«Nachbeben» von Stina Werenfels

«Nachbeben»Ein Paradestück des Schweizer Filmwunders von 2006 ist das Goldküstendrama «Nachbeben». 2007 wurde es mit dem Schweizer Filmpreis für die Beste Ensemble-Arbeit ausgezeichnet. Nominiert waren auch Stina Werenfels für das Drehbuch, Michael Neuenschwander als Haupt- und Leonardo Nigro als Nebendarsteller. Die spezielle Auszeichnung der Jury verhinderte einerseits, dass Mitglieder des wirklich durchs Band hervorragenden Besetzung übergangen worden sind, andererseits, dass einer der besten Filme des letzten Jahres ganz ohne Auszeichnung ausgegangen ist.

Bei «Goldküstendrama» mögen manche zuerst an «Snow White» von Samir denken. Ausser dem schönen Haus an der rechten Küste des Zürichsees und den Drogenproblemen der Hauptfiguren weisen die beiden Filme allerdings wenige Parallelen auf. Ist Samirs Film ein auf den Kopf gestelltes Märchen, stellt Werenfels die Banker-Gesellschaft ganz nach den Vorstellungen des Durchschnittsbürgers dar: Sechs-Millionen-Villa am See, Mutter mit Alkoholabhängigkeit, Vater mit Medikamentensucht, und der beste Freund, der gerade sein zweites Kind von seiner reichen Frau erwartet, vögelt das blonde Au-pair-Mädchen.

Leonardo Nigro und Michael Neuenschwander in «Nachbeben»Diese Beschreibung hört sich nun zwar schwer nach einer blossen Aneinanderreihung von Klischees an, die mitreissende Umsetzung durchdringt aber die reine Oberfläche. Das liegt einerseits am überzeugend strukturierten Drehbuch von Werenfels und Petra Lüschow, andererseits an den spielfreudigen Darstellern. Wie auf der DVD zu erfahren ist, verarbeitete Werenfels die Erfahrungen, die sie selber bei einer Bank gesammelt hat.

Neben einem Drehbericht und zwei Beiträgen des Schweizer Fernsehens enthält die DVD auch gleich zwei Audiokommentare von Stina Werenfels, einmal auf Deutsch für die lieben Landsleute, einmal auf Englisch für die Banker. Sprachlich unterschiedlich sind sich die sauber analytischen, klar durchstrukturierten Kommentare inhaltlich aber nahezu identisch. Werenfels weist auf die vielen Stärken, aber auch auf Schwächen ihres Filmes hin. So bemängelt sie die verwendete DV-Kamera von Panasonic, die «sehr schnell überbelichtet, weil sie nämlich den Kontrastumfang gar nicht packen kann.» Damit sind auch bereits die Schwächen im Bereich der Bildqualität erwähnt.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial: 5 Sterne

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