«Das gefrorene Herz» von Xavier Koller

Paul Bühlmann und Sigfrit Steiner in «Das gefrorene Herz»

Die Alpensaga «Sennentuntschi» von Michael Steiner hängt derzeit in der Schwebe. In einem ähnlichen Zustand befindet sich auch die Hauptfigur aus dem stimmungsvollen Gebirgsmärchen «Das gefrorene Herz», das der Schweizer Oscar-Gewinner Xavier Koller («Reise der Hoffnung») 1979 inszeniert hat. Die Hauptfigur ist eine unerwünschte Leiche im Schnee.

Im tiefen Winter erfriert zwischen Vorderau und Hinterau ein Landstreicher (der herrlich grotesk geschminkte Paul Bühlmann, «Polizist Wäckerli in Gefahr»). Sein munterer Kollege Wyss (Sigfrit Steiner, Regisseur von «Polizist Wäckerli in Gefahr») versucht in den beiden Dörfern ein Begräbnis zu organisieren. Doch die Gemeindepräsidenten scheuen die Kosten und transportieren lieber die gefrorene Leiche von einer Seite des Grenzsteins auf die andere.

Da erfindet Wyss eine neue Identität für seinen Kumpanen. Der soll plötzlich reich gewesen sein und 1000 Franken für eine christliche Beisetzung und das Leichenmahl spendieren. Das übrige Geld soll «der Pfarrer zum Wohl der Allgemeinheit nach seinem Gutdünken verwenden.» Daran hat natürlich auch der Pfarrer (Erwin Kohlund, «Das vergessene Tal») seine Freude. Etwas konsterniert muss er dann allerdings zusehen, wie das Leichenmahl in ein regelrechtes Fress- und Saufgelage ausartet.

«Das gefrorene Herz»

Der Film ist nach der Kurzgeschichte «Begräbnis eines Schirmflickers» von Meinrad Inglin entstanden. Regisseur und Drehbuchautor Xavier Koller hat daraus eine verschmitzte Parabel über verblendende Gier gefertigt, die durch ihre urchigen Drehorte im Schächen- und Muotathal eine unbändige Faszination ausstrahlt. Überragend ist neben der von Kameramann Hans Liechti einmalig eingefangenen Aussen- und Innenaufnahmen auch der schlitzohrige Sigfrit Steiner.

Die Bildqualität der DVD ist gerade einmal ausreichend. Leichte Verunreinigungen und ein dezenter Blaustich in vereinzelten Szenen, der allerdings ein Resultat der Aufnahmen im Schnee sein kann, trüben die wunderbare Atmosphäre ein wenig. Der Ton ist ordentlich. Bemerkenswert ist das kaum anzumerken ist, dass der Film fast komplett nachsynchronisiert wurde. Im Film spielten nämlich nicht nur Schauspieler mit verschiedensten Dialekten, sondern auch Deutsche und mit Emilia Krakowska eine Polin mit.

Als Bonusmaterial sind ausführliche Interviews mit mehreren Beteiligten enthalten. Xavier Koller und Kameramann Ueli Steiger, der damals als Fahrer für die Schauspieler involviert war, erinnern sich an die teilweise widrigen Bedingungen bei den Dreharbeiten. So stellte sie der Schnee immer wieder vor erhöhte Herausforderungen. Maskenbildner Giacomo Peyer präsentiert stolz die noch prächtig erhaltene Puppe von Bühlmann. Die Kurzgeschichte von Inglin ist als PDF abrufbar.

Bewertung: 5 Sterne
Bildqualität: 3 Sterne
Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
4 Sterne

(Bilder: ©Praesens Film)

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