«Jonas» von Ottomar Domnick

Robert Graf in «Jonas»

1957 verfilmte Ottomar Domnick mit «Jonas» einen zynischen Kommentar über den vereinsamten Menschen in der Grossstadt. Den Gesellschaftsnormen entsprechend kauft sich Jonas einen Hut. Als ihm dieser aber gestohlen wird und er selber einen fremden Hut entwendet, holt ihn die dunkle Vergangenheit ein. Da war doch schon einmal so ein Vorfall. Der Druck der Gesellschaft, der zu verbrecherischen Aktivitäten führt.

Im avantgardistischen Schwarzweiss-Film wirft Domnick einen kritischen Blick auf den vermeintlichen Wohlstand der Konsumgesellschaft, auf das Wirtschaftswunder, das doch nur Gefangene, Angeklagte und Verfolgte produziert. Ironisch lamentierend wird die Handlung von Hans Magnus Enzensberger kommentiert. Über die neue Tourismuslust holt er etwa zu folgender Lyrik aus: «Glücklich durch Reisen – wenn du das nötige Kleingeld hast. Romantischer Tod auf deutschen Bundesstrassen. Besucht unsere malerischen Atommeiler. Unbeschwerte Badefreuden im radioaktiven Rhein.»

«Jonas» von Ottomar Domnick

Anstatt einer «Sinfonie der Grosstadt» komponierte Domnick ein wunderbar konzipiertes Jazzrequiem des Grossstadtmenschen. Die Musik zu den ausdrucksstark gestalteten Bildern stammt von Duke Ellington und Winfried Zillig. Wer mehr über den Regisseur erfahren möchte, wird mit dem auf der DVD enthaltenen, 43-minütigen Selbstporträt «Domnick über Domnick» vorzüglich bedient.

Der Kunstliebhaber Domnick gibt Auskünfte über seine Karriere und ordnet «Jonas» in sein Lebenswerk ein. Darin erwähnt Domnick auch, das im auf Strassen und Plätzen, in Geschäften und Lokalen aufgenommenen Film «vielleicht […] auch ein wenig Protest gegen die aufwändig arbeitende Filmindustrie mit Traumfabrik und Starkult enthalten» war.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
4 Sterne

(Bild: ©Filmgalerie 451)

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