«Rise of the Guardians» von Peter Ramsey

It’s your turn not to be believed in.

Superhelden sind in Hollywood gerade gross in Mode. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis auch der Weihnachtsmann und der Osterhase als mutige Kämpfer gegen böse Mächte antreten dürfen. Trotz dieser etwas bemühten Besetzung bezaubert der Animationsfilm «Rise of the Guardians» durch eine magische Bilderwelt.

Der eine bringt Geschenke an Weihnachten, der andere Eier an Ostern. Sie ersetzt ausgefallene Zähne durch Münzen und der letzte sorgt für angenehme Träume. Gemeinsam sind der Weihnachtsmann (Stimme von Alec Baldwin), der Osterhase (Hugh Jackman, «The Prestige»), die Zahnfee (Isla Fisher) und der Sandmann dafür verantwortlich, dass die Hoffnungen und Wünsche der Kinder erfüllt werden. Doch ihnen droht Gefahr durch eine dunkle Gestalt: der Butzemann Pitch Black (Jude Law, «Gattaca»), will den Glauben der Kinder an die Wächter zerstören und die Welt in Angst und Dunkelheit stürzen.

Da wählt der Mann im Mond den verspielten Jack Frost (Chris Pine, «Star Trek») als neues Mitglied der schützenden Helden aus. Doch der muss zuerst seinen inneren Antrieb für die verantwortungsvolle Aufgabe finden. Der für frostige Spässe verantwortliche Jack hat nämlich das gleiche Problem wie Pitch Black: weil die Menschen nicht an ihn glauben, ist er für sie unsichtbar. Das schlägt ihm ein wenig auf die Stimmung.

Für einmal dienen also nicht Comics, sondern die Mythologie aus den nordeuropäischen und angelsächsischen Ländern für die Helden in einem rasanten, leichtfüssig inszenierten Abenteuer. «Rise of the Guardians» trumpft dabei vor allem durch verführerische visuelle Einfälle auf. Wie für einen Animationsfilm üblich, ist die Geschichte über einen jungen Menschen, der seine eigenen Stärken finden muss, nicht nur mit moralischen Lehrstücken, sondern auch mit reichlich Humor ausgestattet. Dafür sind vor allem die Elfen und Yetis in den Werkstätten des Weihnachtsmannes, aber auch der trotz eindrücklicher Statur etwas neurotische Osterhase verantwortlich. Für angenehme Schauer sorgen die Auftritte von Pitch Black, der mit seinen Nachtmahren in Pferdegestalt an die Episode «Night on Bald Mountain» aus «Fantasia» erinnert.

Obschon die Wächter in «Rise of the Guardians» auch im asiatischen Raum die Zähne einsammeln, so ist der Film durch die Wahl der Figuren doch ganz auf ein Publikum im westlichen Kulturraum ausgerichtet. Dass es regionale Unterschiede in der Folklore gibt, wird in einer Szene angedeutet, in der die Zahnfee in Frankreich auf die Zahnmaus trifft, die auch in Spanien und lateinamerikanischen Ländern für den Austausch von Zähnen gegen Münzen zuständig ist. Überschneidungen von Bedeutungen gibt es ebenfalls bei Figuren wie dem Weihnachtsmann, der in Nordamerika an Weihnachten Geschenke verteilt, während der Nikolaus oder Samichlaus im deutschsprachigen Raum schon früher unterwegs ist. In Russland wiederum wird diese Aufgabe durch Väterchen Frost übernommen, der dort ausserdem wie Jack Frost die Verkörperung des Winters ist. Doch um solche Details kümmert sich die Filmemacher von «Rise of the Guardians» nicht. Stattdessen liefern sie einfach ein kurzweiliges und faszinierendes Märchen ab.

Fazit: Die Umwandlung des Weihnachtsmannes und seiner Kollegen in Superhelden in «Rise of the Guardians» bietet kurzweilige Unterhaltung.

Bewertung: 4 Sterne

(Bilder: © 2011 DreamWorks Animation LLC. All Rights Reserved.)

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