«Dragon Wars» von Hyung-Ray Shim (Blu-ray)

«Dragon Wars»

Wie schlecht muss ein Film sein, damit er schon wieder gut ist? Diese Frage ist zwar nur sehr schwer zu beantworten, aber «Dragon Wars» («D-War») überschreitet die Grenze so deutlich, dass gar keine Zweifel über die Qualitäten des unfreiwilligen Humors aufkommen.

Die südkoreanische Grossproduktion ist so stark auf den Welt- oder wenigstens den US-Markt ausgerichtet, dass die Hauptrollen mit (zweitklassigen) Hollywood-Schauspielern besetzt worden sind und die Handlung hauptsächlich in Los Angeles spielt. Als ob die Innenstadt der Traummetropole nicht schon ausreichend durch Decepticons, Godzillas und Dinosaurier zerstört worden wäre, richten nun also auch noch Monster aus koreanischen Legenden beträchtlichen Schaden an.

Der Reporter Ethan (Jason Behr) hat als Kind erfahren, dass er ein wiedergeborener koreanischer Kämpfer ist, der sich vor 500 Jahren in die Frau verliebt hat, die er einem guten Imoogi (ein koreanischer, schlangenartiger Drache) hätte opfern sollen. An der Ausführung seiner Aufgabe ist er zwar auch vom bösen Imoogi Buraki gehindert worden, aber das spielt scheinbar nicht so eine Rolle.

Amanda Brooks und Jason Behr in «Dragon Wars»Nach 500 Jahren kehren nun sowohl der gute wie auch der böse Imoogi zurück, um sich das sich in der jungen Frau Sarah (Amanda Brooks) herausbildende Yeo-Yi-Joo zu sichern, das ihnen die Verwandlung in einen himmlischen Drachen ermöglicht. Buraki hat den Vorteil, dass er auch über eine riesige Armee mit Soldaten, fliegenden Drachen und mit Kanonen bestückten Echsen verfügt. Während Ethan versucht, Sarah in Sicherheit zu bringen, rückt die Armee in die Stadt vor, wo sie auch Streitkräfte der USA trifft. Der gute Imoogi lässt sich hingegen nicht blicken.

Rasant wird die löchrige Geschichte vorangetrieben, bis es schliesslich doch noch zu einem gigantischen Kampf zwischen dem guten und bösen Imoogi kommt. Die visuellen Effekte sind gar nicht so übel. Die grausamen Logikfehler in der Handlung können sie aber in keiner Weise verbergen. Das störendste Element ist ziemlich sicher die unerträgliche Trägheit der Riesenschlange Buraki. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob die Hauptfiguren in einem Auto oder zu Fuss flüchten, der Schlange gelingt es einfach nicht, die Fliehenden einzuholen.

Ausserdem taucht Buraki natürlich immer genau dann auf, wenn die Hauptfiguren wieder eine wichtige Information erhalten haben. Keine Sekunde zu früh, keine Sekunde zu spät. Ebenso viel Zeitgefühl stellt der wiederholt in verschiedener Form auftauchende Retter Jack (Robert Forster) unter Beweis. Bleibt letztlich nur noch die Frage, wieso Buraki eigentlich so eine riesige Armee benötigt, wenn er doch selbst mehrmals ausreichend Gelegenheit hätte, das Yeo-Yi-Joo zu verschlingen? Hauptsache es wird fleissig gekämpft, gerannt und explodiert.

«Dragon Wars»Die Darbietungen der Darsteller sind ebenso erbärmlich wie das Drehbuch. Ob das an ihrem (vielleicht nicht vorhandenen) Talent oder am fehlenden Führungswillen des Regisseurs liegt, lässt sich nur erahnen. Jason Behr ist ziemlich blass und wirkt meist verloren, Amanda Brooks scheint überhaupt keine Ausstrahlung zu besitzen, und Robert Forster agiert so hölzern wie sonst («Jackie Brown», «Psycho»).

Ganz ehrlich gesagt hat mich kaum ein anderer Fantasy-Film so herrlich amüsiert. Zwischendurch darf noch geraten werden, ob die Einstellungen und die Kreaturen nun aus «Star Wars: Episode I – The Phantom Menace», «The Lord of the Rings» oder «Jurassic Park» geklaut sind. Der Genuss von diesem Drachenkrieg erfolgt ganz bestimmt auf eigene Gefahr.

Die Bildqualität der Blu-ray-Disc ist solide. Die Unschärfen bei einigen Kreaturen sind wohl eher auf das limitierte Budget der visuellen Effekte als auf die Bildbearbeitung zurückzuführen. Die Tonspur in Dolby TrueHD 5.1 ist zwar wuchtig, lässt aber eine raumumfassende Wirkung vermissen. Als Bonusmaterial ist neben einem Vergleich zwischen Storyboard und Film auch ein Drehbericht enthalten, der an Selbstparodie grenzt. Der Regisseur schwärmt vor einem begeisterten Publikum in Korea von den herausragenden Mitarbeitern, die er für diesen Film anwerben konnte.

Film: 3 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 4 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 3 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
2 Sterne

(Bilder: ©Sony)

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