«Max & Co» von Sam und Fred Guillaume

«Max & Co»Wer über den Schweizer Animationsfilm «Max & Co» schreibt, muss fast erwähnen, dass die Herstellung 30 Millionen Franken gekostet hat. In den Schweizer Kinos haben sich den Film dann aber nur knapp mehr als 30’000 Besucher angesehen. Dabei haben die Produzenten mit 110’000 Besuchern in der Schweiz gerechnet. Angesichts dieser Zahlen ist es wenig verwunderlich, dass die beiden Produktionsfirmen Konkurs anmelden mussten.

Ende Juli 2008 haben die beiden Firmen Max-LeFilm Sàrl und Cinémagination SA ihre Bilanzen deponiert. In Frankreich wurden zwar immerhin 70’000 Eintritte gezählt, das waren aber zu wenige, um die Produktion in die schwarzen oder zumindest aus den dunkelroten Zahlen zu hieven. Auf DVD erhält der solide Familienfilm nun vielleicht eine zweite Chance.

Der junge Fuchs Max ist auf der Suche nach seinem Vater, dem berühmten Troubadour Johnny Bigoude, der kurz nach der Geburt von Max verschwunden ist. Seine Suche führt ihn nach Saint-Hilare, wo sich die grosse Fliegenklatschenfabrik Bzzz & Co befindet. Eine Mitfahrgelegenheit erhält Max vom Jahrmarktkünstler Sam, der sich mit allerlei Tricks über Wasser hält und heimlich Gitarre spielt. In Saint-Hilaire angekommen erhält Max eine Stelle als Musiker im Fahrstuhlorchester der Fabrik. Doch der Firma steht harten Zeiten bevor, denn die Verkäufe von Fliegenklatschen sind eingebrochen.

Mitschuldig an der Schieflage des Unternehmens ist der lausig wirtschaftende Besitzer Rodolfo. Ein skrupelloser Manager soll mit dem exzentrischen Wissenschaftler Martin durchgreifen. Die halbe Belegschaft wird entlassen, und Martin tüftelt an einer bestialischen Lösung, um den Absatz von Fliegenklatschen anzukurbeln. Doch Max erfährt mit Hilfe von Felicie (in der Deutschschweizer Fassung Fränzi) und der Sängerin Katy von den Plänen und versucht die kleine Stadt zu retten.

Gedreht worden ist der Film in der kleinen Ortschaft Romont in Freiburg. Bis zu 130 Mitarbeitende waren für Kulissen, Animation, Dreharbeiten, Schnitt und Produktion beschäftigt. An der internationalen Produktion waren aber auch 80 Personen in Manchester für die Herstellung von 150 Marionetten, 20 in Belgien für Spezialeffekte und rund 10 in Frankreich für die Musik und den Ton beteiligt. Entstanden ist ein Animationsfilm, der sich formal mit den Filmen aus dem britischen Studio Aardman Animation («Chicken Run» und die Filme von Wallace und Gromit) messen kann.

Samuel und Frédéric Guillaume haben aber nicht einfach die Vorbilder aus Grossbritannien oder den USA imitiert. Ihre Geschichte steht von der Tonart her auf eigenen Beinen. Dadurch ist sie zwar nicht ganz so humorvoll wie die Werke aus den Aardman Studios und auch nicht ganz so düster wie die Musicals von Tim Burton («Corpse Bride»), dafür aber genau so liebevoll und hochprofessionell gestaltet und inszeniert.

«Max & Co»Durch kluge Einfälle und detailreiche Gestaltung spricht «Max & Co» alle Alterstufen an. In der Welt von «Max & Co» spielen an die Rolling Stones erinnernde Musiker im Fahrstuhlorchester, Max und Felicie rasen auf einem Trottinett durch die verwinkelten Gassen, und der dekadente Fabrikbesitzer vergnügt sich mit jungen Frauen in Schwimmanzügen. Der Film der Brüder Guillaume glänzt dann auch vor allem durch die hochwertige Animation und die verblüffenden Figuren und Kulissen.

In der Schweizerdeutschen Fassung habe ich nun auch noch die Stimmen von Viola Tami, Mike Müller, Gilles Tschudi, Beat Schlatter, Patrick Frey, Anikó Donáth, Dodo Hug und Max Rüdlinger hören dürfen. Irgendwie habe ich beim direkten Vergleich den Eindruck erhalten, dass sich die Dialektsprecher bedeutend weniger spritzig anhören als die französischen Sprecher. Vielleicht liegt das aber auch an der weniger gelungenen Tonabmischung.

Neben dem Trailer ist auf der DVD auch noch ein in mehrere Beiträge aufgeteilter Drehbericht enthalten. Da wird in gut 36 Minuten über die Kulissen, die Puppen, die Regie, die Animation und die Nachbearbeitung berichtet. Leider verfügen weder der Film noch die Drehberichte über Untertitel.

Film: 4 Sterne
Bildqualität: 5 Sterne
Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
3 Sterne

(Bilder: ©Walt Disney Studios Motion Pictures)

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