«Rachel Getting Married» von J. Demme (Blu-ray)

Anne Hathaway und Rosemarie DeWitt in «Rachel Getting Married»

Knapp 15 Jahre nachdem das dänische Manifest Dogma 95 das Gesicht des Weltkinos ein wenig verändert hat, entdeckt endgültig auch ein Teil von Hollywood die ungeschminkte Filmmethode. Es ist wohl wenig verwunderlich, dass sich Jonathan Demme für dieses Verfahren entschieden hat. Er bewegt sich zwar als Regisseur von «Silence of the Lambs» und «Philadelphia» auch im Mainstream von Hollywood, realisiert aber zwischendurch immer wieder Musikvideos und in letzter Zeit vor allem Dokumentarfilme. Einen dokumentarischen Ansatz wählte er auch für das Drama «Rachel Getting Married». Seinen Figuren nähert er sich mit der Handkamera, bleibt aber trotzdem oberflächlich.

Im Zentrum der Handlung steht – wie es der Titel schon erahnen lässt – die Hochzeit von Rachel (Rosemarie DeWitt). Zum Fest erscheint auch ihre Schwester Kym (Anne Hathaway), direkt aus der Entzugsklinik. Weshalb sie ihr Leben nicht im Griff hat, erfährt das Publikum durch zahlreiche Konflikte während den Feierlichkeiten, die zahlreiche Enthüllungen aus der dunklen Vergangenheit ans Licht bringen.

Anne Hathaway und Debra Winger in «Rachel Getting Married»

Herausragende Darbietungen von Anne Hathaway und den übrigen Darstellern täuschen nicht darüber hinweg, dass das prätentiöse Drehbuch vorwiegend eindimensionale und wenig konsistente Figuren präsentiert, die sich hauptsächlich lustvoll in ihrem eigenen Elend wälzen. Die Drehbuchautorin hat zwar einen klingenden Namen, aber nur weil Jenny Lumet die Tochter von Sidney («Before the Devil Knows You’re Dead») ist, macht das aus ihr noch keine talentierte Schreiberin. Ihre Geschichte enthält zu viele abgestandene Klischees und triviale Weisheiten.

Störend sind aber nicht nur die selbstverliebten Figuren, sondern auch die extrem aufdringlich eingesetzte Handkamera. Auch wenn ich schon gelegentlich über den Einsatz von Handkameras gelästert habe, so habe ich grundsätzlich keine Einwände gegen diese Methode. Aber wenn sie durch nervöses Ruckeln die Aufmerksamkeit von der Handlung auf die Technik lenkt, dann ist die Verwendung einfach ärgerlich. In «Rachel Getting Married» kommt noch hinzu, dass zwischen die verwackelten Aufnahmen der Hauptkamera auch noch die von einem Gast gedrehten Bilder geschnitten werden, die ebenso verzittert sind. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass auch Hobbyfilmer für gewöhnlich versuchen, möglichst stabile Aufnahmen zu drehen…

Der Film ist zwar misslungen, die Blu-ray-Disc aber ausgezeichnet. Bild- und Tonqualität sind entsprechend dem Anspruch des Regisseurs nach Authentizität nicht ganz perfekt, aber doch ausreichend gut. Ausgestattet ist die Blu-ray-Disc mit zwei Audiokommentaren, auf denen zwar einerseits die Drehbuchautorin, die Produzentin und die Cutterin, andererseits die zweite Hauptdarstellerin DeWitt zu hören sind, nicht aber Demme und Hathaway. Verschiedene Dokumentation beleuchten die Produktion, und auch einige entfallene Szenen sind vorhanden. Noch ein Hinweis zur Verpackung der Blu-ray-Discs von Sony: Die Wendecovers sind ja wunderbar, nur müsste der Hinweis darauf ebenfalls aufgedruckt sein und nicht als nur mühsam entfernbarer Kleber auf der Hülle kleben.

Bewertung: 2 Sterne
Bild-/Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: ©Sony)

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