«10,000 B.C.» von Roland Emmerich

Steven Strait in «10,000 B.C.»

Do not eat me when I save your life!

Wenn Roland Emmerich («The Day After Tomorrow», «The Patriot», «Godzilla») einen Film dreht, dann wird Spektakel für gewöhnlich höher gewichtet als Logik. Dem Steinzeit-Thriller «10,000 B.C.» ist das noch deutlicher anzumerken als seinen früheren Werken. Darin erzählt Emmerich eine belanglose Heldengeschichte, die wie der Titel schon andeutet vor 12’000 Jahren spielt. So gigantisch wie die auftauchenden Mammuts sind auch die Löcher in der Handlung.

Hauptfigur ist der junge Jäger D’Leh (Steven Strait), Mitglied eines abgeschieden lebenden Bergstamms. Sein Vater hat das Jägervolk vor vielen Jahren aus ungeklärten Gründen verlassen, und so wird D’Leh von den Gleichaltrigen als Sohn eines Feiglings beschimpft. Das schmerzt D’Leh sehr, zumal er unsterblich in die blauäugige Evolet (Camilla Belle) verliebt ist. Da wird das Dorf eines Tages von vierbeinigen Dämonen – Kriegern auf Pferden – überfallen. Sie entführen einen Teil des Stammes, darunter auch Evolet. So nimmt das beschauliche Steinzeitleben für D’Leh ein Ende.

D’Leh verfolgt zusammen mit dem erfahrenen Jäger Tic’Tic (Cliff Curtis, «Fracture») und zwei weiteren Stammesgenossen die Spur der Entführer. Sie überwinden die schneebedeckten Bergketten und dringen zuerst in dichte Vegetation vor, bevor sie in einer Steppe auf einen Stamm treffen, der ebenfalls von den Reitern dezimiert worden ist. Die Männer schliessen sich den Fährtensuchern an, und schon bald stossen weitere Kämpfer hinzu. Sie wollen ihre Genossen aus der Gewalt der Krieger befreien.

Camilla Belle in «10,000 B.C.»

Das hört sich ziemlich zielstrebig an, doch die Reise von D’Leh und seinen Gefährten wird durch banale Dialoge und zähflüssige Einschübe immer wieder unnötig verlangsamt. So entsteht eine wilde Mischung aus sich nicht zusammenfügen wollenden Elementen von «300», «Ice Age», «The Lord of the Rings» und «King Kong». Aus diesen Vorbildern sind teilweise ganze Szenen entlehnt. «10,000 B.C.» bricht aber nicht unter der Last dieser Vorgänger, sondern wegen der schludrigen Inszenierung durch Regisseur Roland Emmerich zusammen, der auch noch am Drehbuch mitgeschrieben hat.

Emmerich ist derart nach Popcorn-Tauglichkeit bestrebt, dass nicht nur die Figuren, sondern gleich der ganze Film völlig seelenlos daherkommt. Vollkommen misslungen ist wegen ihrer Unübersichtlichkeit eine Szene mit überdimensionierten Dodos. Da sind die einzelnen Protagonisten im Durcheinander gar nicht mehr zu erkennen. Der Säbelzahntiger wiederum sieht so künstlich wie der Löwe aus «The Chronicles of Narnia: The Lion, the Witch and the Wardrobe» aus und springt so unnatürlich wie die Karibus aus «I Am Legend» von Stein zu Stein. Kein Wunder, war «10,000 B.C.» nicht einmal in der Kategorie «Visuelle Effekte» für einen Oscar nominiert.

Auch der Besetzung mangelt es an Ausstrahlung. Konnten Dennis Quaid und Jake Gyllenhaal in «The Day After Tomorrow», Mel Gibson und Heath Ledger in «The Patriot» und Matthew Broderick und Jean Reno in «Godzilla» die Sympathien des Publikums gewinnen, bleiben Steven Strait und Camilla Belle in «10,000 B.C.» derart blass, dass sie schon fast wie eingefroren wirken. Weniger charismatische Hauptdarsteller hätte Emmerich nicht finden können. Aber vielleicht ist er auch einfach nicht in der Lage, von seinen Schauspielern brauchbare Darbietungen abzurufen.

Die Schauspieler hatten wegen der Vorgaben der Filmemacher aber auch nicht wirklich eine lösbare Aufgabe. Es ist zwar nicht selbstverständlich, aber doch nachvollziehbar, dass die wichtigsten Figuren aus dieser Frühzeit Englisch sprechen. Wieso sie aber einen uneinheitlich eingesetzten und vollkommen überflüssigen Akzent benutzen müssen, bleibt unverständlich. Das erzeugt den Eindruck von einem billigen B-Movie.

Auch die Arbeit des Schweizer Kameramanns Ueli Steiger ist alles andere als geglückt. In den meisten Szenen ist die Verwendung von grellem Kunstlicht auf den Gesichtern der Schauspieler zu erkennen. Dabei soll «10,000 B.C.» teilweise sogar an Originalschauplätzen gedreht worden sein. Viele dunkle Szenen weisen zudem ein so starkes Bildrauschen auf, dass selbst in Wüstengegenden ein Schneesturm vermutet werden muss. So fühlt man sich nicht nur wegen der Handlung, sondern vor allem wegen der Qualität der Produktion in die Steinzeit versetzt.

Fazit: «10,000 B.C.» ist ein zusammengeflicktes Epos, dessen Einzelteile nicht in sich zusammenpassen.

Bewertung: 1 Stern

(Bilder: ©Warner Home Video)

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