«The Hurt Locker» von Kathryn Bigelow (Blu-ray)

Brian Geraghty, Anthony Mackie und Jeremy Renner in «The Hurt Locker»

Going to war is a once-in-a-lifetime experience.

Die USA und der Krieg. Eine über 50-jährige Liebesgeschichte. In den Zweiten Weltkrieg trat die Weltmacht noch ziemlich widerwillig ein. Seither definieren sich die Vereinigten Staaten von Amerika durch die Kriege, die sie ununterbrochen führen und von denen die Wirtschaft abhängig ist. Kein Wunder, dass die Reize des Kriegs auch immer wieder in Hollywood-Filmen reflektiert werden, wie etwa in «The Hurt Locker» von Kathryn Bigelow.

Ein Zitat von Kolumnist und Schriftsteller Chris Hedges ist dem Film vorangestellt: «The rush of battle is a potent and often lethal addiction, for war is a drug.» Der in der Schlacht ausgelöste Adrenalinschub mache süchtig, löse eine tödliche Abhängigkeit aus. In diese Sucht gerät in «The Hurt Locker» der Bombenspezialist William James (Jeremy Renner), seines Zeichens Unteroffizier in der Einheit EOD (Explosive Ordnance Disposal).

James wird 2004 als Ablösung für den bei einem Einsatz umgekommenen Sergeant Matt Thompson (Guy Pearce) Vorgesetzter einer aus Sergeant JT Sanborn (Anthony Mackie) und Specialist Owen Eldridge (Brian Geraghty) bestehenden Spezialeinheit im Irak. Sie sind fortan fast täglich im Einsatz, um Bomben unschädlich zu machen. Die draufgängerische und verantwortungslose Art von James stösst bei Sergeant Sanborn auf Ablehnung. Specialist Eldridge macht sich derweil Vorwürfe, weil er das Leben von Sergeant Thompson hätte retten können.

Anthony Mackie und Jeremy Renner in «The Hurt Locker»

Der Kriegsfilm ist bis zur Hälfte eine eindringliche Zustandsbeschreibung, verliert sich danach aber im Drang, eine Geschichte erzählen zu wollen. Die Szenen aus dem Alltag der kleinen Einheit sind an und für sich austauschbar. Irgendwo wird eine Bombe gefunden und die Spezialisten müssen ausrücken und sie entschärfen. Die Anspannung in diesen Momenten ist spürbar. Fast schon dokumentarisch schildert Bigelow die Abläufe. Diese nüchterne Darstellung ist packend.

Dann haben die Filmemacher aber versucht, noch ein wenig tiefer zu schürfen, die Natur des Soldaten zu ergründen. Sie stürzen den Bombenentschärfer in eine emotionale Situation, die er nur mangelhaft bewältigt und dadurch seine Kollegen und auch sich selbst in Gefahr bringt. Das unverantwortliche Verhalten der Hauptfigur und die ständige Aufregung mag zwar der Realität entsprechen, wirkt aber auf die Dauer auch stark übertrieben. In einigen Episoden in der zweiten Hälfte des Film wird die Handlung zudem mit üblen, abgedroschenen Klischees und unerträglichem Kitsch überhäuft.

Bezeichnend dafür ist eine Szene, in der sich ein Arzt/Psychologe, der zuvor dem angeschlagenen Eldridge leere Ratschläge erteilte, selbst ins Feld wagt, sich mit ein paar Einheimischen unterhält und dann von einer Bombe pulverisiert wird. Da haben es die Filmemacher den intellektuellen Schreibtischtätern aber gezeigt. Gegen Ende werden auch die Floskeln der Soldaten ein wenig mühsam: «I’m not ready to die, James.» Oder auf die Frage, wie er den Druck bewältigt, antwortet James: «I guess, I don’t think about it.»

Die Figuren sind zwar auf psychologische Tiefe angelegt, der Film schürft aber dennoch nur an der Oberfläche. In dieser Hinsicht kommt «The Hurt Locker» nicht an «Jarhead» heran. Hinsichtlich der Konsequenz der Inszenierung bleibt «Black Hawk Down» unerreicht. Trotzdem gibt es an der Machart wenig auszusetzen. Die Einstellungen aus der Perspektive der Protagonisten versetzen das Publikum mitten in das Geschehen. Einzig die Wackelkamera fällt ab und zu negativ auf, weil sie sich zu stark als Stilmittel in den Vordergrund drängt.

Fazit: «The Hurt Locker» ist eine teilweise packende Betrachtung, teilweise aber auch überladene Analyse des Zustands von Soldaten im Krieg.

Die Blu-ray-Disc bietet den Film in bestechender Bildqualität. Einzelne Bildschwächen sind vermutlich hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass einige der eingesetzten (digitalen) Kameras die Bildinformationen nicht gleich sauber verarbeiten. Der Film hat mir auf Blu-ray-Disc aber bedeutend besser gefallen als im Kino. Dazu hat sicher auch die umwerfende Tonspur beigetragen, die von allen Richtungen in das Geschehen stürzt. Das Bonusmaterial ist vergleichsweise bescheiden und besteht aus kurzen Interviews mit den drei Hauptdarstellern sowie Pearce und David Morse (insgesamt etwa 12 Minuten), einem Drehbericht (12 Minuten) und Aufnahmen von den Dreharbeiten (13 Minuten).

Bewertung: 4 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
3 Sterne

(Bild: ©Ascot Elite/Concorde)

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