«Quarantine» von John Erick Dowdle (Blu-ray)

Jennifer Carpenter und Jay Hernandez in «Quarantine»

Die älteste Grundregel der Filmindustrie: Was Erfolg hat, wird kopiert. Egal ob es sich um Bücher, Comics, Fernsehserien oder andere Filme handelt. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein europäischer Film schon wenige Monate nach der Auswertung eine Kopie aus Hollywood erhält. Das geschah auch mit dem spanischen Horrorfilm «[•REC]», der vom Brüderpaar John Erick Dowdle und Drew Dowdle zu «Quarantine» umgewandelt wurde. Das finde ich äusserst positiv. Die Filme sind sich nämlich so ähnlich, dass ich meinen Text zu «[•REC]» einfach kopieren kann und nur leicht abändern muss. Na gut, einige neue Sätze habe ich schon eingebaut.

Das «neue» Konzept für Horrrorfilme? Kamera anstellen und rennen. Es ist kaum zu glauben, aber es hat wirklich fast zehn Jahre gedauert, bis die Idee von «The Blair Witch Project» auch für andere Horrorfilme verwendet wird. 2007 kam sie gleich im Multipack zum Einsatz. Nach «Cloverfield» und «Diary of the Dead» setzte auch der spanische Thriller «[•REC]» auf die Perspektive eines Kameramanns. Das US-Remake «Quarantine» übernahm das Drehbuch von «[•REC]» beinahe unverändert.

Auch in «Quarantine» wird die einzige eingesetzte Kamera immer von der gleichen Person bedient. Damit wir aber auch wissen, wer dahinter steht, gibt es zwei ganz kurze Momente, in der wir den Blickführer (Steve Harris) zu Gesicht bekommen. Ansonsten steht meistens die anfangs noch hübsche Journalistin Angela (Jennifer Carpenter) vor der Kamera. Sie berichtet über die Nachtschicht von Feuerwehrmännern. Als sie zu einem Einsatz ausrücken, treffen sie in einem Haus auf eine bissige alte Frau.

Die Feuerwehrmänner und die sich bereits vor Ort befindlichen Polizisten sind genauso ratlos wie die übrigen Bewohner des Gebäudes. Nachdem die alte Frau einen Polizisten und einen Feuerwehrmann attackiert hat, wollen die übrigen Personen das Gebäude verlassen. Doch die Ausgänge sind mittlerweile barrikadiert worden. Offensichtlich befindet sich etwas im Haus, dass besser nicht in Freiheit gelangt. Die Bewohner sind eingeschüchtert und versuchen einen Ausweg zu finden. Gleichzeitig werden sie von geifernden Angreifern bedroht, die ihre Opfer anstecken.

Der Rahmen bildet eine übliche Zombie-Geschichte. Allerdings sind die Symptome ein wenig anders (ein Tierarzt beschreibt sie als Anzeichen von Tollwut) und die Infizierten sind nicht ganz so resistent wie Untote. Ansonsten ist die Geschichte aber ganz auf die üblichen Motive des Genres ausgerichtet. Immer mehr Personen werden angesteckt, und die Bedrohung wird immer grösser. Die letzten zehn Minuten sind durch ihre Beschränkung der Sinne wirklich grausam wirkungsvoll.

Die Perspektive wird als konsequentes Stilmittel eingesetzt, das manchmal seine Wirkung erzielt, durch zu starkes Schütteln manchmal aber auch überreizt. Zudem sind hinter manchen Entscheidungen des Kameramannes deutlich die Absichten von Regisseur John Erick Dowdle zu erkennen. So sind vor allem gegen Ende häufiger die bedrohten Menschen als die angreifenden Monster im Bild zu sehen. Dabei wäre der ebenfalls angegriffene Kameramann wohl beraten, wenn er die Infizierten im Auge behalten würde. Wie aber die Dowdle-Brüder auf dem Audiokommentar verraten, verlieren die Monster ihre schockierende Wirkung, wenn sie zu lange zu sehen sind.

Doch wer sich zu viel überlegt, verpasst sowieso die Vorzüge dieses einfachen, aber effektvollen Zombie-Thrillers. Einfach reinsitzen und im Haus des Schreckens mitwackeln, lautet daher die Devise. «Quarantine» ist ein nicht restlos überzeugender, aber durchaus wirkungsvoller Horrorthriller.

Ist «Quarantine» nun besser oder schlechter als «[•REC]»? Im Grunde identisch. Ehrlich gesagt habe ich das Remake besser geniessen können. Vielleicht hat das Bild nicht ganz so arg gewackelt, oder vielleicht ziehe ich einfach die Dialoge auf Englisch vor. Ausserdem bietet die US-Version durch Johnathon Schaech, Rade Serbedzija, Greg Germann und Bernard White einige Darsteller, die mir vertraut waren. Vermutlich ein weiterer Vorteil.

Die Blu-ray-Disc bietet solides Bild, dass trotz wackliger Kamera die oftmals dunklen Szenen scharf wiedergibt. Als Bonusmaterial ist ein 10-minütiger Drehbericht, Beiträge über das Make-Up (7 Minuten) und einen Stunt (3 Minuten, alle Extras in Standardauflösung) sowie ein kurzweiliger Audiokommentar (mit deutschen Untertiteln) von John Erick Dowdle und Drew Dowdle enthalten. Sie sprechen vor allem über die Herausforderungen der Produktion. Obschon im Abspann die Vorlage prominent erwähnt wird, gehen sie allerdings mit keinem Wort darauf ein. Vielmehr sprechen sie sogar von Szenen, die schon in «[•REC]» zu sehen waren, als ob die Idee dazu von ihnen stammt.

Bewertung: 4 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
4 Sterne

(Bilder: ©Sony)

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