«Der Freund» von Micha Lewinsky

Johanna Bantzer und Philippe Graber in «Der Freund»Das einfühlsame Drama «Der Freund» war 2008 in vier von fünf Kategorien für den Schweizer Filmpreis nominiert. Ausgezeichnet wurde es in den Kategorien «Film» und «schauspielerisches Nachwuchstalent». Erzählt wird die Geschichte vom schüchternen Aussenseiter Emil (Philippe Graber), der noch bei seiner Mutter wohnt und die begnadete Sängerin Larissa (Emilie Welti) anhimmelt. Manchmal wagt er sogar, sie anzusprechen. Doch die sanften Annäherungsversuche fruchten zuerst einmal nichts. Dann kommen sie aber trotzdem ins Gespräch – Larissa bittet ihren Verehrer, sich bei ihren Eltern als ihr Freund auszugeben, falls ihr etwas zustossen sollte. Natürlich stösst ihr auch etwas zu, nämlich ein Stromstoss der elektrischen Gitarre.

Als sich der unsichere Emil bei Larissa über die Abmachung erkundigen möchte, ist die Mutter am Telefon, die den vermeintlichen Freund zu den Begräbnisvorbereitungen einlädt. Endlich bekommt er die Aufmerksamkeit, die er sich immer wünschte. Eigentlich wäre nun alles gut. Wenn Emil sich nicht verlieben würde – und zwar ausgerechnet in Larissas Schwester (Johanna Bantzer), die natürlich auf keinen Fall die Wahrheit erfahren darf.

Trotz der Ausgangslage gibt es im tragikomischen Regiedebüt von Drehbuchautor Micha Lewinsky («Sternenberg») nicht wirklich viel zu lachen. Dennoch ist sanft verteilt auch stiller Humor eingestreut, wie etwa bei der Auswahl der Urne oder in einer Szene im Blumenladen. Das Augenmerk ist hingegen auf die Verarbeitung des Todesfalls gerichtet und vor allem auf die Entwicklung der Hauptfigur, die sich ganz langsam aus ihrer verklemmten Hülle löst. Ein Teil dieser Verklemmtheit färbt sich natürlich auf die Stimmung des Films ab, der aber dennoch einen herben Charme versprüht.

Lewinsky gelingt es auch, die im Zusammenhang einer solchen Geschichte auftauchenden Klippen mit der zwingenden, oftmals peinlichen Auflösung des Geheimnisses mit geringsten Verlusten zu umschiffen. Trotz dem in diesem Filmjahrgang üblichen Grad an Inszeniertheit wirken zudem die meisten Szenen glaubwürdig. So ist «Der Freund» ein gelungenes Spielfilmdebüt von Drehbuchautor Lewinsky mit genau beobachteten Szenen und zartem Humor. Auf der soliden DVD sind neben einem 20-minütigen Drehbericht auch noch ein Auftritt von Sophie Hunger (Emilie Welti) und eine Zusammenstellung der Szenen im Helsinki Klub enthalten.

Film: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial: 3 Sterne

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