«Das Geheimnis von Murk» von Sabine Boss

«Das Geheimnis von Murk»

Nach «Sternenberg» (124’636 Besucher) und «Die Herbstzeitlosen» (595’886) war «Das Geheimnis von Murk» eine weitere Produktion des Schweizer Fernsehens, die den Erfolg in den Kinos anstrebte. Auf massentaugliche Biederkeit wurde die Komödie von Sabine Boss an den Solothurner Filmtagen 2008 gestestet, wo sie den Publikumspreis gewonnen hat. Ins Kino liessen sich dann im Spätsommer 2008 aber doch nur knapp mehr als 12’000 Besucher locken.

Im kleinen Dorf Murk herrscht eines Tages plötzlich Aufregung. In einem Feld von Sarah (Sabina Schneebeli) und Felix (Michael Neuenschwander, «Nachbeben») ist über Nacht ein Kornkreis aufgetaucht. Sarah und Felix sind allerdings nicht etwa Bauern, sondern eine Künstlerin und ein Ingenieur, die auf dem Land eine Lebensmethode abseits vom Stress der Grossstadt geniessen wollen. Die Kreise im Korn sorgen aber sicher nicht für Ruhe.

Sabina Schneebeli und Michael Neuenschwander in «Das Geheimnis von Murk»Der ungehobelte Fahrlehrer Mike (Daniel Rohr, «Geld oder Leben»), der gerne mehr als nur ein Auge auf Sarah wirft, hat rasch eine Idee, wie das Phänomen durch Eintritt und Verpflegung in Geld umgemünzt werden kann. Da Sarah und Felix finanziell sowieso unter Druck stehen, setzen sie den Vorschlag in die Tat um. Ihre Beziehung wird dadurch allerdings auf eine harte Probe gestellt. Zudem weckt der Ansturm von Schaulustigen auch die Begierde des schmierigen Gemeindepräsidenten Toni (Michael Finger), der gleichzeitig auch der Filialleiter der Bank ist, welche soeben die Hypothek von Sarah und Felix gekündigt hat.

So kreist die Handlung um esoterische Erscheinungen, eine wankelmütige Gattin und einen Viagra fressenden Hund. Der ist zudem Vegetarier – aus Überzeugung, wie sein Besitzer meint. Alle möglichen Klischees über provinzielle Kleingeister und lebensfremde Linke werden in der Komödie «Das Geheimnis von Murk» auf die Schippe genommen. Der grossmäulige Fahrlehrer Mike versucht, durch die Verwendung von englischen Ausdrücken ein wenig Lebenserfahrung vorzutäuschen, während der idealistische Ingenieur Felix an einer umweltfreundlichen Erfindung nach der anderen scheitert.

Waren «Sternenberg» und «Die Herbstzeitlosen» noch in den realen Ortschaften Sternenberg und Trueb angesiedelt, spielt nun der Film von Sabine Boss («Undercover», «Ernstfall in Havana») im fiktiven Murk. Der Ortsname ist befremdlich nahe am Ausdruck «Murks», der im Duden als «unordentliche Arbeit» erklärt wird. Daher ist das naheliegende Wortspiel, dass «Das Geheimnis von Murk» ein Murks ist, nicht ganz angebracht. Unordentlich ist die gewissenhafte Inszenierung keinesfalls, allerdings ist die meist eher banale Umsetzung auch nicht sonderlich umwerfend. Der Ursprung als Fernsehproduktion ist deutlich zu erkennen.

Sabina Schneebeli und Daniel Rohr in «Das Geheimnis von Murk»Für die visuelle Umsetzung orientierte sich Boss – wenig überraschend – am Western. Auch in der Handlung und den Figuren sind nämlich Anspielungen auf die wilden Weiten der Cowboys allgegenwärtig. Gut aufgelegt zeigen sich die Schauspieler, die lediglich mit der Eindimensionalität ihrer Figuren zu kämpfen haben. Der Begriff «Murks» trifft daher höchstens auf das Drehbuch zu, das die Handlung ein wenig zu beliebig von einem vorhersehbaren Konflikt zur nächsten unausweichlichen Auseinandersetzung dahin plätschern lässt, ohne wirklich Schwung zu entwickeln. In dieser Hinsicht unterscheidet sich «Das Geheimnis von Murk» nur wenig von «Die Herbstzeitlosen».

Auch sonst sind manche Motive aus anderen Fernsehproduktionen zu erkennen. So wird abermals ein korrupter Lokalpolitiker (für einmal ohne spezifische Parteizugehörigkeit) von seiner schlechten Seite gezeigt. Wie in «Die Herbstzeitlosen» taucht zudem eine Figur auf, die durch eine übermässige Fixierung auf den Lebensstil in den USA einen Mangel im eigenen Leben überdecken möchte. So scheint das Landleben in der Schweiz überall ähnliche Resultate zu erzeugen. Gedreht worden ist die Komödie übrigens im zu Kappel am Albis gehörenden Uerzlikon im Zürcher Säuliamt.

Bemerkenswert am ansonsten eher biederen Drehbericht auf der DVD sind die deutlichen Worte, die Produzent Peter Reichenbach für Aspekte der Dreharbeiten verwendet, die ihm nicht sonderlich gefallen haben. Sonst ist lediglich noch ein Trailer enthalten. Bild- und Tonqualität sind leicht besser als von einer Fernsehproduktion zu erwarten, aber auch nicht weiter erwähnenswert.

Film: 3 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial: 1 Stern

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