«Joshua» von George Ratliff

«Joshua»Dieser Film hätte auch gut in das Programm des NIFFF gepasst. Zu sehen war er allerdings 2007 im Internationalen Wettbewerb des Filmfestivals Locarno. Den Weg in die Deutschschweizer Kinos hat er danach leider nicht gefunden. Dabei ist der verspielte Mysterythriller durchaus sehenswert.

Joshua (Jacob Kogan) ist der talentierte, 9-jährige Sohn von Brad (Sam Rockwell) und Abby (Vera Farmiga), die in einer Nobelwohnung in der Upper East Side in New York wohnen. Als ihr zweites Kind Lily auf die Welt kommt, ist die Aufmerksamkeit der Eltern nur noch auf das Baby gerichtet. Da erklärt Joshua eines Abends beim Nachtessen, dass in der Wohnung ein Mensch gestorben sei. Ist das der Grund, das Lily plötzlich ununterbrochen schreit oder hat etwa Joshua etwas damit zu tun?

Die psychisch angeschlagene Mutter versinkt wegen dem dauernd schreienden Baby in immer tiefere Depressionen und muss schliesslich in eine Anstalt eingewiesen werden. Als dann auch noch die helfende Grossmutter zu Tode stürzt, befürchtet der Vater, dass sein Sohn die seltsamen Vorfälle orchestriert. Die Verdächtigungen führen zu einem immer unberechenbareren Verhalten.

«Joshua»Geistergeschichten werden von Regisseur George Ratliff evoziert. Doch anstatt einfach nur eine unheimliche Spannung zu kreieren, spielt Ratliff mit den Konventionen des Genres und legt so manche falsche Fährte. Joshua spricht nicht nur von verstorbenen Menschen, sondern beginnt sich auch für altägyptische Götter und Rituale zu interessieren und die streng gläubige Grossmutter versucht den ungetauften Jungen zum Evangeliken zu konvertieren.

Diese klugen Brüche zwischen Erwartungshaltung an das Genre und ironischer Auslegung der Regeln macht zum einen den Reiz dieser formal gelungenen Tragikomödie aus. Getragen wird der stimmungsvolle Film aber auch durch die nuanciert zurückhaltenden Interpretationen der Schauspieler. In seiner Schlichtheit ist «Joshua» geradezu genial, wenn auch die Auflösung durch ihre Banalität einen schalen Nachgeschmack zurücklassen kann. Aber irgendwie ist auch diese gewagte Irreführung genial.

Auf der DVD sind einige entfallene Szenen enthalten, die mich ziemlich überrascht haben. Auf der DVD haben die Verdachtsmomente gegen Joshua irgendwie nicht so eindeutig gewirkt, wie ich sie in Erinnerung hatte. Wenn mich mein Gedächtnis nicht vollkommen täuscht, liegt das daran, dass zumindest einige der entfallenen Szenen in der Festivalversion noch eingefügt gewesen sind.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
2 Sterne

(Bilder: ©Twentieth Century Fox)

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