«Princess» von Anders Morgenthaler

«Princess»

Animationsfilmen haftet immer noch das Image des Kinderfilms an. Schuld daran sind auch viele Verleiher, die sich gar nicht erst die Mühe machen, komplexere Trickfilme an eine erwachsenes Publikum zu vermarkten. Dabei richten sich viele Animationsfilme inhaltlich wie auch formal an eine reiferes Publikum. Das dänische Werk «Princess» etwa ist trotz des märchenhaften Titels ganz bestimmt nicht jugendfrei.

The Princess ist nämlich der Übername einer berühmten Pornodarstellerin, deren Leben tragisch endet – sie stirbt nach jahrelangem Drogenmissbrauch und hinterlässt ihre 5-jährige Tochter Mia. Aufgerüttelt durch ihren erbärmlichen Tod wendet sich ihr Bruder August von seinem Beruf als Missionarspriester ab. Als er immer mehr Spuren des Missbrauchs entdeckt, startet er zusammen mit Mia einen brutalen Rachefeldzug gegen die Pornoindustrie.

«Princess»

Regisseur Anders Morgenthaler arbeitet geschickt mit der Verschmelzung von Videoaufnahmen und Animation. Die primäre Handlung von August, der sich um seine Nichte Mia kümmern muss, wird in ausdruckstarken, teils sehr poetischen Zeichnungen erzählt. Durch  die wacklige Videoperspektive werden Rückblenden über die Vergangenheit von August und seiner Schwester eingestreut.

Morgenthaler erzählt mit für Animationsfilme ungewohnt drastischen Bildern von der Rachemission des ehemaligen Priesters. In seiner Entschlossenheit und formalen Dichte ist der Film nahezu brillant. Die Botschaft ist hingegen eher zwiespältig, passt aber ganz in die Kultur von Missionaren, die zwar Vergebung predigen, aber nur vollkommene Unterwerfung akzeptieren.

In erster Linie erinnert «Princess» an den auf formale Virtuosität fixierte Rachethriller «Kill Bill» von Quentin Tarantino, ein wenig aber auch an das weitaus humanere Killerdrama «Léon» («The Professional») von Luc Besson. Die feinen Zwischentöne und die Menschlichkeit wird in der zweiten Hälfte von «Princess» aber abgestreift. Der blutige letzte Akt ist bestimmt nicht für jeden Geschmack.

Fazit: «Princess» ist ein formal bildgewaltiger Rachethriller, der auf der Handlungsebene nicht ganz das gleiche stilvolle Niveau erreicht.

Bewertung: 4 Sterne

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