«Los cronocrímenes» von Nacho Vigalondo (Blu-ray)

Karra Elejalde in «Los cronocrímenes»

No tengo opción!

In seiner Kurzgeschichte «Robot Visions» hat Isaac Asimov erklärt, dass nur eine Zeitreise in die Zukunft möglich ist. Eine Reise in die Vergangenheit würde nämlich zu drastischen Veränderungen führen: «Since the past should seem fixed, it makes sense that travel back in time is impossible.» Filmemacher haben sich aber noch nie von Unmöglichkeiten beeindrucken lassen. So haben sich gerade Reisen in die Vergangenheit als äusserst reizvoll bewiesen. Wer dabei sicher sein will, dass man sich nicht Gedanken über unerklärliche Auswirkungen von Veränderungen machen muss, benutzt einfach das «Predestination paradox»-Konzept, das Paradox der Vorbestimmung. Das bestimmt auch die Ereignisse im spanischen Science-Fiction-Thriller «Los cronocrímenes» von Regisseur und Drehbuchautor Nacho Vigalondo.

Héctor (Karra Elejalde) und seine Frau Clara (Candela Fernández) wohnen in einem abgelegenen Haus, das von Wald umgeben ist. Als Zeitvertreib sieht sich Héctor gern mit einem Feldstecher in der Umgebung um. Als er eine unbekannte Frau (Bárbara Goenaga) im Wald entdeckt, die ihr T-Shirt auszieht, wird er neugierig. Héctor macht sich auf die Suche nach der Frau. Ziemlich verblüfft findet er sie ein wenig später bewusstlos und mittlerweile völlig nackt neben einem Fels liegen. Als sich Héctor zu ihr hinbückt, wird er von einem vermummten Mann mit einer Schere angegriffen.

Schockiert rettet sich Héctor in ein nahes Haus. Dort trifft er nach einer Weile auf einen Wissenschaftler (Nacho Vigalondo), der ihm erlaubt, in einer Zeitmaschine eine Stunde in die Vergangenheit zu reisen. So bietet sich Héctor die Möglichkeit, die Vorfälle noch einmal zu beobachten und vielleicht sein Schicksal zu verändern. Doch als Héctor in der Vergangenheit ankommt, muss er feststellen, dass die Ereignisse eine ganz eigenartige Bewandtnis auf sich haben. Héctor versucht zwar in das Geschehen einzugreifen. Doch er kann sich nicht wirklich sicher sein, ob er dadurch auch die gewünschten Auswirkungen erzeugt.

Karra Elejalde und Nacho Vigalondo in «Los cronocrímenes»

Regisseur und Drehbuchautor Nacho Vigalondo entwirft in seinem Spielfilmdebüt «Los Cronoscrímenes» ein ausserordentliches packendes Experiment über das Paradox der Zeitreise. Dabei ist das Konzept so einfach wie überzeugend. Da er seine Hauptfigur in die eigene Vergangenheit reisen lässt, ist sie anschliessend doppelt vorhanden und begegnet sich unweigerlich auch selbst. Nur war sie sich dessen nicht bewusst, als sie die Ereignisse das erste Mal erlebte. Das erinnert unweigerlich an «Harry Potter and the Prisoner of Azkaban». Im dritten Schuljahr dreht Hermione die Zeit zurück, um ein Ereignis zu verhindern, das aber vielleicht gar nie stattgefunden hat, weil Hermione und Harry es durch ihre Zeitreise bereits verhindert haben. Diese Versuchsanordnung mit einer Endlosschleife regt auf jeden Fall zu faszinierenden Diskussionen an.

Inszeniert wurde «Los cronocrímenes» mit einfachsten Mitteln. Wenn nicht das zentrale Handlungselement eine Zeitreise wäre, würde man dem Film nicht ansehen, dass es sich um einen Science-Fiction-Film handelt. Auf offensichtliche visuelle Effekte musste wohl aus Kostengründen verzichtet werden, und die eingesetzten Spezialeffekte bestehen hauptsächlich aus Make-up, das aber nicht zu sparsam verwendet wurde. «Los cronocrímenes» besticht also weniger durch eine aufwändige Produktion, als vielmehr durch die meisterhaft aufgebaute Spannung, die stimmungsvolle Atmosphäre und insbesondere die immer ausweglosere Situation, die nicht nur die Hauptfigur, sondern auch das Publikum zur Verzweiflung treibt.

Das geringe Budget des Films ist auch der Blu-ray-Disc anzusehen. Die Bildqualität ist zwar für eine Low-Budget-Produktion durchaus solide, das Bild weist aber eben auch leichte Verschmutzungen auf und ist nicht immer ganz scharf. Der «Special Edition» ist eine zusätzliche DVD mit Bonusmaterial beigelegt. Der durchschnittliche Drehbericht (45 Minuten) besteht hauptsächlich aus Aufnahmen von den Dreharbeiten. Auch der Beitrag zu einem für die Werbung des Films entwickeltem Internetspiel (34 Minuten) oder die Interviews (10 Minuten) sind nicht gerade herausragend. Sehr amüsant ist dafür der ebenfalls vorhandene Kurzfilm «7:35 de la mañana», für den Vigalondo 2005 eine Oscar-Nomination erhielt.

Bewertung: 5 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 4 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
4 Sterne

(Bilder: © Koch Media)

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