«GoodFellas» von Martin Scorsese (Blu-ray)

«GoodFellas»

As far back as I can remember, I always wanted to be a gangster.

Perfekte Filme kann und vor allem soll man sich immer wieder ansehen. «GoodFellas» von Martin Scorsese ist einer von diesen Filmen. Seinen Oscar als Bester Regisseur hat Scorsese zwar für «The Departed» erhalten, aber spätestens für «GoodFellas» hätte ihm eine solche Goldfigur überreicht werden müssen. Das Mafiadrama gilt neben «Taxi Driver» und «Raging Bull» als Vorzeigemeisterwerk von Scorsese.

Erzählt wird von der Karriere von Henry Hill (Ray Liotta), dessen Kindheit von der Faszination für die Mafia in seinem Wohnviertel geprägt ist. Zunächst arbeitet er Bote, steigt aber schnell in der Hierarchie auf. Seine besten Freunde werden der unkontrollierbare Tommy (Joe Pesci) und der elegante Jimmy (Robert De Niro). Gemeinsam begehen sie immer schwerere Verbrechen und fühlen sich immer unverwundbarer. Nachdem Henry eine kurze Gefängnisstrafe abgesessen hat, beginnt er auf eigene Rechnung mit Drogen zu dealen – und wird selbst abhängig.

Ray Liotta, Joe Pesci, Catherine Scorsese und Robert De Niro in «GoodFellas»

Die überragende Kunstfertigkeit von «GoodFellas» hat verschiedentlich als Argument gegen die Qualitäten von «The Departed» gedient. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass es sich um grundsätzlich unterschiedliche Werke handelt. Aber wie auch immer die Karriere von Scorsese nach «GoodFellas» beurteilt wird, zählt die Mafiasaga ganz bestimmt zu den vorzüglichsten Gangsterfilmen überhaupt. Wunderbar sind die ikonographischen Aufnahmen, die den Film strukturieren und auf der Blu-ray-Disc bestechend zur Geltung kommen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die subtile Art, wie sich der Stil im Verlauf des Films ändert. Virtuos steigert sich das Tempo und der Kamerastil Vom eher ruhigen, nostalgischen Anfang zum hektischen Absturz der Hauptfigur in den späteren paranoiden, von Drogenkonsum dominierten Jahren. Zahlreiche Szenen können als Illustration für die meisterhafte Inszenierung und Kameraarbeit von Michael Ballhaus dienen. Meine Lieblingsszene ist die spektakuläre 3-minütige Plansequenz, in der Henry seine zukünftige Frau Karen (Lorraine Bracco) verführt. Die folgenden acht Bilder geben ein Eindruck von dieser ungeschnittenen Szene.

Henry hat Karen bei einer ersten Verabredung mit Tommy und dessen Freundin kaltblütig ignoriert. Nachdem ihn Karen später vor seinen Freunden gründlich die Meinung gesagt hat, entscheidet sich Henry, Karen noch einmal auszuführen – dieses Mal mit Stil. Die Plansequenz beginnt vor dem Copacabana, wo Henry sein Auto parkiert und einen Aufpasser bezahlt.

«GoodFellas»

Henry führt Karen aber nicht zum Haupteingang. Nebenan führt eine Treppe in einen Keller. Die Kamera folgt mit angemessenen Abstand. Durch geschickte Choreografie der Schauspieler sind auch immer wieder ihre Gesichter zu erkennen.

«GoodFellas»

Unten an der Treppe öffnen sich die Türen für Henry und Karen. Henry steckt dem Türsteher ein paar Dollar-Noten zu. Das kann Karen natürlich nur imponieren, wenn sie auch einen Blick zurückwirft.

«GoodFellas»

Der Weg führt weiter durch die Küche. Henry scherzt charmant.

«GoodFellas»

Kaum im eigentlichen Klub angekommen, wird Henry auch schon vom Oberkellner erkannt, der sofort einen Tisch für die beiden bestellt.

«GoodFellas»

Der Tisch wird ganz vorne an der Bühne platziert, und Henry verteilt wieder grosszügig Trinkgeld.

«GoodFellas»

Von der anderen Seite hat sich unterdessen schon der nächste Kellner mit einer Flasche Champagner genähert.

«GoodFellas»

Am Schluss wird die Kamera auf den Sänger auf der Bühne gerichtet, der mit einer Handbewegung seinen Respekt entgegenbringt.

«GoodFellas»

Nach einer solch eindrücklichen Show kann Karen wohl kaum noch widerstehen. Und wer sich nach diesen drei Minuten ohne Schnitt nicht in Scorsese und Ballhaus verliebt hat, besitzt keinen Sinn für Ästhetik.

Die Extras von der Doppel-DVD sind auch auf der Blu-ray-Disc enthalten. Auf dem Audiokommentar von Cast und Crew wird manchmal auch über die spezifischen Szenen geredet. Martin Scorsese, Drehbuchautor Nicholas Pileggi, die Schauspieler Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino, Frank Vincent, die Produzenten Irwin Winkler und Barbara De Fina, Kameramann Michael Ballhaus und Cutterin Thelma Schoonmaker erzählen aber hauptsächlich von der Entstehung und Produktion.

Ein zweiter Audiokommentar lässt den echten Henry Hill und den ehemaligen FBI-Agenten Edward McDonald, der sich im Film selber spielt, ihre Sicht der Ereignisse darlegen. Die Reflektionen dieser direkt Beteiligten bieten eine willkommene Abwechslung zu den üblichen Regie- und Schauspieler-Kommentaren. Drei Dokumentationen und ein Vergleich von Konzeption zu Umsetzung runden das vorzügliche Bonusmaterial ab.

Film: 6 Sterne
Bildqualität (Blu-ray): 6 Sterne
Tonqualität (Blu-ray): 5 Sterne
Bonusmaterial (Blu-ray):
5 Sterne

(Bilder: ©Warner Home Video)

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