«The Lord of the Rings – Extended Edition» von Peter Jackson (Blu-ray)

Elijah Wood und Ian McKellen in «The Lord of the Rings – Extended Edition»

Three hundred lives of men I have walked this earth and now I have no time.

Wer sich auf eine Reise begibt, nimmt sich mit Vorteil genügend Zeit, um sich ausgiebig an den Besonderheiten zu erfreuen. Wer etwa zusammen mit den Hobbits Frodo und Sam den beschwerlichen Weg von Hobbiton zum Mount Doom auf sich nimmt, kommt erst mit der «Extended Edition» von «The Lord of the Rings» in den vollen Genuss des imposanten Fantasy-Epos von Regisseur Peter Jackson. Knapp elf Stunden dauern der Kampf um Middle-Earth in dieser gigantischen Fassung (ohne Abspann), gut zwei Stunden mehr als in der Kinoversion. Die zusätzliche zeitliche Investition lohnt sich, denn so kommt die Wirkung der Erzählung erst zur vollen Entfaltung. In der Blu-ray-Disc-Box ist zudem das vollständigste Bonusmaterial enthalten.

Die Verlockungen des Rings bestimmen selbstverständlich auch in der ausgedehnten Fassung die Handlung. Nachdem sich Bilbo Baggins (Ian Holm) auf Befehl von Zauberer Gandalf (Ian McKellen) von seinem geliebten Ring getrennt hat, wird das glänzende Stück von Gandalf absichtlich auf dem Boden liegen gelassen. Der erstaunte Frodo (Elijah Wood) weiss gar nicht so recht, was er mit dem ihm vererbten Ring anfangen soll. Er schlägt Gandalf vor, dass der Zauberer den Ring in Obhut nehmen soll. Doch der weigert sich resolut: «Don’t tempt me, Frodo! I dare not take it. Not even to keep it safe.» Die vom verfluchten Ring ausgehende Gefahr ist für den Zauberer zu gross, als dass er sich ihr aussetzen würde. Wie sich später zeigt, werden mehrere Personen durch die Reize des Rings vernichtet.

Die ausführlichere Fassung lässt aber auch deutlich erkennen, dass die Zeit ein ebenso dominantes Thema in «The Lord of the Rings» ist. Darauf wird schon in der Einführung verwiesen. Der dunkle Lord Sauron hat nämlich nach seiner Vernichtung durch Isildur darauf vertraut, dass die durch das Verstreichen der Zeit übliche Vergesslichkeit zu seinen Gunsten wirken wird. Wie Galadriel (Cate Blanchett) als Erzählerin berichtet, verwandelte sich dadurch die Geschichte des Rings in einen Mythos: «And some things that should not have been forgotten were lost. History became legend, legend became myth.» Nur noch wenige Personen erinnern sich an die Gefahren, die vom doch eher unscheinbaren Goldring ausgehen, der durch Zufall in den Besitz von Bilbo Baggins gelangt ist.

Aber nachdem die dunklen Mächte erfahren haben, wo sich der Ring befindet, eilt die Zeit plötzlich. Der Ring muss zerstört werden. Der Rat von Elfenlord Elrond (Hugo Weaving) schickt neun Gefährten auf eine Mission. Gandalf und Aragorn (Viggo Mortensen) führen die Gefährten an und dulden keinerlei Verzögerungen der Reise. Das führt vor allem bei den beiden Hobbits Merry (Dominic Monaghan) und Pippin (Billy Boyd) zu Verstimmungen. Sie sind es sich aus ihrer Heimat gewohnt, dass man sich für die Annehmlichkeiten des Lebens Zeit nimmt, ganz besonders für die diversen Mahlzeiten. Als ihnen Aragorn mitteilt, dass sie erst wieder bei Einbruch der Nacht rasten werden, möchte Pippin daher ziemlich entrüstet wissen, wann endlich gefrühstückt wird. Diese Mahlzeit haben sie bereits eingenommen, meint Aragorn. Doch Pippin wundert sich: «What about second breakfast?» Davon wisse Aragorn wohl nichts, erklärt Merry. Und weiter geht die Reise.

«The Lord of the Rings – Extended Edition»

Durch eine ununterbrochene Betrachtung von «The Lord of the Rings» werden das Erlebnis, die Anstrengung und die Emotionen der Gefährten nachvollziehbar. Wie etwa die Ungeduld von Merry bei seiner Begegnung mit Treebeard. Der urzeitliche Waldhüter hat ein ganz anderes Konzept von Zeit. Weil Merry weiss, dass seine Freunde in Gefahr sind, kann es ihm plötzlich nicht mehr schnell genug gehen. Ziemlich ungeduldig macht er Treebeard, der beim Sprechen gelegentlich einmal einschläft, darauf aufmerksam, dass sie keine Zeit mehr haben: «We’re running out of time!» Doch Treebeard lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen: «You must understand, young Hobbit, it takes a long time to say anything in Old Entish. And we never say anything unless it is worth taking a long time to say.»

Die «Extended Edition» hat ausserdem den Vorteil, dass die Geschichte weniger überhastet erzählt wird. Zahlreiche zusätzliche Szenen sind enthalten, die zum Beispiel verraten, dass Aragorn von den Dúnedain abstammt und bereits 87 Jahre alt ist, oder die Wirkung von Entwasser auf Hobbits zeigen. Durch diese zusätzlichen Momente erhalten insbesondere die Nebenfiguren mehr Raum. Eine wichtige Rolle spielen eben auch Merry und Pippin bei ihrer Exkursion in den Wald Fangorn. Oder wie es Gandalf voraussagt: «The coming of Merry and Pippin will be like the falling of small stones that starts an avalanche in the mountains.» Sie machen Treebeard und seine knorrigen Ent-Kollegen auf die vernichtenden Folgen des Kriegs in Middle-Earth aufmerksam und sichern dadurch den Kämpfern gegen die Dunkelheit eine unerwartete Unterstützung.

Zauberer Saruman (Christopher Lee) hat zuvor für die Herstellung der Waffen und der Ausrüstung seiner Uruk-hai-Armee alle Bäume in der Umgebung seiner Festung Isengard abholzen lassen. Er hat Sauron vorgeschlagen, dass sie gemeinsam über Middle-Earth herrschen und die alte Weltordnung durch industrielle Zerstörung vernichten werden: «The old world will burn in the fires of industry. Forests will fall. A new order will rise. We will drive the machine of war with the sword and the spear and the iron fist of the Orc.» Voller Trauer muss der in anderen Zeiträumen denkende Treebeard feststellen, dass auch er ein Teil dieser Welt ist und er von der durch den Krieg verursachten Umweltzerstörung betroffen ist. Das bringt ihn schliesslich dazu, in den Konflikt einzugreifen. Wie er betrübt einsieht, hat sich Saruman von der Natur abgewandt: «He no longer cares for growing things.»

Elijah Wood in «The Lord of the Rings – Extended Edition»

Bei der längeren Version bleibt bei der Betrachtung auch mehr Zeit, um sich Gedanken über gewisse Aspekte der Inszenierung zu stellen, die teilweise vielleicht nicht so besonders überzeugen oder nicht gerade besonders passend wirken. Da ist beispielsweise die Schlacht von Helm’s Deep, in der das ganze Tal von einer unübersichtlichen Masse angreifender Orcs und Uruk-hais überfüllt ist. Das wirkt vollkommen übertrieben. Doch die Beschreibung von J.R.R. Tolkien liess Peter Jackson eigentlich keine andere Wahl: «For a staring moment the watchers on the walls saw all the space between them and the Dike lit with white light: it was boiling and crawling with black shapes, some squat und broad, some tall and grim, with high helms and sable shields. Hundreds and hundreds more were pouring over the dike and through the breach. The dark tide flowed up to the walls from cliff to cliff.» Wie eine Flutwelle müssen sich die Gegner auf die Hornburg stürzen.

Ziemlich aufgesetzt wirkt in den Schlachtszenen auch der als Auflockerung eingestreute Humor mit Legolas (Orlando Bloom) und Gimli (John Rhys-Davies) und ihrem eigenartigen Wettkampf, wer mehr Feinde tötet. Immer wieder vergleichen sie ihre Opferzahlen. Ein solch fragwürdiges Verhalten kann wohl kaum im Roman von Tolkien enthalten gewesen sein. Doch dieser Wettstreit ist in der Vorlage beinahe identisch vorhanden. Während jedoch Legolas in der Filmfassung am Ende der Schlacht noch schnell einen Pfeil in einen bereits getöteten Orc schiesst, um die Zahl von Gimli zu erreichen, zeigt er sich im Roman um einiges versöhnlicher: «‘You have passed my score by one,’ answered Legolas. ‘But I do not grudge you the game, so glad am I to see you on your legs!’» Da ist mir Legolas in der Version von Tolkien eindeutig sympathischer.

Auf jeden Fall kommen alle Aspekte der Erzählung in der «Extended Edition» von «The Lord of the Rings» hervorragend zur Geltung. Die Bild- und Tonqualität der Blu-ray-Qualität sind tadellos. Das unerschöpfliche Bonusmaterial ist in Standardauflösung auf neun DVDs enthalten. Es besteht einerseits aus den bereits auf der gewöhnlichen «Extended Edition»-DVDs beigelegten «Anhängen» mit 43 Dokumentationen über die verschiedenen Aspekte der Produktion. Andererseits sind auch die zuvor nur in einer «Limited Edition» erhältlichen ungeschminkten Drehberichte von Costa Botes vorhanden. In gut fünf Stunden zeigt er erfrischend ungewöhnliche Eindrücke von der Entstehung des Films inklusive den Kampf mit dem wetter und der Erschöpfung oder wie Billy Boyd und Dominic Monaghan ihre Brusthaare und andere Körperteile miteinander vergleichen. Ausserdem sind auch die vier Audiokommentare mit Regisseur und Drehbuchautoren, mit dem Design-Team, mit den Darstellern und mit den Produktionsabteilungen vorhanden. Insgesamt ist so genügend Material für eine Reise mit «The Lord of the Rings» vorhanden, die mehr als nur ein paar Stunden in Anspruch nimmt.

Bewertung: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
6 Sterne

(Bilder: © Warner Home Video/New Line Cinema)

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