«Death Proof» von Quentin Tarantino

«Death Proof»

Ich zähle Quentin Tarantino auf Grund von «Reservoir Dogs» und «Pulp Fiction» zu den talentiertesten Regisseuren der frühen 90er-Jahre. Was das Wunderkind danach abgeliefert hat, bewundere ich zwar für die Unnachgiebigkeit, mit der er seine Vision verfolgt. Gleichzeitig widern mich diese Werke wegen eben dieser Hemmungslosigkeit an. «Jackie Brown» und «Kill Bill» sind nichts weiter als Fetischfilme eines Filmliebhabers mit speziellem Geschmack. «Death Proof» schliesst sich nahtlos an diese selbstverliebten Produktionen an.

«Death Proof» ist eigentlich Bestandteil des Doppelprogramms «Grindhouse», zu dem auch noch der Horrorfilm «Planet Terror» von Robert Rodriguez und vier Pseudo-Trailer von Rodriguez, Eli Roth, Edgar Wright und Rob Zombie gehören. Noch bevor aber das Experiment «Grindhouse» an den amerikanischen Kinokassen unter den Erwartungen abgeschnitten hat, wurde schon bekannt, dass die Verleiher ausserhalb Europas das Paket in seine Bestandteile «Death Proof» und «Planet Terror» zerschneiden. Tarantino und Rodriguez haben dafür ihre Werke noch ein wenig verlängert.

Tarantinos Hälfte von «Grindhouse» ist ein Actionthriller, in dem aber sowohl die Action als auch der Thrill durch übermässiges Geschwätz beinahe untergehen. Als Genrefilm taugt «Death Proof» daher nichts. Der Film selbst zerfällt auch wieder in zwei Hälften. In beiden Teilen steht eine Frauengruppe im Zentrum, auf die es der psychopatische Autofreak Stuntman Mike (Kurt Russell) abgesehen hat.

Die erste Frauengruppe besteht aus Arlene (Vanessa Ferlito), Shanna (Jordan Ladd) und Jungle Julia (Sydney Poitier), die sich in Austin, Texas, in der Kneipe von Warren (Tarantino) mit ihren Freunden treffen, bevor sie fürs Wochenende wegfahren. An der Bar sitzt die blonde Pam (Rose McGowan), die von ihrem Freund versetzt worden ist. Stuntman Mike bietet an, sie nach Hause zu fahren, doch kaum sitzt sie in seinem für Stunts verstärkten Auto, verrät er ihr, dass er sie sterben sehen möchte. Todessicher (death proof) sei nämlich nur der Fahrersitz. So kommt es zum genüsslich ausgeschlatteten Zusammenprall mit dem Fahrzeug der übrigen Frauen.

Mary Elizabeth Winstead in «Death Proof»

Während die Frauen regelrecht zerschnetzelt werden, überlebt Stuntman Mike mit ein paar Schrammen. Vierzehn Monate später sucht er sich in Tennessee seine nächsten Opfer. Er findet sie in den ebenso autovernarrten Kim (Tracie Thoms) und Zoë (Stuntfrau Zoë Bell), die sich mit ihrer Freundin Abernathy (Rosario Dawson) gerade an der Motorenkraft eines 1970er Dodge Challenger aufgeilen. Als Stuntman Mike zum Angriff ansetzt, muss er bald erkennen, dass die drei Schönheiten nicht so wehrlos sind, wie seine letzten Opfer.

Das Projekt «Grindhouse» soll eine Hommage an die Exploitation-Kinos der 60er- und 70er-Jahre, die billige Filme (B movies) zeigten. Diese B Movies drehten sich hauptsächlich um Sex, Gewalt, Drogen, Zerstörung, Blut und Monster. Ein formales Markenzeichen, das Tarantino wenig konsequent repliziert, sind die durch unsorgfältige Behandlung und häufiges Vorführen ausgeleierten Kopien, die verkratzt sind, Farbfehler aufweisen oder in denen Szenen fehlen. Letzters ist nur angedeutet, würde aber auch nicht weiter auffallen.

Die Programme in solchen Kinos bestanden für gewöhnlich aus mehreren Filmen und zahlreichen Trailern. Diesen Aufbau haben Tarantino und Rodriguez für «Grindhouse» auch kopiert. Auf sich alleine gestellt machen die formalen und inhaltlichen Spielereien in «Death Proof» nun nur noch wenig Sinn und werden höchstens für Kinogänger, die mit solchen Revolverkinos vertraut sind, einen gewissen nostalgischen Reiz ausmachen.

Die Filme in den Grindhouse-Kinos waren zudem meist nur sehr kurz, zwischen manchmal weniger als 60 Minuten (jede Filmminute kostet Geld) bis hin zu gut 90 Minuten. In diesem Rahmen bewegten sich auch die Originalfassungen von «Death Proof» und «Planet Terror», die nun aber in ihren internationalen Versionen um je etwa eine halbe Stunde aufgeblasen worden sind.

Tarantino ergänzte «Death Proof» etwa mit Aufnahmen von Stuntman Mike, der Fotos der Frauen an der Sonnenblende seines Autos angesteckt hat, zusätzlichem Gerede zwischen den Freundinnen, einem Lapdance, einem Gespräch mit Regenschirm über die Regeln beim Knutschen sowie der Parkplatzszene im zweiten Teil. Dramaturgisch werten diese Szenen den Film nicht auf, stattdessen zögern sie einfach das tatsächlich überwältigend oberaffengeile Finale hinaus. Während ich mir während den ersten 90 Minuten beim Gähnen fast den Kiffer ausgerenkt habe, bietet die abschliessende Verfolgungsjagd einen Adrenalinstoss sondergleichen und rettet diesen B Movie zumindest vor der völligen Bedeutunsgosigkeit.

Fazit: Trash bleibt Trash. Freunde von Tarantinos sinnentleerten Plaudermarathons dürfen sich freuen, die anderen werden sich bis zum Finale zumeist tüchtig langweilen.

Bewertung: 2 Sterne

(Bilder: ©Ascot Elite)

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Ein Kommentar to “«Death Proof» von Quentin Tarantino”

  1. Christopher says:

    Also ich muss sagen, dass Death Proof einer der wenig guten Filme der heutigen Zeit darstellt. Die Dialoge die in der Kritik so runtergeredet werden machen den Film ja auch erstmal aus. Ich liebe die Szenen im Film wo die Frauen alle untereinander nur über ein und den selben Krams reden und wie sie darüber reden, ist einfach nur hammer witzig. Sie sind halt Frauen mit typischen Frauengespinsten und trotzdem cool und nicht übertrieben, fast noch nichtmal schlampig. Einfach eben nur cool! Finde den Film absolut sehenswert!

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