«Tausend Ozeane» von Luki Frieden

Max Riemelt und Maximilian Simonischek in «Tausend Ozeane»

Letztes Jahr feierte «Tausend Ozeane» vom Berner Regisseur und Drehbuchautor Luki Frieden seine Weltpremiere am 4. Zürich Film Festival. Das berührende, meist schwerelose Drama über Verantwortung, Vergebung und Loslassen erhielt viel Applaus.

Luki Frieden («November») erzählt in seinem zweiten Spielfilm von Meikel (Max Riemelt, «Die Welle»), der zusammen mit seinem besten Freund Björn (Maximilian Simonischek) spontan vor den Verantwortungen des Alltags flieht und auf die Malediven abhaut. Als die Zeit für die Rückkehr kommt, bleibt Björn auf der Insel zurück. Zurück im Alltag findet sich Meikel nun nicht mehr zurecht. Es kommt zu immer mehr Spannungen mit seinen Eltern und seinem Bruder (Joel Basman).

Meikel merkt, dass sich in der Zeit seiner Abwesenheit etwas zugetragen haben muss, worüber seine Familie nicht sprechen kann. Man rät ihm, seinen besten Freund nicht zur Rückkehr von den Malediven zu bewegen. Meikel wird neugierig und setzt alles daran, hinter das dunkle Geheimnis zu kommen, das Björns Aufenthalt auf den Malediven zu Grunde liegt. Je näher er diesem Geheimnis kommt, umso bewusster wird ihm, dass er nicht Björn, sondern vielmehr sich selbst retten muss.

Max Riemelt in «Tausend Ozeane»

Das Geheimnis hinter dem seltsamen Schwebezustand von Meikel wird zur Halbzeit gelüftet. Danach werden die Ereignisse noch einmal unter den geänderten Vorzeichen betrachtet, vertieft und zur Auflösung gebracht. Die verschachtelte Struktur führt zwischendurch auch in die Kindheit von Meikel zurück und bringt ständig neue Facetten seiner Beziehungen ans Tageslicht. Wie in Tagträumen wandelt der junge Mann durch sein Leben und versucht in vertrauten Situationen Halt zu finden.

Frieden meistert den Balanceakt zwischen Konkretheit und Zerbrechlichkeit meist mit Bravour. Besonder gelungen sind die stillen Momente der Einsamkeit. Einige Aspekte wirken dann allerdings doch ein wenig zu bemüht. Da ist etwa der aufgesetzt wirkende Bezug zu Prinzessin Diana, der die emotionale Bindung zu Meikel immer wieder behindert. Oder die teilweise nervöse Kameraarbeit, die durch Zooms in die Wahrnehmung von Meikel einführen soll. Abgesehen von solch kleinen Makeln ist Frieden allerdings ein stimmungsvolles Drama geglückt, das sein Publikum in dnen Bann ziehen kann.

Auf der DVD führt Luki Frieden auf einem Audiokommentar mit sanfter, aber sicherer Stimme durch den Film. Er erklärt seine Entscheidungen und wie manchmal Zufälle zu einer Aufnahme geführt haben. Die Zusammenarbeit mit Tieren kommt ebenso zur Sprache, wie die nicht von allen Verkehrsteilnehmern geliebte nächtliche Sperrung einer Kreuzung in Bern oder Leitern im Strand der Malediven. Hörenswert. Zudem ist ein Musikvideo «Living in Between» von MiNa und ein 18-minütiger Drehbericht enthalten.

Bewertung: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität: 4 Sterne
Bonusmaterial:
4 Sterne

(Bilder: ©Frenetic)

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Ein Kommentar to “«Tausend Ozeane» von Luki Frieden”

  1. Ben Hofer says:

    Ein unglaublich guter Film! Berührend, tiefgründig und wunderschön. Ein Film übers Leben und übers Gehen.

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