«Happy-Go-Lucky» von Mike Leigh

Sally Hawkins in «Happy-Go-Lucky»

Ich würde gerne mehr wie Poppy sein, die Hauptfigur aus «Happy-Go-Lucky» von Mike Leigh. Sie ist entschlossen und aufgeschlossen, unternehmenslustig, lässt sich nicht unterkriegen und verfügt über eine unschlagbar positive Lebenseinstellung: «I love my life. Yeah, it can be tough at times, that’s part of it, isn’t it?»

Im Gegensatz zu seinem um ein paar Jahre älteren Landsmann Ken Loach versteht sich der genauso exakt beobachtende Mike Leigh auch auf Komödien. Das stellt er auch mit dem im Wettbewerb der 58. Berlinale vertretenen Werk «Happy-Go-Lucky» eindrücklich unter Beweis. 2008 ist im Berlinale Palast wohl bei keinem anderen Film so häufig so herzhaft gelacht worden.

Die lebensfreudige Primarschullehrerin Poppy (Sally Hawkins), kurz für Pauline, lässt sich durch nichts unterkriegen und kann sogar über Schmerzen nur lachen. Als ihr das Fahrrad gestohlen wird, bedauert sie vor allem, dass sie sich nicht davon verabschieden konnte. Aber Poppy ist nicht nur leicht abgedreht, sie ist auch extrem anteilnehmend und eine wunderbare Freundin.

Sally Hawkins und Eddie Marsan in «Happy-Go-Lucky»Zusammen mit der Berufskollegin Zoe (Alexis Zegerman) wohnt Poppy in einer Wohnung und feiert intensiv an den Wochenenden. Weil das Fahrrad entwendet worden ist, nimmt Poppy Fahrstunden. Ihr Lehrer ist der griesgrämige Scott (Eddie Marsan), der sich nicht nur als paranoid, sondern auch als rassistisch herausstellt. Doch Poppy versucht sogar ein Lächeln in seinen Alltag zu bringen.

Eine wirkliche Handlung ist eigentlich gar nicht vorhanden. «Happy-Go-Lucky» ist ein Film über die Kreativität, Einfühlungsvermögen und Lebensfreude. So ist auch der Film kreativ, einfühlsam, voller Lebenslust und auch ein wenig chaotisch wie die Hauptfigur. «Happy-Go-Lucky» soll glücklich machen, obschon Zoe einmal einwendet: «Seriously, you can’t make everyone happy!». Darauf kann Poppy nur erwidern: «There’s no harm in trying, is there?»

Regisseur und Drehbuchautor Leigh stellt in einer langen Einführung seine Hauptfigur vor, der er dann zuerst ein Antagonist entgegen und erst fast zum Ende auch noch ein Liebhaber zur Seite stellt. Dazwischen entwickelt sich ihr Leben, und auch eine heissblütige Flamenco-Lehrerin sorgt für kurzweilige zwei Stunden. Leigh schaltet zwar erst mit der ersten Fahrstunde auch einen Gang höher, hält aber danach das Tempo angenehm hoch. Bei der zweiten Betrachtung fügt sich sogar die märchenhafte Begegnung mit einem Obdachlosen in den Film.

Eine Wucht ist aber sowieso und vor allem die überwältigende Hauptdarstellerin Sally Hawkins, die dieser sehr unbeschwerten, aber doch immer leicht sozialkritischen Komödie zur Höchstnote verhilft. Sie wirbelt durch London und vermag auch jenseits der für gewöhnlich vorherrschenden Lebensfreude die Emotionen fein abzustufen. In erster Linie verzaubert ihre Figur aber natürlich durch ihre optimistische Lebenseinstellung und diesem unwiderstehlichen Lächeln. «Happy-Go-Lucky» ist eine herzhaft ehrliche Komödie über die sympathischste Leinwandfigur seit langem.

Auf der DVD sind zwei Berichte über den Film enthalten. In «Behind the Wheel» (4 Minuten) wird kurz erklärt, wie die Szenen im Auto gedreht wurden. Die 27-minütige Dokumentation «Mike Light’s Characters» (sollte vermutlich «Mike Leigh’s Characters» heissen) beleuchtet die Arbeitsweise von Leigh und lässt neben dem Regisseur auch Hawkins, Marsan und Zegerman zu Wort kommen. Diese Interviews sind auch noch separat enthalten.

Film: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
3 Sterne

(Bilder: ©Warner Home Video)

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Ein Kommentar to “«Happy-Go-Lucky» von Mike Leigh”

  1. juliaL49 says:

    Aha, das hört sich doch sehr gut an :) Und ich bin mir fast sicher, dass ich die DVD irgendwo in meinem Stapel habe. Muss ich mal bei Gelegenheit nachschauen.

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