Locarno 07: «La maison jaune» von Amor Hakkar

Amor Hakkar in «La maison jaune»

[Erschienen am 2. August 2007, 19.29] Den ersten Film des Internationalen Wettbewerbs habe ich heute ausgelassen, weil ich letztes Jahr schlechte Erfahrungen mit einem Beitrag des Jeonju Digital Project gemacht habe. Ich war mir dann auch nicht sicher, ob ich mir den nachfolgenden algerischen Beitrag ansehen wollte: Filme aus Entwicklungsländern sind zwar immer sehr authentisch und erzählen manchmal interessante Geschichten – filmische Meisterwerke sind sie aber selten. Spontan habe ich mich dann doch dazu entschieden, «La maison jaune» anzuschauen. Bereut habe ich es nicht.

In den Bergen Algeriens erfährt eine Bauernfamilie, dass ihr ältester Sohn im Militärdienst bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Der Vater bricht mit einem kleinen Traktor auf, um den Leichnam heim zu holen. Als er endlich wieder zu seiner Familie zurückkehrt, muss er miterleben, wie seine Frau aus Trauer nicht mehr isst und fast nur noch schläft. Der Vater setzt fortan alle Hebel in Bewegung, um seine Frau wieder glücklich zu machen.

Was sich nun ziemlich trist anhört, stellte sich zu meiner Überraschung als eine durchaus muntere Tragikomödie heraus. Der erste Teil, in dem der Vater mit seinem kaum 20 km/h fahrenden Traktor mit aufgemalten Scheinwerfern den Leichnam aus der Stadt abholt, erinnert ein wenig an «The Straight Story» von David Lynch. Wie ein Glühwürmchen rattert der arglose Bauer durch die Nacht, nachdem er von einer Strassenkontrolle mit einer Polizeisirene ausgerüstet worden ist. Und unterwegs ist der kurlige Bauer immer wieder auf die Hilfbereitschaft seiner Mitmenschen angewiesen.

Der zweite Teil dreht sich dann ganz um den fast schon kafkaesken Kampf gegen die Traurigkeit seiner Frau. Die Ratschläge des Apothekers nützen wenig, denn weder ein Umzug aufs Land ist für die bereits in den Bergen lebende Bauernfamilie eine Option und auch die Bemalung des Hauses nützt wenig. Da auch der Hund das Gemüt der Frau nicht erhellt, stürzt sich der Vater in die Mühlen der Bürokratie.

Zu «La maison jaune» wurde der Regisseur Amor Hakkar durch ein persönliches Erlebnis inspiriert. Den Familienvater Mouloud spielt er gleich selber mit stoischer Ruhe. Beschaulich erzählt er seine Geschichte, die durch sanften Humor zu überzeugen vermag. Daneben sind aber auch manche unscharfe Bilder, eine meist einfallslose Bildgestaltung und hölzerne Darsteller zu konstatieren. «La maison jaune» ist sicherlich kein Meisterwerk, aber eine charmanter Blick nach Algerien.

Fazit: «La maison jaune» ist eine liebenswürdige Tragikomödie, die zum Schmunzeln einlädt.

Bewertung: 4 Sterne

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