«Cloverfield» von Matt Reeves (Blu-ray)

«Cloverfield»Als J. J. Abrams, Produzent von «Lost» und Regisseur von «Mission: Impossible III» und «Star Trek», vor ein paar Jahren in Japan war, sah er überall Godzilla. Das fehlt uns Amerikanern, habe er sich damals gedacht, erzählt Abrams auf der Blu-ray-Disc des Monsterfilms «Cloverfield». Da ihm der Riesenaffe King Kong offensichtlich nicht amerikanisch genug war, hat er eben sein eigenes Monster für New York entwickelt und die Geschichte von Matt Reeves in der Art von «The Blair Witch Project» verfilmen lassen.

In der New Yorker Wohnung von Rob (Michael Stahl-David), der eine lukrative Stelle in Japan antreten wird, findet gerade die Abschiedsparty statt. Sein Bruder Jason (Mike Vogel) soll deshalb von den Freunden Abschiedsgrüsse auf Video aufzeichnen. Diese Aufgabe hat er allerdings Robs bestem Freund Hud (T. J. Miller) abgetreten, der die Gelegenheit nutzt, um sich an Marlena (Lizzy Caplan) ranzumachen.

Als Beth (Odette Yustman) mit einem Freund an der Party auftaucht, geraten die Emotionen durcheinander. Rob ist in sie verliebt und ist vor ein paar Wochen mit ihr im Bett gelandet. Da er aber nach Japan umsiedeln wird, hat er danach nichts unternommen. Nun ist er eifersüchtig, und Beth verlässt gekränkt das Fest. Da bebt plötzlich die Erde. Die Menge stürzt aufs Dach, von wo aus sie ein umgekipptes Schiff im Hafen sehen wollen. Dort beobachten sie aber vor allem, wie in der Mitte der Stadt etwas explodiert und ihnen brennende Gegenstände entgegen fliegen.

Nun flüchten alle auf die Strasse. Rob, Jason, seine Freundin Lily (Jessica Lucas), Marlena, Hud und die Kamera sehen, wie der Kopf der Freiheitsstatue neben ihnen in der Strasse landet. Irgend ein riesiges Ding ist dafür verantwortlich. Die Gruppe versucht über die Brooklyn Bridge von Manhattan wegzukommen. Da greift ein riesiger Tentakel über die Brücke und lässt sie einstürzen. Zudem hat Rob gerade einen Anruf von Beth erhalten, die in ihrer Wohnung mitten in Manhatten eingeklemmt ist.

Da rationales Denken oder ruhige Kameraführung in solchen Situationen unmöglich ist, macht sich die Gruppe ohne Jason (der ist dem Tentakel zum Opfer gefallen) auf zur Rettung von Beth. Das ist gut für das Publikum, denn so besteht doch noch die Hoffnung, dass das Monster vor die Kamera von Hud schreitet, kriecht oder springt, und auch die Armee erhält noch ihre Momente im Kampf gegen das Unheil.

Habe ich nach der Vorstellung im Kino noch vor allem die Dauerwackelei, aber auch die seltsamen, manchmal eher unsinnigen Kameraeinstellungen beanstandet, war nun bei der zweiten Betrachtung schon besser zu erkennen, wie minutiös die einzelnen Aufnahmen geplant wurden. Im Bonusmaterial beklagen sich Produzent Abrams und Regisseur Reeves sogar darüber, dass die Aufnahmen der Kameramänner oftmals zu wenig holprig waren. Tatsächlich sieht der Film eher selten wie das Zufallsdokument einer Katastrophe aus.

So bleibe ich auch bei meinem Urteil, dass die Einführung (knapp 18 Minuten) ein wenig zu lange geraten ist und die Aufzeichnung auch sonst von zusätzlichen Lücken oder vielmehr von einigen ruhigeren Momenten hätte profitieren können. Der Einsatz von einigen überraschenden Horrormomenten ist hingegen sehr gelungen. Für Freunde des Genres ist diese Mischung aus «The Blair Witch Project» und «Godzilla» sowieso sehenswert. «Cloverfield» ist nämlich ein durchrüttelndes Schauererlebnis.

Die Eigenschaft des Films sorgt auch bei der Beurteilung der Bildqualität für Schwierigkeiten. Eigentlich soll ja der gesamte Film auf einer gewöhnlichen Digitalkamera entstanden sein, für die Dreharbeiten wurden aber natürlich auch professionelle Digitalkameras verwendet. Die Unterschiede sind zwar nicht immer ganz einfach zu erkennen, doch allgemein sieht der Film auf Blu-ray-Disc bedeutend besser aus als das Produkt von einer billigen Amateur-Kamera.

Das Bonusmaterial deckt fast alle Ansprüche ab. Regisseur Matt Reeves führt auf dem Audiokommentar durch den Film und verrät vermutlich so ziemlich alle Geheimnisse von der Enbtwicklung über die Vorbereitungen bis hin zu den Dreharbeiten. Überraschend ist vor allem der Aufwand, der in die Nachbearbeitung der Bilder gesteckt wurde, denn ein Grossteil der Aufnahmen musste nicht nur mit visuellen Effekten, sondern auch mit digitalen Hintergünden ergänzt werden, da ein bedeutender Teil des Films in Los Angeles entstand.

Die Entstehung der visuellen Effekte wird auch noch in einem separaten, 22-minütigen Bericht erklärt. Im 28-minütigen Bericht von den Dreharbeiten wird beispielsweise verraten, dass die Ratten bereits Erfahrung aus «Pirates of the Caribbean» mitbrachten. Im 6-minütigen Beitrag über die Entwicklung des Monsters durch Neville Page wird leider zu viel Material aus den anderen Beiträgen wiederverwertet. Amüsant sind dafür auch die Improvisationen vom Set und die entfallenen Szenen.

Nur geringfügig verändert sind die alternativen Enden. Zumindest erklärt Matt Reeves, worin genau die Unterschiede bestehen. Alle Beiträge sind in High Definition enthalten. Auf der Blu-ray-Disc lässt sich ausserdem ein «Special Investigation Mode» anwählen. Dadurch werden die Positionen von Hauptfiguren, Monster und Militär auf einer Karte von Manhattan angezeigt (eher lahm) und Zusatzinformationen aus der Sicht der Organisation, die das Video gefunden hat, werden angezeigt. Dadurch entsteht ein eigentlicher Mythos des Monsters.

Film: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray): 5 Sterne

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2 Kommentare to “«Cloverfield» von Matt Reeves (Blu-ray)”

  1. David says:

    Puh, hab den noch immer nicht gesehen.
    Und weiß lustigerweise immer noch nicht, was es mit dem Monster denn nun auf sich hat. Kenne nur den einen Trailer und sonst nicht. Macht so ein Film zu Hause auf kleinem Bildschirm überhaupt Sinn?

  2. Thomas says:

    Soll ja ein Videodokument sein. Daher spielt es nicht wirklich eine Rolle, wie gross der Bildschirm ist. Andererseits lohnt sich für die meisten Filme ein anständig grosser Bildschirm. Auch für «Cloverfield». Die Wirkung ist natürlich intensiver, wenn man sich den Film nicht einfach nur ansieht, sondern im Film drin ist.

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