«Toy Story 3» von Lee Unkrich (Blu-ray)

«Toy Story 3»

It’s Emily all over again!

Aller guten Dinge sind drei. «Toy Story 3» ist erst der dritte Animationsfilm, der eine Oscar-Nomination in der Kategorie «Bester Film» erhalten hat (nach «Beauty and the Beast» und «Up») und ist ebenfalls erst der dritte 3. Teil, dem diese Ehre zuteil wird (nach «The Godfather: Part III» und «The Lord of the Rings: The Return of the King»). Für mich ein unerwarteter Oscar-Anwärter. Es ist zwar keineswegs so, dass mich die Nomination überrascht hat, nachdem ich gelesen habe wie euphorisch der 11. abendfüllende Animationsfilm der Pixar Studios von der Presse in den USA aufgenommen wurde. Aber da viele Elemente aus «Toy Story» und «Toy Story 2» ohne wesentliche Ergänzungen wiederholt werden, fühlt sich «Toy Story 3» nicht mehr ganz so frisch an wie die ersten beiden Teile. Ein herausragender und kurzweiliger Animationsfilm ist «Toy Story 3» aber allemal, eine spannende Abenteuer-Komödie mit spektakulären Szenen und rührenden Momenten.

Seit den Ereignissen in «Toy Story 2» ist viel Zeit vergangen. Andy ist schon fast erwachsen und verlässt in wenigen Tagen das Elternhaus Richtung College. Höchste Zeit, um noch sein Zimmer zu räumen und über das Schicksal der in einer Kiste ruhenden Spielzeuge zu entscheiden. Die hat er schon sehr lange nicht mehr berührt. Übrig sind sowieso nur noch Woody (Stimme von Tom Hanks), Buzz Lightyear (Tim Allen), Jessie (Joan Cusack), Rex (Wallace Shawn), Mr. Potato Head (Don Rickles), Mr. Potato Head (Estelle Harris), Hamm (John Ratzenberger), Slinky Dog (Jim Varney), das Pferd Bullseye und die drei kleinen Ausserirdischen. Andy will Woody mit ans College nehmen, die übrigen Spielzeuge sollen auf dem Dachboden verstaut werden. Stattdessen stehen sie jedoch plötzlich in einem Müllsack am Strassenrand.

Die entsetzten Entsorgten können sich gerade noch retten, landen jedoch in einer Kiste, deren Inhalt, darunter auch Barbie (Jodi Benson), für die Kinderkrippe «Sunnyside» bestimmt ist. Als Woody auftaucht, versucht er vergebens sie dazu zu bringen, zurück ins Haus zu kommen. Sie fühlen sich verraten und wagen die Abschiebung in die Kinderkrippe. Woody ist hingegen skeptisch. Daran kann auch der freundliche Empfang durch die Spielzeuge in der Kinderkrippe unter der Führung des knuddeligen Bärs Lotso (Ned Beatty) nicht viel ändern. Woody ist entschlossen, zu seinem Besitzer zurückzukehren. Andys übrigen Spielzeuge müssen am nächsten Tag feststellen, dass sie von Lotso ausgetrickst und ins Zimmer der äusserst ruppigen Kleinkinder gesperrt wurden. Da kann Buzz nur noch zerknittert feststellen: «I don’t remember play time being quite so strenuous.»

«Toy Story 3»

Durch «WALL•E» und «Up» haben die Pixelkünstler aus den Pixar Studios die Messlatte für ihre eigenen Werke schon fast auf unerreichbare Höhen gelegt. Mit «Toy Story 3» erreichen sie zwar nicht ganz die gleiche Brillanz, beweisen aber einmal mehr ihre unerschöpfliche Kreativität. Wie bereits für die ersten beiden Folgen kann eigentlich auch für «Toy Story 3» das Motto von «A Bug’s Life» verwendet werden: «An epic of miniature proportions». Ein Epos in verkleinerten Massstab spielt sich hier ab. Für die Spielzeuge mutet bereits der Weg zum Nachbarhaus wie eine Weltreise an. Dabei sind die Distanzen nach menschlichen Massstäben manchmal gar nicht so weit.

Das Drehbuch von Michael Arndt («Little Miss Sunshine») bringt nicht wirklich ganz so viel Frische in die Geschichte, wie das von einem externen Autoren zu erwarten gewesen wäre. Aber einige vertraute Elemente wurden vermutlich auch von Regisseur Lee Unkrich (Co-Regisseur von «Finding Nemo», «Monsters, Inc.», «Toy Story 2») und Produzent John Lasseter (Regisseur von «Toy Story» und «Toy Story 2») verlangt. So steht wie schon in «Toy Story 2» bei einer zentralen Figur das Thema des Verlassenwerdens im Mittelpunkt und bestimmt ihre Handlungen. Auch die Begegnung von Barbie und ihrem Ken (Michael Keaton), der sich nicht gerne als Zubehör bezeichnen lässt, verläuft in zu erwartenden Bahnen.

Für Abwechslung sorgt dafür etwa die Technik von Buzz, der durch die Umstellung eines Schalter plötzlich «Donde esta mi nave?» fragt und für seinen erotischen Hüftschwung verzückte Blicke von Jessie erntet. Grandios ist die Begegnung von Woody mit den Spielzeugen von einem Mädchen, die nahelegt, dass die Spielzeuge die Persönlichkeit von ihren Besitzern annehmen. Durch das kreative Mädchen sind auch die Spielfiguren ganz verspielt geworden und üben sich unter der Leitung von Mr. Pricklepants (Timothy Dalton) enthusiastisch in Theateraufführungen. «We do a lot of improv here,» erklären sie dem leicht verwirrten Woody.

Solche liebevollen Details sorgen dafür, dass auch «Toy Story 3» trotz kleinen Schwächen wegen den Wiederholungen ein reichhaltiges und durch und durch befriedigendes Erlebnis bietet. Die Figuren und die Handlung dienen nicht einfach als Gerüst für Witze, sondern sind mit viel Gefühl und Eigenheiten ausgefüllt. Wenn dann gegen Ende die Helden vor ihrer grössten Herausforderung stehen und sich verschworen die Hände reichen, zeigt sich, ob die Filmemacher ihr Ziel erreicht haben. Zumindest mich hat diese Szene gefesselt; dann stockte nämlich der Atem und die Augen wurden feucht.

Bild- und Tonqualität der Blu-ray-Disc sind einwandfrei und bringen die künstlerische und technischen Fertigkeiten der Filmemacher optimal zur Geltung. Wie man sich das ausserdem von Blu-ray-Discs von Pixar gewohnt sein darf, ist umfangreiches Bonusmaterial vorhanden, verteilt auf zwei Scheiben. In einem Cine-Explore-Kommentar mit Regisseur Lee Unkrich and Produzentin Darla K. Anderson und beinahe unzähligen zwischen 2 und 10 Minuten langen Beiträgen wird hinter die Kulissen der Produktion geführt, die Entstehung eines digitalen Animationsfilms erklärt und den allem Anschein nach traumhaften Arbeitsalltag im Studio beleuchtet. Da wird ein Mitarbeiter vorgestellt, der einen geheimen Raum im Gebäude entdeckt und umfunktioniert hat, und die Frühstücksflocken-Bar wird besucht. Selbstverständlich ist auch der Kurzfilm «Day & Night» enthalten, der schon im Kino zu bestaunen war.

Bewertung: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
6 Sterne

(Bilder: © Walt Disney Studios Home Entertainment/Pixar Animation Studios)

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