«Tokyo Godfathers» von Satoshi Kon

«Tokyo Godfathers»

Lust auf Weihnachten im Sommer? Da empfehle ich «Tokyo Godfathers» von Satoshi Kon. Am Weihnachtsabend findet das Obdachlosen-Trio Gin (Stimme von Toru Emori), Hana (Yoshiaki Umegaki) und Miyuki (Aya Okamoto) mitten in einer Müllhalde ein Baby. Das merkkwürdige Gespann – ein vermeintlicher Ex-Velorennfahrer, eine alternde Drag-Queen und eine junge Ausreisserin – begibt sich auf die Suche nach den Eltern des Kindes.

Bald deutet alles darauf hin, dass man wohl in den besseren Gegenden der Millionenmetropole fündig werden könnte. Damit nimmt eine energiegeladene Odyssee mit bizarren Abenteuern und seltsamsten Wendungen ihren irren Lauf. In teils rasantem Tempo flüchtet das Trio vor Gangstern und macht Jagd auf Kindesentführer.

«Tokyo Godfathers»

Das Timing dieser Weihnachtsgeschichte der anderen Art ist beinahe perfekt und der Humor wunderbar schräg, wenn auch manchmal ein wenig gar schrill. Und obschon der alte Gin einmal behauptet, er sei ein Obdachloser und nicht ein Actionheld, sind die halsbrecherischen Verfolgungsjagden packend inszeniert. Nicht ganz nach meinem Geschmack ist jedoch die selbst für einen Animationsfilm gar übertriebene Mimik der Figuren. Sie stehen in einem allzu grotesken Widerspruch zu den beeindruckenden, realistisch animierten Stadtlandschaften und Kulissen.

Eine wahre Freude für Animationsfreunde ist die exklusive Limited-Edition-DVD-Box, die eine zweite DVD mit Bonusmaterial enthält. In einem 14-minütigen Beitrag über den Enwicklungsprozess erklären die Animatoren, wie die Szenen entstanden sind und drücken teilweise auch ein Unbehagen mit den cartoonhaften Aspekten der Figuren aus. Gezeigt wird auch, wie Regisseur Kon als Bewegungsvorbild für den Transvestiten diente.

«Tokyo Godfathers»

Ein ziemlich bizarres Gespräch zwischen Sprecherin Aya Okamoto und Regisseur Kon ist im allgemein sehr bizarren, aber vermutlich einfach sehr japanischen, 22-minütigen Bericht «Animax» enthalten, der sich auf die Arbeit der Sprecher und den groben Kontext der Produktion konzentriert. Wie real die Kulissen im Film sind, wird ganz deutlich im informativsten, 26-minütigen Beitrag «Unexpected Tours» gezeigt, der auf eine Stadtbesichtigung von Tokio einlädt und weitere Elemente beleuchtet.

In der dicken, edel verpackten Limited Edition ist nebem einem Postkarten-Set auch noch ein 656 Seiten dickes Buch enthalten, das die von Kon gezeichneten Storyboards zum Film und in einem Appendix auch noch Interviews mit Satoshi Kon und anderen enthält – allerdings ausschliesslich auf Japanisch. Jetzt weiss ich wenigstens, welches die nächste Sprache ist, die ich lernen sollte.

Film: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial (Limited Edition):
6 Sterne

(Bilder: ©Sony)

Film kaufen:
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Ein Kommentar to “«Tokyo Godfathers» von Satoshi Kon”

  1. Tobias says:

    Nach zwei japanischen Filmfestivals in den letzten Wochen überlege ich auch, wie lohnend Japanisch lernen wäre.

    In “Tokyo Godfathers” habe ich mich verliebt. Im Moment ist es mein Lieblingsanime.

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