«Inkheart» mit Brendan Fraser

Bei manchen Filme weiss ich ehrlich gesagt gar nicht so richtig, was ich darüber schreiben soll. Auch «Inkheart» ist so ein Film. Daraus lässt sich bestimmt schon einmal ableiten, dass ich von der Verfilmung von Cornelia Funkes Fantasy-Roman «Tintenherz» nicht gerade begeistert bin. Da ich die Vorlage von Funke nicht gelesen habe, kann ich zwar nicht behaupten, dass die Umsetzung missglückt ist, aber wenn der Roman ebenso lieblos erzählt ist, habe ich sicher nichts verpasst.

Nach einer kurzen Einführung, in der die besonderen Fähigkeiten der Hauptfigur Mo (Brendan Fraser) vorgestellt werden, beginnt die Handlung irgendwo in den Schweizer Alpen. Die Strassenschilder weisen nach Zernez und Zouz (in Graubünden), das Plakat des Büchermarkts, auf dem Mo verzweifelt ein Buch sucht, ist aber mit Wappen von Nid- und Obwalden (in der Zentralschweiz) versehen. War das Budget der Produktion wirklich dermassen eingeschränkt, dass sich die Filmemacher nicht einen kurzen Ausflug in die Schweiz leisten konnten? Oder zumindest einen sachverständigen Berater?!?

Wie dem auch sei. In der Antiquarischen Albenbuchhandlung wird Mo fündig. Dort befindet sich tatsächlich ein Exemplar von «Tintenherz». Doch als er wieder zu seiner Tochter Meggie (Eliza Bennett) stösst, taucht ein geheimnisvoller Mann namens Dustfinger (Paul Bettany) auf, der Mo dazu drängt, ihm eine Geschichte vorzulesen. Was es damit auf sich hat? Mo ist eine Silberzunge. Wenn er aus einem Buch vorliest, dann tauchen die Figuren daraus in seiner Welt auf. Nur verschwinden gleichzeitig auch Menschen aus seiner Welt in die Fiktion des Buchs.

Auf diese Weise hat Mo seine Frau Resa (Sienna Guillory) in den Seiten von «Tintenherz» verloren und sucht nun verzweifelt nach den verbliebenen Exemplaren, um sie wieder zu befreien. Doch dem aus dem Buch entwichenen Bösewicht Capricorn (Andy Serkis) gefällt es in der Welt von Mo. Er vernichtet alle Ausgaben von «Tintenherz», die ihm in die Hände kommen. Hilfe erhofft sich Mo vom «Tintenherz»-Autoren Fenoglio (Jim Broadbent). Und auch Resas Tante Elinor (Helen Mirren) unterstützt ihn tatkräftig.

Das ist also ganz schön was los, im knapp zwei Stunden dauernden Film. So wird hastig von einer Szene zur nächsten geeilt, ohne dass dabei gross Wert auf die Stimmung oder die Figuren gelegt wird. Dabei stammt das Drehbuch von dem mit einem Pulitzer ausgezeichneten Theaterautoren David Lindsay-Abaire, und für die Inszenierung war der für die betörende Literaturverfilmung «The Wings of the Dove» verantwortliche Iain Softley zuständig. Doch den Zwängen der unaufhaltsamen Narration mussten auch sie sich unterwerfen.

Durch die gehetzte Handlung wirkt mancher Schauplatzwechsel ebenso beliebig wie zwischendurch die Motivation der Figuren. Die Inszenierung und vor allem die Spezialeffekte deuten zudem darauf hin, dass das Budget der Produktion tatsächlich nicht besonders komfortabel gewesen ist. Da nützt es auch nichts, einen erfahrenen Kameramann wie Roger Pratt («Brazil», «Troy») zu verpflichten, wenn dann bei einer Verfolgungsjagd über Dächer klar die einkopierten Hintergründe zu erkennen sind. Einzig das Aschemonster am Schluss wurde einigermassen überzeugend gestaltet.

Immerhin verleihen die Oscar-Gewinner Helen Mirren («The Queen») und Jim Broadbent («Iris») dem Film nicht nur ein wenig Gewicht, sondern zugleich auch ein wenig auflockernden Humor. Brendan Fraser hingegen, den ich für gewöhnlich trotz seiner beschränkten Ausdrucksfähigkeit sehr gerne sehe, stiefelt in «Tintenherz» jedoch äusserst betrüblich durch die Gegend. Die Autorin Cornelia Funke wird mit der Adaption dennoch zufrieden sein, schliesslich überwachte sich das Projekt als Produzentin.

Fazit: «Inkheart» ist eine weitgehend einfallslos umgesetzte Fantasy-Verfilmung.

Bewertung: 2 Sterne

(Bilder: © 2008 Warner Bros. Pictures. All Rights Reserved)

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3 Kommentare to “«Inkheart» mit Brendan Fraser”

  1. Andy says:

    Das Buch ist alles andere als lieblos. Die Bücher sind eine der besten deutschsprachigen Fantasy die es gibt. Ich bin überhaupt erklärter Funke Fan. Allerdings war die Verfilmung von “Herr der Diebe” auch schon eher auf der “na ja” Seite. Fraser ist in dem Fall eine klare Fehlbesetzung.

  2. Andy says:

    Ach ja, die beste Funke Verfilmung bisher sind die wilden Hühner, auch wenn ich da nicht wirklich zum Zielpublikum gehöre :D

  3. Nicole says:

    Habe mit Tintenherz zum ersten Mal Funk-Luft geschnuppert. Shame on me – ich weiss. Versuche mich diesbezüglich zu bessern. Aber Cornelia hat sich überhaupt nicht vergriffen, als sie sich Brendan ausgesucht hat. Zwei ihrer Hörbücher hat er auch schon gesprochen. Allerdings bin ich auch nicht Zielpublikum und vielleicht auch darum völlig unbefangen. Der Film gefällt mir und die Bücher werde ich mir, als logische Konsequenz, nun reinziehn ;-)
    Happy new year, viel Spass mit Funke und allen anderen tollen Geschichten.

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