«Australia» von Baz Luhrmann

1939 sind in den USA zwei bedeutende Farbfilme in die Kinos gekommen: «Gone with the Wind» und «The Wizard of Oz». Knapp 70 Jahre später hat nun Baz Lurhmann die beiden Werke als Ausgangspunkt für sein Epos «Australia» verwendet. Ergänzt hat er die Handlung mit ein wenig «The Cowboys», «City Slickers» und «Pearl Harbor». Ganz geglückt ist ihm diese Mischung nicht. Besonders die letzte Stunde schleppt sich äusserst mühselig dahin.

Hauptfigur ist die britische Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman), deren Ehemann in Australien eine Viehranch betreibt. Obschon gerade der Zweite Weltkrieg ausgebrochen ist, reist Lady Ashley nach Darwin, um ihren Gatten zum Verkauf des Grundstücks zu überreden. Als sie jedoch nach einer beschwerlichen Reise mit dem kernigen Viehtreiber Drover (Hugh Jackman) auf dem heruntergekommenen Anwesen Far Away Downs ankommt, ist ihr Mann bereits tot.

Nun steht die störrische Aristokratin vor einer anspruchsvollen Herausforderung: Weil sie die Ranch nicht dem arroganten Grossgrundbesitzer King Carney (Bryan Brown) verkaufen möchte, soll ihr der Drover dabei helfen, die Herde nach Darwin zu treiben. Unterstützt wird sie dabei von einer bunt zusammengewürfelten Truppe. Doch King Carney lässt seinen Handlanger Neil Fletcher (David Wenham) dafür sorgen, dass der Viehtrieb nicht ohne Komplikationen über die Bühne geht.

Nach 90 Minuten ist die Herde aber endlich in den Schiffen von Darwin. Friede, Freude, Eierkuchen. Lady Ashley verliebt sich endgültig in Drover und beschliesst, Far Away Downs auf Vordermann zu bringen. Da jedoch ein so kurzer Film trotz atemberaubenden Kulissen und knisternder Erotik zwischen der überraschend bezaubernden Kidman und dem virilen Hugh Jackman nun wirklich nicht als Epos bezeichnet werden kann, wird noch ein anstrengender zweiter Teil angehängt.

Hier geht es nun um den Kampf um den auf der Ranch lebenden Mischling Nullah (Brandon Walters), den Lady Ashley in ihr Herz geschlossen hat. Er soll aber wie alle anderen Kinder von Aborigines durch Missionare «umerzogen» werden. Die Verhaftung von Nullah dient Fletcher, der die Nachfolge von King Carney angetreten hat, als Druckmittel, um Lady Ashley doch noch vom Verkauf von Faraway Downs zu überzeugen. Als ob diese Intrigen und Liebesbeziehungen noch nicht ausreichen würden, wird Darwin auch noch von der japanischen Luftwaffe angegriffen.

«Australia» ist ganz klar überladen. Während es manchen anderen Filmen mit reichhaltiger Handlung trotzdem gelingt, eine betörende Atmosphäre zu entwickeln, verliert sich der Film von Luhrmann in den vielen überhastet erzählten Strängen. Victor Fleming durfte sich in «Gone with the Wind» noch knapp vier Stunden Zeit lassen, um seine ausufernde Romanze zu erzählen. Da erscheinen die 155 Minuten von «Australia» geradezu mickrig. Darunter leiden vor allem die Nebenfiguren, die zu wenig Raum erhalten und dadurch zwar übertrieben eindimensional gestaltet sind, diese Reduziertheit aber zu wenig übersteigert ausleben können.

Wichtige Handlungselemente (z.B. die Ermordung einer zentralen Figur) sind zudem wenig glaubwürdig inszeniert und fast beiläufig eingefügt. Der Drang zu einer reduziert epischen Laufzeit, die es den Kinos aber dennoch erlaubt drei Vorführungen pro Tag anzusetzen, ist so mancher Szene anzumerken. Daneben wirkt auch die zu häufig digitale Viehherde nicht immer überzeugend. Spätestens als dann die Melodie von «Over the Rainbow» zum 83. Mal angestimmt wird, habe ich mir gewünscht, dass nun der wirkliche «The Wizard of Oz» über die Leinwand flimmern würde.

Fazit: «Australia» ist ein überanstrengt auf Epos angelegtes Liebesdrama, das inhaltlich und formal die Ansprüche nicht ganz erfüllen kann.

Bewertung: 3 Sterne

(Bilder: © 2008 Twentieth Century Fox Film Corporation. All Rights Reserved)

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