«Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay»

Kal Penn, Danneel Harris und John Cho in «Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay»

Ich muss zugeben, ich bin älter geworden. Hat sich dadurch auch mein Humor verändert? Diese Frage stelle ich mir ab und zu, wenn ich mir im Kino einen Film mit tief unter der Gürtellinie angesetztem Humor ansehe und darüber überhaupt nicht lachen kann. Dank «Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay» habe ich beruhigt feststellen dürfen, dass unanständiger Humor mich durchaus noch vergnügen kann. Höchst schamlos und dafür umso treffender ist in der Kiffer-Komödie auch der politische Humor.

Harold und Kumar sind die Söhne von Einwanderern in die USA. Die Eltern des sauberen und pflichtbewussten Harold (John Cho) stammen aus Südkorea, die Eltern des unordentlichen und faulen Kumar (Kal Penn) aus Indien. Gemeinsam haben sie ihre Leidenschaft für Gras. 2004 erlebten sie in «Harold & Kumar Go to White Castle» ihr erstes zugedröhntes Abenteuer. Eigentlich möchten Harold und Kumar lediglich die delikaten Burger von White Castle geniessen, doch der Weg dorthin ist beschwerlich und mit skurrilen Begegnungen und bizarren Erlebnissen bestückt. Die Fortsetzung erzählt die gleich anschliessenden Ereignisse.

John Cho, Kal Penn und Neil Patrick Harris in «Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay»Nach den turbulenten Vorfällen in «Harold & Kumar Go to White Castle» möchte Harold nun seiner angebeteten Maria nach Amsterdam nachreisen. Doch auf dem Flug packt Kumar seine Bong aus, die natürlich mit einer Bombe verwechselt wird. So landen sie als Terrorverdächtige im Gefangenenlager in Guantanamo. Durch einen Zufall entkommen sie und machen sich auf den langen Weg durch die USA, um ihre Unschuld zu beweisen. Kumar möchte gleichzeitig das Herz seiner Jugendliebe Vanessa zurückerobern, die kurz vor ihrer Hochzeit steht.

Auf ihrer haarsträubenden Kiffer-Odyssee müssen Harold und Kumar die von einem absolut rassistischen Homeland-Security-Agenten (Rob Corddry) angeführten Geheimdienste austricksen, dem Ku-Klux-Klan entwischen und den von Halluzinationen geplagten Neil Patrick Harris (Neil Patrick Harris) um Hilfe bitten. Die Reise durch die Südstaaten dient natürlich auch dazu, die Vorurteile und Stereotypen sowohl im Bezug auf die engstirnigen Bewohner des Südens, als auch auf die Einwandererkinder zu hinterfragen.

John Cho und Kal Penn in «Harold & Kumar Escape from Guantanamo Bay»Umwerfend sind vor allem die beiden Hauptdarsteller und ihr gut aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel. Niemand kann so herrlich bescheuert und ahnungslos aus der Wäsche schauen wie Kal Penn. John Cho wiederum, der dieses Jahr als Hikaru Sulu in «Star Trek» zu sehen sein wird, gelingt es, in der undankbaren Rollen des ordentlichen Spiessers genau durch seine liebenswürdige Ernsthaftigkeit zu überraschen.

Von den Drehbuchautoren und Regie-Debütanten Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg werden die beiden Protagonisten mit Genuss in die unglaublichsten Szenen geworfen. Ganz oben auf der Liste dürfte die Unten-ohne-Party in Miami stehen oder der Bordell-Besuch mit Neil Patrick Harris in Texas stehen. Da es sich bei dieser DVD um die unzensierte Fassung handelt, die in den USA nicht in den Kinos gezeigt wurde, sind die Szenen für eine Hollywood-Produktion tatsächlich höchst freizügig.

Auf dem witzigen Audiokommentar der Regisseure und Hauptdarsteller weisen Hurwitz und Schlossberg auch darauf hin, dass sie den Käufern der unzensierten Fassung einen wirklichen Mehrwert bieten wollen. Das gelingt ihnen zweifellos. Den zweiten Audiokommentar auf der DVD, auf dem die Regisseure von einem Kollegen und einem anderen Schauspieler begleitet werden, kommt nicht so spritzig daher, wie das Gespräch auf dem ersten Audiokommentar. Zusätzlich sind auch noch ein amüsanter Drehbericht (21 Minuten), entfallene und alternative Szenen (25 Minuten) und eine Ansprache von George W. Bush enthalten.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial:
5 Sterne

(Bilder: ©Warner Bros.)

Unterdessen habe ich mir, eine ganze Weile nach «Escape from Guantanamo», auch noch den ersten Teil angeschaut. Der Humor ist ebenfalls gnadenlos witzig und herrlich abgefahren. Eine meiner Lieblingsszenen folgt gleich zu Beginn. Harold und Kumar haben eben erst ihre Wohnung verlassen, kurz noch bei den jüdischen Kiffer-Kollegen vorbeigeschaut und stehen danach vor dem Lift. Da erinnert sich Kumar, dass er sein Natel vergessen hat. Ob sie es holen sollen, fragt Harold. Gebannt blicken die beiden einige Momente auf die keine zehn Meter entfernte Wohnungstüre bis Kumar resigniert erwidert: «No, we’ve gone too far.»

Ganz so spritzig und perfekt abgestimmt ist der Humor im ersten Teil noch nicht. Das kann daran liegen, dass sich John Cho und Kal Penn beim zweiten Teil einfach schon besser eingespielt haben. Oder vielleicht wussten die Drehbuchautoren Hurwitz und Schlossberg schlicht instinktiver als Danny Leiner, wie sie ihre Protagonisten möglichst vorteilhaft einsetzen können. Aber auch der erste Teil ist höchst unterhaltsam und im Doppelpack bieten die beiden Streifen ein eigentliches Kiffer-Epos.

Film: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial: 3 Sterne

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