«Autour de l’escalier» von 10 Animationsfilmern

1968 gründeten die Schweizer Animationsfilmer Georges Schwizgebel, Claude Luyet, Daniel Suter, Nag und Gisèle Ansorge und Bruno Edera in einer Küche in Genf das Groupement Suisse du Film d’Animation, GSFA, die Schweizer Trickfilmgruppe. 50 Jahre später feiern über 100 Künstler des Schweizer Animationsfilms mit dem Omnibus-Werk «50:50» das runde Jubiläum. 15 kurze bis kürzeste Beiträge sind darin versammelt. Einer davon ist «Autour de l’escalier», an dem auch das GSFA-Ursprungsmitglied Georges Schwizgebel beteiligt war. Sein Markenzeichen sind rotierende Bilder mit fliessenden Übergängen in stetiger Wandlung, wie in «Erlkönig» oder «Romance».

Eine solche markante Zeichnung von Schwizgebel bildet auch den Einstieg in «Autour de l’escalier»: Menschen bewegen sich in einer Endlosschlaufe um eine Struktur, die an eine Penrose-Treppe erinnert. Doch plötzlich entschwindet der Ball eines Kindes auf anderen Treppenstufen und es eröffnet sich ein Universum voller fantastischer Elemente, welche von den weiteren Animationsfilmern stammen: Insekten, eine Spinne, eine Schlange und ein Chamäleon von Camille Müller winden sich um Säulen. Ihr Monster von Loch Ness schwimmt im Wasser, über das der Adler von Elena Madrid kreist. In einem Fischglas springen Fisch und Vogel von Jonathan Laskar hintereinander aus dem Wasser und tauchen wieder ein und seine Akrobaten tanzen und schwingen durch schwebende Gebäudestrukturen.

Ein Skelett von Charlotte Waltert blickt kurz aus dem Fenster. Daneben hat Gabriel Möhring einen Turm mit Strassenmarkierung gezeichnet, den wiederholt ein Auto hinabfährt. Die Maler von Delia Hess («Circuit») überstreichen gegenseitig Fensterläden, und das Seifenblasenkind von Anja Sidler transferiert sich von einer Treppe zur nächsten. Schliesslich springt der Bodybuilder von Sophie Laskar-Haller ins Wasser, bevor sich der Blick weitet und das ganze Tableau mit all seinen vielfältigen Elementen offenbart. Dort lassen sich auch noch ein Taucher von Vladislav Lukyantsev und eine Hommage an «Tango» (PL 1980) von Zbigniew Rybczyński entdecken. Durch seine Ähnlichkeit mit dem «Wasserfall» von M. C. Escher schliesst die Gesamtansicht zudem an den Ausgangspunkt der Penrose-Treppe an.

Das kurze Werk der Filmschaffenden zeigt den eindrücklichen Variantenreichtum der Zeichenanimation. Die einzelnen Animationsstile unterscheiden sich zwar teilweise stark voneinander und lassen dadurch klar die einzelnen Handschriften der Künstler erkennen. Dennoch fügen sich die einzelnen Elemente nahtlos in das Gesamtwerk, verbunden einerseits durch die zauberhaften Bewegungen, andererseits durch das sich wiederholende Motiv der Verwandlungen – ein typisches Sinnbild des Animationsfilms.

Bewertung: 5 Sterne

(Bilder: © 2018 Papier perforé/Punched paper films, Studio GDS)

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