«Religulous» von Larry Charles und Bill Maher

Bill Maher in «Religulous»

Faith means making a virtue out of not thinking.

Bei der Eidgenössischen Volkszählung 2000 erreichte der Bevölkerungsanteil, der sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühlt, über 11 Prozent, zehnmal mehr als 1970. Wie viele davon wirklich atheistisch oder agnostisch sind, lässt sich nicht bestimmen. Doch durch Anwendung der Statistik-Theorie der SVP ergibt sich daraus, dass 2030 schon 110 Prozent der Bevölkerung religionslos sein werden.

Diese Statistik dürfte Bühnen- und Fernsehkomiker Bill Maher und Regisseur Larry Charles («Borat», «Brüno», «Seinfeld») freuen. Im Dokumentarfilm «Religulous» greift der scharfzüngige Maher die organisierten Religionen an und gibt sie äusserst respektlos der Lächerlichkeit preis. Religion ist gemäss Maher «the single easiest subject to make jokes about». Die Dokumentar-Komödie feierte 2008 am Zurich Film Festival ihre Europapremiere.

Bill Maher und Jesus in «Religulous»

Im Film von Larry Charles reist Maher auf den Spuren des Christentums durch die USA und Europa und kreuzt gelegentlich auch die Klingen mit Moslems. Die Botschaft von Maher ist kurz und simpel: «Religion is dangerous.» In einer Zeit, in der ein Präsident auf den Beistand von Gott im Krieg gegen den Terrorismus zählt (2008 war George W. Bush im Weissen Haus) und jede Woche in Namen Gottes Bombenanschläge verübt werden, erachtet es Maher als seine Pflicht, die Scheinheiligkeit der Religionen aufzudecken. Seine Waffen: hartnäckige Fragen und beissender Humor.

Auf seiner Forschungsreise begegnet Bill Maher überzeugten Christen, Juden und Moslems, unterhält sich aber auch mit Ex-Mormonen, einem Kantheisten und mokiert sich nebenbei über die Ansichten der Scientologen. Im Zentrum von seinem Kreuzzug stehen jedoch die Widersprüche in der Bibel. So diskutiert er mit mehreren Personen über die Auffassung, dass in der Bibel die tatsächliche Entstehung von Leben und dem Universum beschrieben wird. Unbeirrbar halten die Gesprächspartner an der Meinung fest, dass die Erde vor 5000 Jahren von Gott erschaffen wurde und Menschen zeitgleich mit Dinosauriern lebten. Maher betrachtet solche Überzeugungen für eine neurologische Störung.

Durch die schonungslose Konfrontation ist «Religulous» häufig gnadenlos witzig. Die Ansichten der Fanatiker sind einfach irrsinnig grotesk. Manchmal zielt Maher aber auch zu schamlos auf seine häufig hilflos wirkenden Opfer. In einem Schlussmonolog fordert Maher schliesslich die Gleichgesinnten auf, sich endlich bemerkbar zu machen. Die einzige angemessene Einstellung gegenüber den grossen Fragen sei nicht «arrogante Gewissheit», sondern Zweifel.

Fazit: «Religulous» ist zweifellos eine wahnwitzige Komödie für aufgeschlossene Denker.

Bewertung: 6 Sterne

(Bilder: ©Ascot Elite)

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