ZFF 11: «Contagion» von Steven Soderbergh

How are we defining ‹contained›?

SARS, Vogelgrippe, Schweinegrippe. Solche bedrohlich klingenden Infektionskrankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, sind in den letzten 10 Jahren in beunruhigender Regelmässigkeit aufgetreten. Beinahe schon dokumentarisch schildern Regisseur Steven Soderbergh («The Informant!», «Sex, Lies, and Videotape») und Drehbuchautor Scott Z. Burns («The Informant!», «The Bourne Ultimatum») in «Contagion», was die Auswirkungen sein könnten, wenn sich ein solches Virus wirklich schnell ausbreiten sollte. Die Schilderung der Geschichte ist zwar mehrheitlich sehr nüchtern, aber dennoch mitreissend und beklemmend.

Leicht hustend sitzt Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise nach Hongkong am Flughafen von Chicago und bedankt sich am Telefon bei ihrem Liebhaber für die kurze Begegnung. Wenig später ist sie wieder in Minneapolis bei ihrem Mann Mitch (Matt Damon) und ihrem Sohn Clark (Griffin Kane). Zwei Tage danach bricht Beth in der Küche zusammen. Die Ärzte im Spital können sie nicht mehr retten. Gleichzeitig sterben auch Menschen in Chicago, Hongkong, Tokio und London. Darauf wird einerseits der Reporter Alan Krumwiede (Jude Law, «Sherlock Holmes», «Gattaca») aufmerksam, andererseits aber natürlich auch Dr. Ellis Cheever (Laurence Fishburne) vom Centers for Disease Control and Prevention (CDC).

Während Cheever seine Mitarbeiterin Dr. Erin Mears (Kate Winslet, «Revolutionary Road») zur Informationsbeschaffung nach Minneapolis schickt, reist Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard, «Inception») von der World Health Organization (WHO) auf ihrer Spurensuche nach Hongkong. Erst nachdem die ersten Untersuchungen zu Resultaten führen, können die Forscher am CDC nach einem Medikament und Impfstoff gegen das Virus suchen. Doch mit der raschen Ausbreitung des Virus nehmen auch Panik und Chaos zu. Derweil verbreitet Krumwiede auf seinem Blog «Truth Serum Now» die Botschaft, dass die Gesundheitsbehörden mit der Pharmaindustrie unter einer Decke stecken und die Krankheit durch ein Mittel aus Forsythien besiegt werden kann.

Regisseur Steven Soderbergh und Drehbuchautor Scott Z. Burns mischen in «Contagion» dramatische Elemente mit einer beinahe schon wissenschaftlichen Analyse der Vorgänge. Im Zentrum stehen in erster Linie die Forscher und Beamten der Gesundheitsbehörden, die nicht nur die Verbreitung des Virus, sondern auch der Informationen unter Kontrolle bringen müssen. Dabei wird auch ersichtlich, welche Überlegungen in einer derartigen Situation vermutlich angestellt werden. Als von einer Ausgangssperre die Rede ist, fürchtet eine Person bereits die finanziellen Folgen: «It’s the biggest shopping weekend of the year». Und auch eine Schliessung der Schulen würde erhebliche Auswirkungen haben, schliesslich müsste sich dann jemand um die Kinder kümmern, anstatt am Arbeitsplatz zu sein.

Da Soderbergh und Burns die Situation im Fall einer Pandemie schildern, führt die Ausbreitung des Virus und die unzähligen Todesfälle schon nach etwas mehr als einer Woche zu einer Situation, wie sie vor allem aus Zombie-Filmen bekannt ist. Da Polizei, Feuerwehr und die Müllabfuhr teilweise ihre Arbeit niederlegen, häuft sich auf den Strassen der Dreck, Lebensmittelgeschäfte werden geplündert, und nach einer Weile sind auch Privathäuser vor den nach Nahrungsmitteln suchenden Menschen nicht mehr sicher. Im Unterschied zu den Zombie-Filmen geht in «Contagion» die Gefahr einer Infektion allerdings nicht von lebenden Toten, sondern von den Mitmenschen aus. Trotzdem werden die Nachbarn nur in wenigen Szenen als Bedrohung dargestellt.

Soderbergh hat diesen ruhigen Thriller sowieso weniger auf möglichst intensive Spannung ausgerichtet. Vielmehr ermöglicht er durch die vielfältigen Blickwinkel einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Abläufe. Durch die von ihm unter dem gewohnten Pseudonym Peter Andrews geführte Handkamera wird zusätzlich der Eindruck eines Dokumentarfilms erzeugt. Für den nötigen Schwung sorgen der dynamische Schnitt von Stephen Mirrione («Babel», «Traffic») und die treibende Musik von Cliff Martinez («First Snow», «Traffic»). Eigentlich sollte mir der Film gar nicht so gut gefallen, denn durch die Gestalt von Krumwiede ist auch eine ziemlich negative Einschätzung von Bloggern enthalten. Das Urteil eines Forschers über die Tätigkeit von Krumwiede: «Blogging is not writing. It’s graffiti with punctuation.» Aber so ein scherzhafter Seitenhieb ist schnell verziehen.

Fazit: «Contagion» bietet eine faszinierende und packende Betrachtung der Folgen einer Pandemie.

Bewertung: 5 Sterne

(Bilder: © 2011 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.)

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