«Say Anything…» von Cameron Crowe

John Cusack in «Say Anything…»

In your eyes, I am complete.

Liebe ist schmerzhaft. Oder sie kann wunderbar sein. Das erfährt Lloyd Dobler (John Cusack) in der romantischen Tragikomödie «Say Anything…», dem fantastischen Regiedebüt von Cameron Crowe («Untitled»), in dem er unnachahmlich die Unbestimmtheit der jungen Liebe einfängt. Für den Sommer nach dem High-School-Abschluss hat sich Lloyd nur ein Ziel gesetzt: er möchte so viel Zeit wie möglich mit Diane Court (Ione Skye) verbringen. Die hat zu Beginn allerdings gar keine Ahnung, dass er überhaupt existiert.

Diane ist nicht nur das vermutlich hübscheste Mädchen der Schule, sondern auch ziemlich sicher das klügste. Sie lebt nach der Trennung der Eltern bei ihrem Vater (John Mahoney), der sie fördert und fast schon ein wenig zu sehr umsorgt. Sie hat ein renommiertes Stipendium für ein Studium in England erhalten und bereitet sich gewissenhaft darauf vor. Da kommt wie aus heiterem Himmel der Anruf von Lloyd, der beharrlich auf eine Verabredung besteht. An der ausgelassenen Abschlussparty verhält er sich zwar etwas eigenartig, aber auch sehr galant.

Ione Skye in «Say Anything…»

Diane fühlt sich zu Lloyd hingezogen, hat aber auch ein schlechtes Gewissen, weil sie vor ihrer Abreise auch noch genügend Zeit mit ihrem Vater verbringen möchte. Der hat gar keine Freude am unbeständig wirkenden Freund seiner Tochter. Lloyd erklärt unverblümt, dass er fast keine Ahnung hat, was er mit seinem Leben anstellen will: «I don’t want to sell anything, buy anything, or process anything as a career. I don’t want to sell anything bought or processed, or buy anything sold or processed, or process anything sold, bought, or processed, or repair anything sold, bought, or processed.» Nur etwas ist sicher: «What I really want to do with my life – what I want to do for a living – is I want to be with your daughter. I’m good at it.»

Auch wenn es sich jetzt vielleicht so anhört, ist «Say Anything…» nicht einfach eine seichte Liebeskomödie über verwirrte Teenager. Regisseur und Drehbuchautor Cameron Crowe stellte nämlich bereits in seinem Debüt als Regisseur all seine Qualitäten unter Beweis. Die Figuren sind teilweise zwar ein wenig sonderbar, aber dennoch äusserst lebensnah. Im Zentrum steht zwar die alles andere als sorgenlose Beziehung der ungleichen Jugendlichen, aber daneben wird auch die noch komplexere Beziehung von Diane zu ihrem Vater seziert. Herzzerreissend sind jedoch in erster Linie ganz klar die Emotionen zwischen dem optimistischen Lloyd und der zweifelnden Diane.

John Cusack und Ione Skye in «Say Anything…»

Die Dialoge sind schlicht grandios und lassen sich endlos zitieren. Die Fülle an grossartigen Dialogen ist unerschöpflich und sich für ein Lieblingszitat zu entscheiden, ist keineswegs einfach. Ganz vorne im Rennen ist aber bestimmt: «I gave her my heart, she gave me a pen.» Dann gibt es auch dutzende Einzeiler, die treffend das Lebensgefühl der Jugendlichen wiedergeben, aus dem Zusammenhang gerissen aber wenig Sinn ergeben würden, etwa «He made me laugh» oder «Today is tomorrow». Neben den glänzenden Hauptdarstellern sind in «Say Anything…» auch noch einige köstliche Nebenrollen zu entdecken, von Lili Taylor als beste Freundin von Lloyd über Bebe Neuwirth als Lehrerin bis hin zu seinen schrägen Kollegen Eric Stoltz und Jeremy Piven.

Wer jetzt losrennen und sich den Film auf DVD besorgen möchte, kann sich wieder zurücklehnen. Zumindest die deutsche DVD scheint vergriffen zu sein. Ich habe mir vor Jahren einmal die «Special Edition» aus den USA besorgt. Darauf sind neben etlichen entfallenen und alternativen Szenen und einem belanglosen Drehbericht auch ein hervorragender Audiokommentar mit Crowe, Cusack und Skye enthalten. Das Trio hat soviel über den Film zu erzählen, dass der Kommentar schon 21 Minuten vor dem Film beginnt.

Bewertung: 6 Sterne
Bild-/Tonqualität: 5 Sterne
Bonusmaterial:
5 Sterne

(Bilder: ©Twentieth Century Fox)

4 Kommentare to “«Say Anything…» von Cameron Crowe”

  1. juliaL49 says:

    Ah, die DVD hab ich auch und der Kommentar ist wirklich super :)
    War damals (vor 3 Jahren?) allerdings in Deutschland erhältlich mit dem dämlichen deutschen Titel “Teen Lover”. Werde ich heute abend wohl nochmal gucken!

  2. juliaL49 says:

    Öhm, das war jetzt nicht so deutlich: ich hab die DVD aus den USA bestellt, weil erstens die Extras besser sind und zweitens der Originaltitel draufsteht.

  3. Thomas says:

    Wer kauft sich schon eine DVD mit dem Titel «Teen Lover»?!

  4. juliaL49 says:

    Habe den gestern tatsächlich nochmal gesehen und bin wieder begeistert :)

    Was mir allerdings negativ auffiel war eine technische Sache und zwar war der Schnitt und die Kameraführung bei Dialogszenen ziemlich diletantisch. Soll heißen, dass man bei den verschiedenen Perspektiven das Gefühl hatte, aus der Szene herausgerissen zu werden, als ob das nicht zusammen gehört. Besonders extrem war es auf der Party, als Lloyd mit der Career Counsel-Dame spricht. In den Close-Ups redet er auf Augenhöhe mit ihr und in der Totalen sieht man, dass sie über einen Kopf kleiner ist.

    Und mir fiel auf, dass die Telefonieren-im-Regen-Szene im Trailer anders war, als im Film (die Zeile “I gave her my heart, she gave me a pen”).

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