«The Perfect Storm» von Wolfgang Petersen (Blu-ray)

«The Perfect Storm»Im Herbst 1991 sorgte eine ungewöhnliche Kombination von Wettersystemen an der Küste von Neuengland für einen Hurrikan, den 1991 Halloween Nor’easter, der einen Schaden von 208 Millionen Dollar anrichtete und zwölf Menschen das Leben kostete. Sechs davon waren die Besatzung des Fischerschiffs «Andrea Gail». In seinem 1997 veröffentlichten Sachbuch «The Perfect Storm» schildert Sebastian Junger die letzten Tage der Männer auf dem Schiff, der Bevölkerung in ihrem Heimathafen Gloucester und den Alltag der Fischer im allgemeinen.

Die Geschichte von Junger wurde sogleich von Hollywood geschnappt, und der seeerfahrene Wolfgang Petersen («Das Boot», «Troy») wurde mit der Inszenierung von «The Perfect Storm» beauftragt. Die schlagkräftige Besetzung wurde von George Clooney und Mark Wahlberg angeführt. John C. Reilly und William Fichtner wurden ebenfalls auf die «Andrea Gail» geschickt, während Diane Lane an Land auf die Rückkehr ihres Geliebten ausharren durfte.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie «The Perfect Storm» im Sommer 2000 in der Schweiz in die Kinos kam, weil damals in Zürich erstmals ein Blockbuster die Leinwand des Arthouse-Kinos Le Paris in Beschlag nahm. Damals verliess ich mit gemischten Gefühlen das Kino. Die Inszenierung ist zwar meist sehr spektakulär und wirkungsvoll, aber die Handlung ist einzig und allein auf die Ausreizung der Emotionen angelegt. Dadurch wirkt keine einzige Szene wirklich authentisch. Der zwiespältige Eindruck wurde nun auch durch die Betrachtung des Films auf Blu-ray-Disc bestätigt.

Das Drehbuch fügt nahtlos eine dramatische Episode an die nächste. Da landet einmal anstatt eines Schwertfisches ein Hai im Boot, zwei Männer der Besatzung hassen sich aufs Blut und liefern sich auch einen Kampf, um dann wenig später versöhnt zu werden, weil einer davon über Bord geht und gerettet werden muss – natürlich von seinem Erzfeind. Dazu ertönt die melodramatische Musik von James Horner, der fleissig Motive aus seinen früheren Kompositionen zusammenfügt. Eindeutig herauszuhören sind etwa Klangfolgen aus «Apollo 13» und «Willow».

Wie fernab der Realität die verdichtete Erzählung ist, lässt Junger auf einem Audiokommentar erkennen. Der Autor der Vorlage weist immer wieder darauf hin, dass die gezeigten Vorfälle tatsächlich vorkamen, aber nicht unbedingt auf der «Andrea Gail» und ganz bestimmt nicht auf ihrer letzten Fahrt, die abgesehen vom Sturm eher ereignisarm gewesen sei. So verfehlt «The Perfect Storm» die gewünschte Wirkung. Dafür kann die Bildqualität der Blu-ray-Disc überzeugen, obschon die dunklen Szenen in den Wellentälern manchmal ein wenig zu stark rauschen. Zudem lassen sich die digitalen Effekte in hoher Auflösung sehr einfach also solche erkennen.

Das Bonusmaterial besteht aus drei Audiokommentaren, neben dem bereits erwähnten mit Junger auch noch einer mit Petersen und einer mit den Verantwortlichen für die visuellen Effekte. Lohnenswert sind vor allem die Ausführungen von Junger. Wer kein Englisch versteht kann auch Koreanisch oder Chinesisch lernen. In diesen Sprachen werden nämlich Untertitel angeboten. Sehenswert sind aber auch zwei der drei Dokumentationen. Der 20-minütige Drehbericht zeigt auch die Bedingungen im riesigen Wassertank, wo die Schauspieler mit Übelkeit zu kämpfen hatten. In einem anderen Beitrag kommen vier Minuten lang auch Bewohner von Gloucester zu Wort.

Film: 3 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray): 4 Sterne

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