte, nicht wirklich zur Geschichte passt – weder inhaltlich, noch musikalisch.

Die vollständigen Resultate der Publikumsbefragung:

1. «Frère Benoît et les grandes orgues» von Michel Dufourd (102 Stimmen)
2. «Danny Boy» von Marik Skrobecki (65 Stimmen)
3. «Yuri» von Hedinger, Brun, Wagner, Schiendorfer (59 Stimmen)
4. «Wolves» von Rafael Sommerhalder (39 Stimmen)
5. «Valise» von Isabelle Favez (28 Stimmen)
6. «Land of the Heads» von Claude Barras und Cédric Louis (27 Stimmen)
7. «TV Dinner» von Maya Galluzi (13 Stimmen)
7. «Little Eden» von Nino Christen (13 Stimmen)
9. «Warten» von Tom Hänni (12 Stimmen)
10. «MacGuffin» von Mojgan Ghanaatgar (10 Stimmen)
11. «First Contact» von Neil Stubbings (9 Stimmen)
12. «Obèse Blues» von Jean-Marc Duperrex (7 Stimmen)
12. «Goodron Dance» von Simon Eltz (7 Stimmen)
14. «Molly Monster: Monstersitting» von Ted Sieger (1 Stimme)

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