«Fur» von Steven Shainberg mit Nicole Kidman

Nicole Kidman in «Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus»

Viele Künstlerporträts klammern sich krampfhaft an Fakten aus dem Lebenslauf der dargestellten Personen. Dadurch verlieren sie oftmals viel Aussagekraft. Genau die entgegengesetzte Richtung hat deshalb Regisseur Steven Shainberg für «Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus» eingeschlagen. Er verwendet Fotografien der Künstlerin Diane Arbus als Ausgangspunkt für eine unwiderstehliche Fabel über die Zusammenhänge zwischen Kunst und Leidenschaft.

Darauf wird auch gleich zu Beginn des Films mit einer Texttafel aufmerksam gemacht: «This is a film about Diane Arbus, but it is not a historical biography. What you are about to see is a tribute to Diane: a film that invents characters and situations that reach beyond reality to express what might have been Arbus’s inner experience on her extraordinary path.» Eine der erfundenen Figuren ist natürlich Arbus selbst, die von Nicole Kidman («The Golden Compass») gewohnt nuanciert ins Leben gerufen wird.

Arbus ist gefangen in ihrem kleinbürgerlichen Leben mit Familie. Der Mann ist Berufsfotograf, Diane steht in seinem Schatten. Da zieht ein mysteriöser Nachbar (Robert Downey Jr., «Zodiac», «Iron Man»), der auf der Strasse eine Maske trägt, in die Wohnung über ihrem Studio. Diane ist fasziniert von dem Fremden und fühlt sich auf unheimliche Weise zu ihm hingezogen. Fest entschlossen, ihn zu fotografieren, wagt sie sich zu seiner Wohnung. Dort stösst sie auf eine verwunschene Welt, die ihre Vorstellungskraft sprengt und dadurch ihre Fantasie und Entdeckungslust weckt.

Robert Downey Jr. und Nicole Kidman in «Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus»

Das Erwachsenenmärchen «Fur: An Imaginary Portrait of Diane Arbus» ist eine gefühlvolle Charakterstudie mit zwei überragenden Hauptdarstellern. Wie in «Secretary» lotet Shainberg einfühlsam die Gefühle einer Frau auf dem Weg zur Befreiung ihres Talents aus. Auch bei der Selbstverwirklichung der Hausfrau in einer ungehemmten Beziehung zum behaarten Nachbarn spielen alltägliche Fetische eine wichtige Rolle.

Auf der DVD erörtert der Regisseur in einem sehr einsichtigen Audiokommentar die Berührungspunkte zwischen der Biografie von Arbus und seiner märchenhaften Interpretation zwischen «Die Schöne und das Biest» und «Alice in Wonderland». Zwei entfallene Szenen mit optionalem Regiekommentar sind auch nicht zu verachten. Ziemlich banal ist hingegen der kurze Drehbericht.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial:
4 Sterne

(Bilder: ©Warner)

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