«Trouble with the Curve» von Robert Lorenz

I don’t need your pointy little nose in my business.

Clint Eastwood spricht gerne mit leeren Stühlen. Das Klischee vom mürrischen alten Mann bestätigt er auch im Baseball-Liebesdrama «Trouble with the Curve». Die Paraderolle für Eastwood wird jedoch durch ein überladenes und dadurch oberflächliches Drehbuch behindert. Und für Baseball-Fans sind die Baseball-Szenen mehrheitlich nur ärgerlich.

Um die Zeitung zu lesen, braucht Gus (Clint Eastwood, «Gran Torino») nicht nur eine Brille, sondern auch noch eine Lupe. Seine Augenprobleme bieten nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Mann, der an regionalen Baseballspielen die zukünftigen Talente der Atlanta Braves erkennen soll. Weil sein Vertrag bald ausläuft und die Bosse des Vereins vermehrt auf verlässliche moderne Methoden setzen, gerät Gus immer mehr unter Druck.

Mit hohen Anforderungen bei der Arbeit ist auch seine Tochter Mickey (Amy Adams, «Enchanted») vertraut, die in der Anwaltsfirma zur Partnerin aufsteigen möchte. Mitten in den Vorbereitungen zu einem Fall kommt daher die Nachricht von den Schwierigkeiten ihres Vaters überhaupt nicht gelegen. Doch obschon Mickey der Ansicht ist, dass sie nach dem frühen Tod der Mutter von ihrem Vater vernachlässigt wurde, reist sie nach North Carolina, um ihn zu unterstützen. Dort trifft sie auch auf Johnny (Justin Timberlake, «The Social Network»), der selbst einmal fast zum Baseball-Star wurde, sich dann aber wegen zu vielen Einsätzen verletzte.

Die Konstellation mit mürrischem Vater und vorwurfsvoller Tochter reicht für ein reichhaltiges Drama bereits vollkommen aus. Doch Drehbuchautor Randy Brown begnügte sich nicht mit diesem Konflikt, sondern streut auch noch Intrigen am Arbeitsplatz8 Gus wird beobachtet), eine aufkeimende Liebe der bisher in Beziehungen eher gehemmten Tochter mit dem ehemaligen Baseball-Spieler und dazu einen Kommentar über die modernen Selektionsmethoden im Baseball in die Handlung ein. Das würde für eine ganze Fernsehserie ausreichen. Ach ja, und dann ist da immer noch diese dunkle Episode in der Vergangenheit, über die weder Vater noch Tochter wirklich sprechen wollen.

In den knapp zwei Stunden Kinofilm bleibt hingegen durch die Vielzahl an Elementen kein Raum für die Entwicklung der einzelnen Stränge. Zu vorhersehbar und eintönig muss «Trouble with the Curve» deshalb dem üblichen Schema eines Dramas folgen, in dem ein alternder Experte durch moderne Technologie ersetzt werden soll. Die lieblose Behandlung der einzelnen Themen sorgt dafür, dass der Film weder als Baseball-Drama noch als Romanze überzeugt. Zudem können die wenigen Baseball-Fans im deutschsprachigen Raum wenig Freude an der unglaubwürdigen Inszenierung des Spiels haben. Besonders nachdem letztes Jahr das gleiche Thema in «Moneyball» so packend umgesetzt wurde.

Über Clint Eastwood machte schon nach «Gran Torino» das Gerücht die Runde, dass er nicht mehr als Schauspiler auftreten will. Nun spielt er in «Trouble with the Curve» trotzdem die Hauptrolle, hat den Film aber nicht selber inszeniert. Hinter der Kamera stand Robert Lorenz, der zuletzt als Produzent und zuvor als Regieassistent bei den Filmen von Eastwood tätig war. Es ist also kein Wunder, dass «Trouble with the Curve» fast wie ein Film von Eastwood selbst aussieht. Dafür sorgen auch Kameramann Tom Stern, Produktionsdesigner James J. Murakami und die Cutter Joel Cox und Gary Roach, die zum festen Bestandteil von Eastwoods Produktionen zählen. Durch zahlreiche inhaltliche Mängel ist die Wachablösung auf dem Regiestuhl allerdings gescheitert.

Fazit: «Trouble with the Curve» ist ein einfallslose erzählte und nicht viel besser inszenierte Baseball-Romanze mit zu wenig Tiefgang.

Bewertung: 2 Sterne

(Bilder: © 2012 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.)

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