«Terminator Salvation» von McG (Blu-ray)

«Terminator 2: Judgment Day»

No fate but what we make.

«No fate» kritzelt Sarah Connor in «Terminator 2: Judgment Day» in einen Tisch. «No fate but what we make» ist auch das Motto von «Terminator Salvation», dem vierten Kinofilm in der «Terminator»-Serie. Das entspricht auch ganz der bisherigen Logik der Serie, die durch die Wandelbarkeit der Zeit immer neue Möglichkeiten erforschen kann. So wurde durch einen Zeitsprung in der Fernsehserie «Terminator: The Sarah Connor Chronicles» gleich die ganzen Ereignisse aus «Terminator 3: Rise of the Machines» ausgelöscht. «Terminator Salvation» hält auch einige Überraschungen bereit.

Die werden hier natürlich nur vereinzelt verraten, obschon sie durch ein wenig überlegen schnell zu erraten sind. Der Film fängt eher ungewöhnlich an. 2003 bittet eine an Krebs erkrankte Forscherin (Helena Bonham Carter, «Sweeney Todd») den Häftling Marcus Wright (Sam Worthington, «Avatar») vor seiner Hinrichtung, dass er seinen Körper der Wissenschaft überlässt. Als er das Formular unterzeichnet, ist dort der Name Cyberdine Systems zu erkennen.

Christian Bale in «Terminator Salvation»

2018 ist Judgment Day bereits Geschichte. Einige der überlebenden Menschen glauben, dass John Connor (Christian Bale, «The Dark Knight», «3:10 to Yuma») ihr Retter ist: «Others believe he is a false prophet.» Connor hat gerade mit seiner Einheit einen Stützpunkt von Cyberdine Systems angegriffen und wichtige Daten an die Kommandozentrale übermittelt. Da bemerkt Connor, dass sie in einen Hinterhalt geraten sind. Er überlebt als einziger die Attacke. Aus dem Trümmern der Anlage taucht wenig später aber auch der quicklebendige Marcus Wright auf und macht sich auf den Weg nach Los Angeles.

Connor streitet sich derzeit mit seinen Vorgesetzten (nein, John Connor führt den Widerstand offensichtlich nicht an) über den Zeitpunkt für den Angriff auf die Zentrale von Cyberdine Systems in San Francisco. Der Widerstand hat eine Liste mit den Namen von Personen abgefangen, die innerhalb von sieben Tagen nicht mehr am Leben sein sollen. Auf Position 2 steht der Name John Connor. Der Name auf Position 1 ist nur ihm bekannt: Kyle Reese. Trotzdem möchte Connor mit dem Angriff warten, bis die menschlichen Gefangenen von Cyberdine Systems befreit sind.

Moon Bloodgood und Sam Worthington in «Terminator Salvation»

Wright kommt derweil in Los Angeles an, wo er auf zwei Überlebende trifft: das kleine Mädchen Star (Jadagrace) und der junge Kyle Reese (Anton Yelchin, «Star Trek»). Nachdem sie eine Radiobotschaft von Connor hören, machen sie sich auf den Weg, um sich mit dem Erlöser anzuschliessen. Unterwegs werden sie allerdings von Maschinen angegriffen. Reese fällt in Gefangenschaft. Wright stürzt in eine Schlucht und trifft schliesslich auf die Pilotin Blair Williams (Moon Bloodgood).

«This is not the future my mother told me about» hiess es noch im Trailer von «Terminator Salvation». Ich kann mich nun aber nicht erinnern, den Satz im Film ebenfalls gehört zu haben. Das würde auch nicht unbedingt viel Sinn machen, denn die Zukunft hat sich ziemlich genau so entwickelt, wie Sarah Connor es ihrem Sohn geschildert hat. Um seine nächsten Schritte zu planen, hört er sich fleissig die Tonbänder seiner Mutter an.

Einige Veränderungen hat es aber durchaus gegeben – abgesehen davon, dass Connor den Widerstand (noch) nicht anführt. Das kann ja noch in Teil 5 werden. Aber nicht nur Connor kann aus der Zukunft lernen, auch die Maschinen passen ihre Strategie immer wieder den veränderten Zeitflüssen an. So haben sie dieses Mal eine neue Waffe entwickelt, die den Untergang der Menschheit endgültig sichern soll.

Linda Hamilton und Bess Motta in «The Terminator»

Und in der Zukunft ist mit der Zivilisation auch der Humor gestorben. Dafür haben aber hauptsächlich Regisseur McG mit seinen grauen Visionen und die Drehbuchautoren John D. Brancato und Michael Ferris gesorgt. Humor war aber bisher wesentlicher Bestandteil von allen Folgen, sogar von «The Terminator». Dafür verantwortlich ist aus heutiger Sicht zwar vor allem der 80ies-Chic (Bild 4), doch auch die Szenen mit dem T-800 entbehren nicht eines gewissen Schalks.

Arnold Schwarzenegger in «Terminator 2: Judgment Day»

Spätestens in «Terminator 2: Judgment Day» sind zahlreiche Witze aber beabsichtigt, etwa wenn John Connor dem T-800 beibringen will, wie man lacht (Bild 5). Solche Szenen fehlen in «Terminator Salvation». Einzig als Connor einmal «I’ll be back» sagt, sorgte das für Erheiterung. Diese bittere Ernsthaftigkeit erweckt ein wenig den Eindruck, dass die Drehbuchautoren ein wenig überkompensiert haben, weil ihr Drehbuch zu «Terminator 3: Rise of the Machines» angeblich zu viel Humor enthalten habe. So ist nicht nur das Bild mit Ausnahme der rot brennenden Augen der Maschinen und den gelb leuchtenden Explosionen meistens völlig grau, auch die Stimmung ist übermässig düster.

Dafür fallen einige schmalzige Stellen negativ auf. Marcus Wright ganz verknirscht, als sich Blair Williams sich für ein wenig körperliche (vielleicht auch ein wenig seelische) Wärme an ihn schmiegt: «I’m not a good guy.» Darauf erwidert sie: «You are. You just don’t know it yet.» Wo sind wir denn hier? Auf der «Titanic»?! Ich habe keine Einwände gegen eine tüchtige Portion Kitsch im passenden Film. In «Terminator Salvation» sind solche esoterisch angehauchten Sätze nicht wirklich angebracht. Da fügen sich harte Wahrheiten besser ins Umfeld, wie «It’s your nature to destroy yourselves» aus «Terminator 2: Judgment Day».

Kontext zur Handlung oder den Figuren wird hingegen fast überhaupt nicht geliefert. Wozu auch. Das Publikum kennt die Zusammenhänge, und den Figuren im Film muss niemand erklären, wieso es zum «Judgment Day» gekommen ist. Notwendig wären die Hintergründe aber eben schon, denn in der «Terminator»-Welt gibt es keine fixen Abläufe: «No fate» eben. Die Ereignisse sind immer im Fluss, und nur weil etwas einmal in der Zukunft geschehen ist (die Rückreise von Kyle Reese), bedeutet das noch lange nicht, dass es wieder geschehen muss.

Die Vergangenheit wird durch eine veränderte Zukunft nicht ausgelöscht, da sie auf einem verschiedenen Zeitstrang abläuft. John Connor wird geboren worden sein, ob er nun Kyle Reese in die Vergangenheit schicken wird oder nicht. Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob sich die Filmemacher dessen bewusst sind. Dafür ist dann die eine Stelle, in der die Funktion der tödlichen Waffe erklärt wird, ausserordentlich umständlich. Da muss nämlich das System dieser tödlichen Waffe erläutern, wozu sie eingesetzt wurde. Ausführlich und kompliziert, für all jene im Publikum, die es nicht schon vorher begriffen haben.

Von der Machart her lässt sich nicht viel an «Terminator Salvation» aussetzen. Einige digitale Effekte, insbesondere die Motorräder, wirken nicht in jeder Aufnahme ganz ausgereift, und eine Szene auf einem Hausdach in Los Angeles sah einfach unfertig aus. Zudem ist in manchen Szenen die Kamera so nahe am Geschehen, dass die Übersicht verloren geht. Aber die Maschinen und Effekte sind ansonsten ganz ordentlich. Was dem Streifen aber eben ganz besonders fehlt – um bei einem Thema des Films zu bleiben –, ist das notwendige Herz. Dadurch unterscheiden sich laut Connor die Menschen von den Maschinen. «Terminator Salvation» ist ganz klar eine Maschine. Ausserordentlich mager ausgefallen ist in dieser Hinsicht die Gestaltung der Figuren. Besonders die schwangere Kate Connor (Bryce Dallas Howard) wirkt ziemlich verloren.

«Terminator Salvation» ist eindeutig der schwächste Film aus der «Terminator»-Serie. Da er aber eben Bestandteil von diesem Universum ist, lässt er sich dennoch geniessen. Es ist auch nicht wirklich weiter schlimm, dass die Geschichte des vierten Films viel zu verkrampft erzählt wird. Das bietet wenigstens ausreichend Steigerungspotenzial für die nächsten Folgen. Vielleicht kann dann ja durch eine Zeitreise ein wenig mehr Lockerheit eingebracht werden. «Terminator Salvation» ist ein knalliger, aber auch leich gehemmter Neuanfang für die «Terminator»-Serie, der immerhin Lust auf mehr macht.

Auf der Blu-ray-Disc ist neben der Kinofassung auch ein um drei Minuten verlängerter «Director’s Cut» enthalten. Welche Szenen genau ausgebaut wurden, konnte ich nicht erkennen. Der Eindruck bleibt aber der gleiche: viel harte Action und wenig Herz. Bild- und Tonqualität sind beinahe tadellos. In einigen dunklen Szenen ist in den schwarzen Flächen übermässiges Rauschen zu sehen. Die Tonspur ist vor allem laut, aber die Effekte sind nicht immer ganz überzeugend auf die Kanäle verteilt.

Das Bonusmaterial besteht neben den zwei kurzen Berichten «Reforging the Future» (19 Minuten) und «The Moto-Terminator» (8 Minuten) in erster Linie aus der wirkungsvoll eingesetzten «Maximum Movie Mode», einem mit Bildfunktionen erweiterten Audiokommentar von McG, der zwischendurch auftaucht und den Film auch anhält, um Vergleiche zwischen dem Endprodukt und der Produktion anzustellen. Dazwischen äussern sich auch die Schauspieler und elf «Focus Points», kurze Beiträge über einzelne Aspekte, können angewählt werden. McG geht dabei auch auf Szenen ein, die nicht seinen Vorstellungen entsprechen, und erwähnt, dass es bei den Dreharbeiten zu Spannungen gekommen ist. Einzige Kritikpunkte an diesem Extra: die Einblendung der Zeitlinie ist ein wenig lahm, die Storyboards werden zum Teil zeitversetzt eingeblendet und der Ton der Sprecher ist so leise, dass er teilweise durch die Hintergrundgeräusche des Films verschluckt wird.

Bewertung: 3 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Fotos: ©Kinowelt/Sony)

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2 Kommentare to “«Terminator Salvation» von McG (Blu-ray)”

  1. Deleted says:

    Die Filmkritik kann ich so nicht stehen lassen. Ich war an der Vorpremiere. Terminator 1+2 sind die absoluten Klassiker. Da sind wir uns wohl alle einig. Terminator 3 war eine der grössten Filmenttäuschungen überhaupt. Humor? Klar, das war immer ein Bestandteil. Aber eine rosa Sonnenbrille aufsetzen hat nix mit cleverem Humor zu tun, sondern ist die wohl billigste Art und Weise, Abwechslung in den Film zu bringen. Neuerungen (bis auf den Schluss) sucht man in T3 vergebens. Die Geschichte hat man ja schon in den beiden Vorgängern erlebt.

    Terminator Salvation hingegen deckt genau das ab, was man von ihm erwartet. Der Planet wurde zerstört, die Überlebenden haben die einzige Aufgabe, sich von einem Tag in den nächsten zu retten. Die Welt ist düster geworden (nicht wie in den 80ern von T1). Da bleibt nicht viel Platz für Nettigkeiten, Humor, Romanzen usw. Alles was zählt ist das nackte Überleben.

    Den Film sollte man losgekoppelt von den ersten 3 Teilen betrachten. Salvation ist ein Kriegsfilm. Mensch gegen Maschine. Unter diesem Blickpunkt ist dieser Streifen ein Absolut gelungenes Highlight. Und all die Nörgler die behaupten, dieser Streifen komme nicht ans 1+2 ran, die haben zwar recht, sollen sich aber besser mit diesen 2 Streifen im Keller einschliessen und nie wieder einen weiteren Film schauen.

  2. Andreas says:

    Sehr gute Filmkritik. Trifft haargenau das, was ich selber auch empfunden habe, als ich den Film gestern sah. Ich habe mich bewusst vor dem Kinobesuch nicht informiert. Ich bin weder entäuscht noch begeistert. Was mir persönlich am meisten fehlte, war der nicht existente Humor. Wer einen actiongeladenen Film sehen möchte, kommt voll auf die Rechnung. Wer tiefgründige Handlungen erwartet, kommt auch bei Folge 1 bis 3 nicht auf seine Kosten.

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