«Flowerpots» von Rafael Sommerhalder

«Flowerpots» von Rafael Sommerhalder

Ritsch ratsch, ein Sprung im Blumentopf. Langsam krächzt sich eine Wurzel durch die Lücke. Die gehört nicht einer Pflanze, sondern einem Mann im Blumentopf. Nach kurzer Einschätzung der Lage hüpft er zu seinem Mantel, zaubert daraus einen Hut hervor und macht sich auf den Weg. Klonk, klonk, klonk.

Im Mantel versteckt sich auch eine lange Leiter und so gelangt der Blumentopfmann bald auf eine höhere Ebene. Dort zerschlägt er seinen gesprungenen Topf und gräbt sich für seine Wurzeln ein Loch. Jetzt muss nur noch der Niederschlag kommen. Und wenn der Regen auf sich warten lässt, dann wird ihm eben ein wenig nachgeholfen.

Nach «Ely & Nepomuk» (2000), dem Abschlussfilm der Videofachklasse an der École Cantonale d’Art de Lausanne, und «Herr Würfel» (2004), für den er an den Solothurner Filmtagen 2005 den Nachwuchspreis für den besten Trickfilm erhielt, ist «Flowerpots» der dritte etwas längere Animationsfilm von Rafael Sommerhalder (zwischendurch entstehen immer wieder weniger als eine Minute lange Werke). Setzte er bei den vorherigen Werken auf 2D-Computeranimation, kam für «Flowerpots» zum ersten Mal die klassische Handanimation zum Einsatz. Ansonsten lässt sich die Gestaltung und die Form von «Flowerpots» als Reduktion aufs Notwendigste beschreiben. Keine Farben, keine Erzählstimme, keine Musik, keine schweren Entscheidungen.

Geblieben ist das sichere Gespür für das Timing, für den gefühlvollen Rhythmus der Handlung mit dem der Mann mit dem besonderen Schuhwerk über die Leinwand gehüpft wird. So simpel die einzelnen Striche wirken, so perfekt kontrolliert Sommerhalder durch die Aufteilung der Flächen und kurze Pausen die Stimmung. Da reicht manchmal ein kurzes Blinzeln der Figur oder ein Blubbern im Wasser, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Wesentlicher Bestandteil ist dabei auch das wirkungsvolle Tondesign. Durch das Jammern des Winds und das Geklimper im Mantel, das fürchterliche Krachen des Donners und das heftige Prasseln des Regens öffnet sich eine weitere Dimension.

Inhaltlich spielt Sommerhalder in dieser verschmitzten Fantasie über Wachstum und die Kreisförmigkeit des Lebens mit den überraschenden Momenten der Animation. Eine wahre Wunderkiste ist dabei der Mantel des Blumentopfmanns, in dem er die unmöglichsten Gegenstände verstaut hat, neben der Leiter auch noch einen Hammer, einen unendlich langen Stab (um die Wolken anzustupfen), einen Wecker oder eine Sauerstoffflasche mit Tauchermaske. An den Solothurner Filmtagen 2009 wurde «Flowerpots» im Trickfilmwettbewerb Suissimage SSA mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Bewertung: 5 Sterne

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