«Any Given Sunday» von Oliver Stone (Blu-ray)

«Any Given Sunday»

Gentlemen. This is where we live! We’re not gonna let them fuck with us in our own home, are we?!

Früher war alles besser. Vor allem die Filme von Oliver Stone («Alexander»). In «Any Given Sunday» widmet er sich dem in den USA beliebtesten Zuschauersport. Ironisch und teilweise auch zynisch beleuchtet er die Vorgänge auf und neben dem Spielfeld, zelebriert gleichzeitig auch noch das Heldentum der Spieler und trauert den guten alten Zeiten vor der Kommerzialisierung nach.

Die beiden Football-Teams, die sich 2000 (als der Film in die Kinos kam) in der Super Bowl gegenüberstanden, waren beide Zugvögel, die erst seit wenigen Jahren in ihren jeweiligen Heimstadien die Zuschauer begeistern. So waren die St. Louis Rams früher als Los Angeles Rams bekannt. Im amerikanischen Sportgeschäft sind solche Wohnortwechsel keine Seltenheit. Die Profiteams sind keine Club-Mannschaften, sondern sogenannte Franchisen, Tochtergesellschaften von den Sportligen. Wenn eine solche Gesellschaft in einer Stadt einen zu kleinen Ertrag abwirft, wird sie bald einmal an einer anderen Städte errichtet.

Regisseur Oliver Stone, der für seine kontroversen Polit-Filme bekannt ist, wirft einen kritischen Blick auf diese finanz- und machtpolitischen Vorgänge und auf den Personenkult, der um die Sportstars betrieben wird. Das Verständnis des Filmes und der darin geschilderten Ereignisse wird für den Laien nicht nur durch die fremde Sportkultur erschwert, sondern auch durch die Glorifizierung eines Sportes, der in Europa immer noch wenige Anhänger hat. Wer allerdings bereit ist, diese kulturellen Hindernisse zu überwinden, dürfte von «Any Given Sunday» begeistert sein.

Al Pacino, Aaron Eckhart, LL Cool J und Dennis Quaid in «Any Given Sunday»

Tony D’Amato (Al Pacino, «Cruising», «The Godfather») ist der Coach der Miami Sharks, einem Football-Team, das unter seiner Führung den Pantheon Cup (das Filmäquivalent zur Super Bowl) gewonnen und sich auch dieses Jahr frühzeitig einen Platz in den Playoffs gesichert hat. Doch die letzten drei Spiele gingen allesamt verloren, und im Heimspiel gegen die Minnesota Americans verletzen sich sowohl der erste Quarterback Jack Rooney (Dennis Quaid, «Wyatt Earp»), als auch sein erster Ersatz.

Willie Beamen (Jamie Foxx), der dritte Quarterback, muss die Führerrolle übernehmen und übergibt sich gleich einmal, noch bevor er den ersten Ball gespielt hat. Die vierte aufeinanderfolgende Niederlage kann auch er nicht abwenden. Teambesitzerin Christina Pagniacci (Cameron Diaz) macht sich daraufhin laut Gedanken über die Zukunft der Franchise. Einerseits ist sie mit ihrem Coach nicht mehr zufrieden, anderseits versucht sie, den Bürgermeister zum Bau eines neuen Stadions zu zwingen, indem sie mit dem Wegzug nach Los Angeles droht.

Im Verlauf der nächsten Spiele wird klar, dass sich nicht nur Pagniacci und D’Amato gegenseitig unter Druck setzen. Auch die Spieler verfolgen entgegengesetzte Interessen: der junge Quarterback muss sich mit den Folgen der plötzlichen Bekanntheit auseinandersetzen, der Running Back (LL Cool J) braucht noch genügend Yards, um seinen Sponsoringvertrag zu vergolden und der Linebacker (Lawrence Taylor) gefährdet sein eigenes Leben, wenn er noch viele Schläge einsteckt. Coach D’Amato sieht sich gefangen zwischen der Verpflichtung gegenüber der Tradition des Spiels und den Zwängen der modernen Leistungsanforderungen.

Cameron Diaz und Charlton Heston in «Any Given Sunday»

Oliver Stone setzte die Intrigen und Erpressungen rund um das Spiel packend auf die Leinwand um. Für die Spielszenen ging er so nahe an die Kämpfe auf dem Feld heran, wie kein Regisseur zuvor, von der Dramartugie fiel ihm aber auch nichts neues an. In dieser Hinsicht sind «Varsity Blues» und sogar «The Waterboy» empfehlenswerter. Ausserdem setzte Stone auf eine Inszenierung, die manche Spielzüge nicht voll zur Geltung kommen lassen, und über die Gestaltung der Logos und Trikots der Teams (Stone bekam von der NFL keine Genehmigung die wirklichen Teams zu benutzen) kann man beinahe nur lachen.

Seine wirkliche Leistung zeigt Stone vielmehr bei der Zeichnung der Figuren und der Entwicklung der Geschichte abseits des Spielfeldes. Stone liefert damit auch einen bissigen Kommentar über das Filmgeschäft. Das Spiel, das eine solch grosse Bedeutung hat, wird durch seine Protagonisten beinahe überschattet. Doch am Schluss sind sie alle – wie schon viele vor ihnen – nur noch Geister der Vergangenheit, Schatten an der Wand.

Auf der Blu-ray-Disc ist der um sechs Minuten längere Director’s Cut in wunderbarer Bild- und Tonqualität enthalten. Das Bonusmaterial ist eigentlich auch hervorragend, stammt aber vollständig von der bereits 2000 erschienenen «Special Edition»-DVD und ist daher nur in Standardauflösung vorhanden. Es besteht aus zwei Audiokommentaren (einer mit Stone, einer mit Foxx), einem Drehbericht, entfallenen, erweiterten und verpatzten Szenen, Proebaufnahmen von Foxx sowie drei Musikvideos (zwei von Foxx, eines von LL Cool J).

Bewertung: 5 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: ©Warner Home Video)

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