NIFFF 09: «Franklyn» von Gerald McMorrow

«Franklyn»

When you’re lost, you’re willing to believe anything.

Ich bin mir nicht ganz sicher, weshalb Tobias findet, dass sich «Franklyn» nicht lohnt. Aber er wird es hier sicher noch mitteilen. Ich bin auf jeden Fall anderer Ansicht. Das Regiedebüt von Gerald McMorrow weist zwar gewisse Schwächen auf, präsentiert aber eine fesselnde Welt zwischen hier und anderswo, zwischen jetzt und unbekannt.

«Franklyn» spielt in zwei Parallelwelten: in London und in Meanwhile City, einer mittelalterlich angehauchten Metropole, die von religiösem Eifer bestimmt wird. Jede Person muss hier eine Religion ausüben. So gibt es eine Gemeinschaft, die ihre Lehren aus der Anleitung für eine Waschmaschine bezieht, oder die Second Coming of the Manicurists (oder so ähnlich). Ausgrechnet Jonathan Preest (Ryan Phillippe) ist ohne Glauben. Er ist ein maskierter Rächer, der in den Strassen von Meanwhile City seinen Erzgegner verfolgt, um eine Seele zu rächen.

Drei weitere Figuren suchen ihre Erfüllung in London. Die schöne Kunststudentin Emilia (Eva Green, «Casino Royale», «The Golden Compass») will sich an ihrer Mutter rächen und gibt sich ihren seltsamen und selbstmörderischen Performances hin. Der gebrochene 30-jährige Milo (Sam Riley, «Control») möchte nach dem Tod seiner Verlobten die Leidenschaft seiner ersten Liebe wiederfinden. Derweil sucht der verzweifelte Vater Esser (Bernard Hill) in den Armenvierteln von London nach seinem Sohn.

Eva Green und Sam Riley in «Franklyn»

Irgendwie ist schnell einmal klar, dass sich die Wege dieser Figuren früher oder später einmal kreuzen müssen. Die Frage ist nur, wie ihre Schicksale zusammenhängen. Gerald McMorrow hat die Verstrickungen in seinem Drehbuch nicht wirklich ganz zufriedenstellend aufgelöst. Da passen zu viele Elemente nicht wirklich zusammen. Durch seine Ablehnung der Religionen entwirft die etwas einfältige Hauptfigur Preest beinahe seinen eigenen Glauben und am Ende fügt sich eben doch alles vorherbestimmt zusammen.

Ausserdem sind etliche weitere Ungereimtheiten vorhanden. Wieso hat etwa der Trauzeuge keine Ahnung, dass die Verlobte von Milo soeben begraben wurde? Oder habe ich einfach die Szene am Friedhof falsch verstanden? Ziemlich sicher bin ich aber, dass Emilia in einer Szene sieht, wie die Ärzte versuchen, sie am Leben zu erhalten. Lebt sie auch schon in einer anderen Welt, einer Zwischenwelt? Da entsteht zwischendurch der Eindruck, dass selbst Gerald McMorrow nicht mehr ganz den Durchblick hatte. Dafür ist «Franklyn» wenigstens ein Film, der reges Mitdenken erfordert.

Die Handlung ist also etwas übertrieben kompliziert konstruiert und lässt zu lange mit konkreten Hinweisen auf die eigentlich Beschaffenheit der Geschichte warten. Negativ könnte auch noch erwähnt werden, dass Preest mit seiner Maske und der Heraufbeschwörung einer Endzeitstimmung etwas gar stark an Rorschach aus «Watchmen» und Meanwhile City an London aus «V for Vendetta» erinnert. Optisch kann der Film ansonsten aber ganz ausgezeichnet gefallen. Kameramann Ben Davis («Stardust») zeigt sich als Meister seines Fachs, und tricktechnisch bietet insbesondere die düstere Alternativwelt von Meanwhile City bestechenden Detailreichtum.

Fazit: «Franklyn» ist ein vielleicht ein wenig zu angestrengt konstruierter, aber durch die Atmosphäre gefälliger Fantasy-Thriller.

Bewertung: 6 Sterne

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Ein Kommentar to “NIFFF 09: «Franklyn» von Gerald McMorrow”

  1. [...] jetzt grad noch, da gibt’s ja einen Liveblogger vom [...]

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