Locarno 07: «Vexille» von Fumihiko Sori

«Vexille»

[Erschienen am 1. August 2007, 23.02] Die Weltpremiere eines digitalen Feuerwerks sollte das 60° Festival del Film Locarno am Mittwochabend eröffnen. Visuell hielt der japanische Animationsfilm «Vexille» das Versprechen durchaus, inhaltlich ist die Geschichte eines roboterisierten Japans allerdings ziemlich rasch ermüdend.

Japan 2077. Vor zehn Jahren verliess das Land die Uno, weil diese die Entwicklung von Hightech-Robotern, die auch menschliche Körperteile ersetzen sollten, verbieten wollte. Die Uno sah in der Technologie eine Bedrohung für die Menschheit. Japan ist seitdem von der Welt isoliert, wird von einem Magnetschild beschützt und gilt als geheimnisvoller Landstrich, der zu einer Gefahr für den Rest des Globus geworden ist.

Auch die USA sehen sich durch die hochtechnologisierte Insel gefährdet und entsenden die Spezialeinheit «Sword», um Informationen über die Forschung zu sammeln. Das Team von Commander Leon erleidet schon bald Verluste – die Überlebende Vexille wird von einem Widerstandsnetzwerk in Tokio in Sicherheit gebracht. Dort entdeckt sie eine zerstörte Stadt, die in einer scheinbar nostalgischen Epoche lebt. Doch der Schein trügt.

Dem Film von Fumihiko Sori, der als Produzent für «Appleseed» verantwortlich war, kann sicherlich nicht vorgeworfen werden, nicht einfallsreich zu sein. Doch die Story ist schon wieder so ausgeklügelt, dass sie alle paar Minuten für Erklärungen unterbrochen werden muss, wodurch der an sich heftig pulsierende Rhythmus des Films zerstört wird.

Dabei offenbaren sich immer wieder riesige Löcher in der Story. So können zwar die Amerikaner von den USA aus per Satellit genau beobachten, wo ihre Agenten gerade sind, und ein Untergrundkämpfer in Tokio mit offensichtlich telepathischen Fähigkeiten ist ebenfalls über deren Aufenthaltsort bestens informiert. Nur sind die Entwickler dieser fortschrittlichsten Technologie nicht in der Lage, die Gegner zu orten. Dafür durchschauen sie allerdings mehrmals deren Pläne.

Weniger originell als die Story ist zudem die Umsetzung, die mich auch auf Grund der häufig verwendeten Floskeln stark an eine missglückte Mischung aus der «Star Wars»-Trilogie und «Titan A.E.» erinnert hat. Ausführlich werden die Protagonisten immer wieder geschult, wie sie die Maschinen überlisten können. Danach geht es in den mit lauter Popmusik unterlegten und mit Action vollgepackten Szenen um jede Sekunde.

Diese tatsächlich spektakulären Szenen und die generell visuell sehr reizvolle Gestaltung retten «Vexille» vor der Belanglosigkeit. Die fotorealistischen Kulissen gemischt mit der etwas gar starken Schematisierung der Figuren werden allerdings auch nicht jedem Geschmack entsprechen. Nicht nur in dieser Hinsicht erzeugte «Appleseed» einen gelungeneren Eindruck.

Bemerkenswert ist schliesslich, dass in einem japanischen Animationsfilm US-Agenten Japan vor dem Untergang retten müssen. Wenn die Produktion aus den USA stammen würde, dann würden… US-Agenten ein anderes Land vor dem Untergang retten. Als Auftakt für das Festival ist dieser Film nicht gerade sehr vielversprechend, bietet aber immerhin die Möglichkeit für zahlreiche Steigerungen.

Fazit: «Vexille» setzt visuell ein hohen Massstab, der aber inhaltlich nur teils und erzählerisch gar nicht erreicht wird.

Bewertung: 2 Sterne

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