«Königin Po» von Maja Gehrig

Aso di Gschicht erfindsch denn aber nomel neu!

Dem Schwebezustand zwischen Tag und Nacht hat sich die Filmemacherin Maja Gehrig bereits in «Une nuit blanche» (2005) angenähert, ihrem Abschlussfilm an der HSLU. Nun beschäftigt sie sich in «Königin Po» mit einem ganz anderen Aspekt dieses Übergangs von Wachen zu Schlafen. Nur noch eine Geschichte möchte das Mädchen im Bett von ihrem Vater hören. So die altbekannte Ausgangslage dieser etwas anderen Gutenachtgeschichte. In der Folge entspinnt sich eine berührend fragile Erzählung über Dominanz und Gleichgewicht.

Die Füsse eines Mädchens schauen unter der Decke hervor, die Stimme verlangt eine neue Geschichte. So erzählt der leicht ratlose Vater in Zusammenarbeit mit seiner Tochter von zwei «öppis», in denen Frau Triangel und Herr Vierangel wohnen, die den ganzen lieben langen Tag «irgendöppis» machen. Alle diese «öppis» fallen durch die Wolken und werden Hotels. Soweit eigentlich alles friedlich und idyllisch – bis eines Tages Königin Po auftaucht und sich zwischen Frau Triangel und Herr Vierangel und ihre Produktion von «öppis» stellt. Die Weltordnung von Frau Triangel und Herr Vierangel gerät dadurch aus dem Gleichgewicht. An dieser Stelle will der Vater die Geschichte beenden, doch die Tochter lässt das natürlich nicht zu.

Mit viel Einfallsreichtum lassen sich die Drehbuchautorinnen Maja Gehrig und Pamela Dürr auf die interaktive Geschichte von «Königin Po» und ihrem Königreich ein. Dabei geben die beiden Hauptfiguren die Geschwindigkeit vor. Die Fantasie von Vater und Tochter ist mal träge, dann wieder wieselflink, wird von Alltagsgeräuschen oder Gedankensprüngen beeinflusst. Aus Irrealem wird auf der Leinwand der Gutenachtgeschichte Gegenständliches. Schliesslich wird die Geschichte von einem Telefonanruf unterbrochen. Die Tochter muss alleine für ein glückliches Ende sorgen, doch die Handlung droht in hohen Wellen zu versinken.

«Königin Po» handelt von poetischen Ideen und einer elterlicher Fürsorge, die nicht immer durch ungeteilte Aufmerksamkeit vorhanden sein kann. Dementsprechend wandelt sich auch die Illustrierung von zuckerwattig-wolkiger Leichtigkeit bis hin zu bedrohlich stürmischer Düsterheit. So veranschaulicht Gehrig, wie die verspielte kindliche Fantasie rasch in Unsicherheit kippen kann. Doch entsprechend des leicht absurden Titels findet die Handlung ein versöhnliches Ende. Ein zarter Nachtfalter entspringt der Geschichte und symbolisiert die Zerbrechlichkeit der abendlichen Erzählung. An den Solothurner Filmtagen 2015 gewann Gehrig mit dem Kurzfilm, den sie ihrem Sohn Kasimir gewidmet hat, den Publikumspreis.

Bewertung: 5 Sterne

(Bilder: © 2015 Schick Productions)

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