«Oz the Great and Powerful» von Sam Raimi (Blu-ray)

Good thing green is my favorite color.

Irgendwie verwegen, ein wenig mutig, aber natürlich auch sehr berechnend. Über 70 Jahre nach der Premiere von «The Wizard of Oz» wagen sich The Walt Disney Studios mit der visuell opulenten 3D-Fantasy-Produktion «Oz the Great and Powerful» wieder einmal an die Geschichten von Frank L. Baum. Damit erfüllt sich sozusagen ein lang gehegter Wunsch des 1966 verstorbenen Studio-Gründers.

Schon bevor Walt Disney 1937 mit «Snow White and the Seven Dwarfs» dem abendfüllenden Animationsfilm den Weg in die Kinos ebnete, wollte er nämlich die Geschichten von Frank L. Baum über die magische Welt von Oz verfilmen. Doch die Rechte dafür hatte sich bereits Samuel Goldwyn gesichert. Nachdem 1939 «The Wizard of Oz» von MGM produziert und bald zu einem Klassiker wurde, scheiterten fast alle nachfolgenden Bemühungen von Disney.

1957 präsentierte Disney in der TV-Serie «Disneyland» zwar neue Pläne für einen Kinofilm. Doch daraus wurde nichts. Walt Disney Pictures produzierte schliesslich 1985 mit «Return to Oz» den ersten Oz-Kinofilm des Studios. Die Produktionskosten wurden allerdings nicht eingespielt. So dauerte es bis 2013, bis mit «Oz the Great and Powerful» ein weiterer Kinofilm entstand.

Das visuelle 3D-Spektakel von Regisseur Sam Raimi («Drag Me to Hell») ist visuell schlicht überwältigend. Und die Geschichte erinnert in ihrer Einfachheit an die animierten Disney-Klassiker: Ein charmanter Magier (James Franco, «127 Hours»), der gerne Frauen verführt, gerät in das geheimnisvolle Land von Oz, wo er im Kampf gegen böse Hexen seine wahren Tugenden entdecken muss: «The only person you got fooled is yourself.»

Der Jahrmarkt-Magier Oz hat eine Schwäche für schöne Frauen und billige Tricks. Vor einem erzürnten Ehemann muss er Reissaus nehmen. Mit seinem Heissluftballon fliegt Oz in einen Wirbelsturm und landet schliesslich in einem wilden Bach. An einem Ufer mit üppigen Blumen und glänzenden Kolibris und Schmetterlingen endet die feuchte Achterbahnfahrt. In Empfang genommen wird Oz von der freundlichen Hexe Theodora (Mila Kunis, «Ted», «Black Swan»), die in der Ankunft von Oz die Erfüllung einer Prophezeiung erkennt: er wird die böse Hexe töten, die den König von Oz getötet hat.

Oz und Theodora machen sich auf den Weg zur Emerald City. Unterwegs schliesst sich ihnen der fliegende Affe Finley (Stimme von Zach Braff) an. In der Emerald City trifft Oz auf Theodoras Schwester Evanora (Rachel Weisz, «The Mummy»). Die Hexe erklärt ihm, wie er die böse Hexe töten kann und schickt Oz auf seine Mission in den dunklen Wald. Dort begegnet Oz aber nicht einer bösen Hexe, sondern der guten Hexe Glinda (Michelle Williams, «Shutter Island»). Wurde er möglicherweise angelogen?

Bald einmal wird klar, dass in «Oz the Great and Powerful» eine Vorgeschichte zu «The Wizard of Oz» erzählt wird. Da die Oz-Erzählungen mittlerweile nicht mehr durch Urheberrechte geschützt sind, durften sich die Drehbuchautoren Mitchell Kapner und David Lindsay-Abaire bei allen Geschichten von Frank L. Baum bedienen. Nur auf die Veränderungen aus dem Klassiker «The Wizard of Oz», wie etwa die rubinroten Schuhe, mussten sie verzichten. Doch Dorothy kommt in «Oz the Great and Powerful» sowieso noch gar nicht vor, obschon Baum schon 1908 feststellen musste, dass das Mädchen aus Kansas zu einer «firm fixture in these Oz stories» geworden ist.

Doch auch ohne Dorothy lassen sich fantastische Abenteuer in Oz erzählen. Für «Oz the Great and Powerful» dient nun aber eben die in den Romanen lediglich angedeutete Vorgeschichte von Oz als Haupthandlung. Verwendet wurden auch einige weitere Elemente aus dem ersten Buch «The Wonderful Wizard of Oz», der Vorlage für den Kinofilm «The Wizard of Oz», wie etwa die einschläfernden Mohnfelder oder das zerbrechliche Land aus Porzellan. Die moderne Fassung entspricht aber nicht nur durch diese Handlungselemente, sondern auch durch den verspielten und treuherzigen Charakter den Vorlagen von Frank L. Baum.

Wer sich an den Erlebnissen erfreuen möchte, sollte daher über ein gewisses Mass an kindlicher Naivität verfügen. Denn die Erzählung ist tatsächlich nicht nur vorhersehbar, sondern auch sehr schlicht. Ganz im Gegensatz zur bildlichen Umsetzung, die an «Avatar» und «Alice in Wonderland» erinnert. Wirklich überraschend ist das nicht, denn für die visuelle Gestaltung war bei allen drei Werken Robert Stromberg verantwortlich. Seine prächtigen Kulissen sorgen für erstaunlich Eindrücke. Obschon ich nur selten von 3D-Filmen begeistert bin, so entfalten diese betörenden Traumwelten tatsächlich nur mit dieser Technologie ihre volle Wirkung.

Auf der vorzüglichen Blu-ray-Disc führen einige 5 bis 20 Minuten lange Dokumentationen hinter die Kulissen der Entstehung. Im Beitrag «Walt Disney and the Road to Oz» wird die Faszination von Walt Disney für die Geschichten von Oz berichtet und Ausschnitte aus früheren Produktionen gezeigt, im Drehbericht «My Journey in Oz» unterhält sich James Franco mit Sam Raimi und seinen Kollegen. Dazu wird gezeigt, wie sich Mila Kunis in eine Hexe verwandelt und die Entwürfe von Robert Stromberg werden erklärt. Einige misslungene Szenen sind ebenfalls enthalten.

Fazit: Disney ist mit «Oz the Great and Powerful» ein vor allem visuell erfreulicher, inhaltlich noch steigerungsfähiger Einstieg in das Universum von Frank L. Baum gelungen, den man sich unbedingt in 3D ansehen sollte.

Bewertung: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
4 Sterne

(Bilder: © The Walt Disney Studios)

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