«Baadasssss!» von und mit Mario van Peebles

Mario van Peebles in «Baadasssss!»

Anfang der 70er-Jahre arbeiteten gerade einmal drei schwarze Regisseure für die Hollywood-Studios. Einer davon war Melvin van Peebles. Durch die restriktiven Auflagen der Studiobosse fühlte er sich jedoch in seiner Kreativität zu stark eingeschränkt. Daher bemühte er sich für das ungehemmte Drama «Sweet Sweetback’s Baadasssss Song» um unabhängige Finanzierung und übernahm zur Reduktion der Kosten auch gleich die Hauptrolle.

Durch seinen Erfolg ebnete er den Weg für Regisseure wie Spike Lee, John Singleton oder auch seinen Sohn Mario van Peebles («New Jack City»). Dieser hat über 30 Jahre später im Drama «Baadasssss!» geschildert, wie abenteuerlich die Produktion des Klassikers war. In einer faszinierenden Kombination von Spielfilm, Archivaufnahmen und Ausschnitten aus dem Original hat er seinem Vater ein würdiges Denkmal geschaffen.

Die Handlung richtet sich einerseits nach den Schilderungen aus Melvin van Peebles Autobiografie «Sweet Sweetback’s Baadasssss Song: A Guerilla Filmmaking Manifesto», andererseits verarbeitet der Sohn auch seine eigenen Erfahrungen. Während den Dreharbeiten des Guerilla-Films seines Vaters war er 13 Jahre alt und musste auch gleich eine Rolle übernehmen. Melvin und sein Sohn spielten dabei die gleich Person – Mario verkörpert nämlich die junge Version der Hauptfigur.

Mario van Peebles in «Baadasssss!»

In seiner schonungslosen Hommage spielt Mario nun seinen eigenen Vater. Er zeigt, wie Melvin unbeirrbar seinen Weg gegangen ist, unbeeindruckt von zahllosen Hindernissen. Damit die Gewerkschaften nicht die Dreharbeiten durch ihre Forderungen auf angemessene Vertretung durch Berufsleute behinderten, gab er etwa vor, einen Pornofilm zu drehen. Doch die ständigen Probleme setzen dem Filmemacher mit der Zeit zu. Dabei nimmt er auch immer weniger Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Kinder.

«Baadasssss!» ist ein sehr persönlicher Film, der aber dennoch sehr objektiv die Schwierigkeiten bei den Dreharbeiten eines unabhängigen Films zeigt. Dem vom Fernsehsender Showtime produzierten Film ist das niedrige Budget teilweise anzusehen. Doch durch einfallsreiche Kameraarbeit, die Verwendung des Archivmaterials und viel Herzblut ist ein gelungener Einblick in eine von Aufbruchstimmung geprägte Epoche entstanden.

Spannend ist aber auch das Bonusmaterial auf der zweiten Scheibe. Da spricht etwa Melvin van Peebles anlässlich einer Vorführung von «Baadasssss!» über die Erwartungen von Produzenten an schwarze Filme. Komödien und Action seien erlaubt, komplexere Stoffe aber nicht. Zudem erwähnt er, dass unabhängige Filmemacher heute nicht mehr durch das Studiosystem, sondern durch das Verleihsystem eingeschränkt werden. In der Dokumentation «The Birth of Black Cinema» sprechen zudem einige an der Produktion beteiligte Exponenten, darunter auch Bill Cosby und Ossie Davis, über die Bedeutung von «Sweet Sweetback’s Baadasssss Song».

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial:
5 Sterne

(Bilder: ©Koch Media)

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