«Champions» von Riccardo Signorell

Marco Rima in «Champions»

Fürs Comeback isch es nie zspot.

Der EHC Arosa war bis in die 80er-Jahre eine Macht im Schweizer Eishockey. Aus finanziellen Überlegungen folgte dann 1986 der freiwillige Rückzug in die 1. Liga. Über 20 Jahre später  schickt der ehemalige Profispieler Riccardo Signorell (Chur, Davos, ZSC) den Bündner Club in seiner Komödie «Champions» an den Rand des Untergangs. Marco Rima muss zur Rettung eilen. Der Film selber scheitert am unausgereiften Drehbuch.

Die glorreichen Zeiten von Gigi Poltera (Marco Rima) sind schon lange Vergangenheit. Früher spielte er für den EHC Arosa, wurde fast auch einmal Schweizer Meister und heiratete die hübsche Tochter (Stefanie Japp) des Präsidenten (Jörg Schneider). Heute ist er geschieden und verdient sich als Briefträger in Arosa seinen Lohn. Nicht einmal eine eigene Wohnung kann sich Gigi leisten und wohnt stattdessen bei seinem besten Freund Sturzi (Andrea Zogg) in Untermiete.

Auch der ehemals erfolgreiche Eishockeyclub von Arosa hat schon bessere Zeiten gesehen. Weil der Club fast pleite ist, müssen die erfahrenen Spieler verkauft werden. Was übrig bleibt, sind die Junioren, darunter Gigis talentierter Sohn Tim (Marc Arnold). Doch der Klassenerhalt wird diesem Rumpfteam kaum gelingen. Da hat Sturzi eine brillante Idee: Zurück aufs Eis mit den ins Alter gekommenen Profis. Gigi ist nur bedingt begeistert, zieht aber mit. Um den eigenen Club zu retten, müssen ein paar Gleichgesinnte her, ein paar Kilos weg und ein ordentlicher Betrag die Kasse füllen.

Reto Frischknecht, Andrea Zogg und Marco Rima in «Champions»

Schweizer Produktionen geniessen bei mir für gewöhnlich einen Heimvorteil. Ich lobe lieber die Vorzüge, als auf die Schwächen hinzuweisen, und die Sterne werden eher aufgerundet. Aber manchmal nützt alle Grosszügigkeit nichts. Wegen der Geschichte hege ich zwar auch Sympathien für «Champions». Die Machart ist zudem meist solide und teilweise sind weitere positive Ansätze zu erkennen. Aber nach einem noch ziemlich schwungvollen Auftakt verliert der bescheidene Film durch das absurde Drehbuch schnell die Orientierung.

Die Ausgangslage von «Champions» ist aus unzähligen Sportkomödien aus Hollywood bekannt. Ob nun Eishockey, Baseball, Football oder Basketball gespielt wird, ist nicht wirklich von Bedeutung. Hauptsache eine Mannschaft aus Aussenseitern bewährt sich in aussichtsloser Lage. «Slap Shot», «The Mighty Ducks» und «Major League» sind nur einige Beispiele. Wieso soll das nicht auch in einem Schweizer Film funktionieren? Die Bündner Bergkulisse ist imposant, Hauptdarsteller Marco Rima hat sein komödiantisches Talent schon vielfach unter Beweis gestellt, und die Geschichte ist grundsätzlich charmant. Doch die Ausführung und vor allem das Drehbuch von Riccardo Signorell und Urs Bühler sind mangelhaft.

Die biedere Handlung ist heillos überladen. Als ob es nicht ausreichen würde, dass eine zusammengewürfelte Truppe das sportliche Überleben des Clubs sichern soll, müssen zusätzlich finanzielle Herausforderungen gemeistert werden. Nebenbei stehen auch noch die Beziehungen von Gigi zu seiner Ex-Frau und zu seinem Sohn im Zentrum, der neue Freund der Ex-Frau, der gleichzeitig Manager des Clubs ist, betreibt ein schmutziges Spiel, und dann taucht auch noch ein Transvestit auf. Durch diese Fülle an Handlungssträngen bleibt kaum Platz, um die Figuren sinnvoll zu entwickeln. Sie bleiben unausgereift und handeln manchmal sogar widersprüchlich. Auch die sportliche Komponente zwischen Playout und Entscheidungsspiel bleibt unterentwickelt, und die Logik dahinter ist wohl selbst für Sportbanauen schwer nachvollziehbar.

Das wäre alles nebensächlich, wenn wenigstens durch die Figuren ein wenig Begeisterung ausgelöst werden könnte. Doch ausgerechnet die Hauptfigur wird als ausserordentlich lustloser Pessimist dargestellt. Entsprechend hölzern sind die Dialoge, durch die der in seinen Bühnenprogrammen stets schlagfertige und wortgewandte Rima daran gehindert wird, sein Potenzial auszuschöpfen. Wer aber Rima gerne fluchen hört, wird vielleicht Freude an der eher trüben Komödie haben. Immerhin sind wenigstens einige Szenen gelungen, etwa die Suche nach den ehemaligen Profis oder die Inspektion des Eisfelds. Doch das reicht eigentlich einfach nicht aus, um die volle Spielzeit in der Profiliga zu bestehen. Dank Rima werden die Kinokassen vielleicht dennoch voll.

Fazit: «Champions» ist eine lahme Komödie, die von der Ausführung her in der Regionalliga um ihr Überleben kämpfen muss.

Bewertung: 2 Sterne

(Bilder: ©Ascot Elite)

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