«Happy New Year» von Christoph Schaub

Joel Basman, Elisa Plüss und Annina Euling in «Happy New Year»

Ich wünsche ihnen vom ganzen Herzen, dass sie im neuen Jahr viel persönliche Befriedigung finden.

Immer wieder Silvester – immer wieder Feuerwerk, Sekt und Küsschen. Das Ende des Jahres wird häufig als ein Neubeginn zelebriert. Regisseur Christoph Schaub widersetzt sich in seinem berührenden Ensemblefilm «Happy New Year» diesem Trend und zeigt fünf verschiedene Paare, die auf der Suche nach dem Glück durch die Stadt irren. Entstanden ist ein atmosphärisch dichtes und ungemein liebevolles Drama mit herzlichem Humor.

Der gerade von seiner Freundin abservierte Taxifahrer Kaspar (Nils Althaus) fährt die von ihrem Mann versetzte Gloria (Denise Virieux) nach Hause und kommt mit ihr ins Gespräch. Die beiden Polizisten Nina (Johanna Bantzer) und Oliver (Pascal Holzer) sind auf Streife. Sie erzählt ihm, wie ihr Freund vor einer Woche per SMS die Beziehung beendet hat. Beim verklemmten Pascal (Bruno Cathomas) deponiert eine verwöhnte Mutter ihre Tochter Karin (Lou Haltinner).

Denise Virieux und Nils Althaus in «Happy New Year»

Das ältere Ehepaar Herbert (Jörg Schneider) und Anne-Marie (Irene Fritschi) befindet sich nach der Pensionierung des Mannes erstmals in einer Krise. Da rennt auch noch der Hund Beppo davon. Die 17-jährige Zoe (Annina Euling) tröstet erst noch die deprimierte Mutter (Katharina von Bock), bevor sie mir ihrer Freundin Sabrina (Elisa Plüss) den Ausgang geniessen möchte und dabei auf den schüchternen Oskar (Joel Basman) trifft. Und im Fernseher wünscht Bundespräsident Pascal Couchepin «persönliche Befriedigung». Da kann die Nacht ja nur heiter werden.

In angenehmen Rhythmus wechselt Christoph Schaub zwischen den einzelnen Episoden hin und her, folgt seinen Paaren durch die Nacht und lässt sie ab und zu auch die Wege kreuzen. War in «Jeune homme», dem letzten Spielfilm von Schaub, noch deutlich die lenkende Hand der Inszenierung zu spüren, nähert sich Schaub den Figuren in «Happy New Year» mit einem fast schon dokumentarischen Blick. Hier greift er auf den unspektakulären Alltag zurück, zeigt Ausschnitte aus Beziehungen, wie sich sich jederzeit abspielen könnten.

Jörg Schneider und Irene Fritschi in «Happy New Year»

Trotz der authentischen Atmosphäre werden die Geschichten zielstrebig vorangetrieben. Ganz unauffällig steuern die Figuren auf Konflikte zu, die dann locker aufgelöst werden. Viel Raum lässt Schaub seinen Darstellern, unter denen sich neben den 2008 mit einem Schweizer Filmpreis ausgezeichneten Bruno Cathomas die drei Shooting Stars Nils Althaus, Johanna Bantzer und Joel Basman befinden. In der lebensnahen Inszenierung von Schaub werden sie ihrem Ruf mehr als gerecht, und auch die übrigen Mitglieder der Besetzung fügen sich nahtlos in das munter aufspielende Ensemble.

«Happy New Year» ist aber auch ein Film über die Stadt Zürich. Die Figuren sind zwar von der kulturellen Herkunft nicht ganz so durchmischt wie die Bevölkerung der Stadt, dafür werden alle Altersschichten abgedeckt. Hauptsächlich zwischen Stadtmitte, Lochergut und Escher-Wyss-Platz halten sich diese Menschen auf. Kameramann Stéphane Kuthy hat in diesem Dreieck unverbraucht urbane Bilder der kleinen Grossstadt eingefangen. Cutterin Marina Wernli hat sie, den Takt des Verkehrs und der Menschen aufnehmend, in flüssige Sequenzen aneinander gefügt.

Fazit: «Happy New Year» ist ein äusserst sympathischer Ensemblefilm, mal berührend, dann wieder erheiternd, immer unterhaltsam.

Bewertung: 5 Sterne

(Fotos: © T&C Film)

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Ein Kommentar to “«Happy New Year» von Christoph Schaub”

  1. Roger says:

    Yepp sehr cooler und schöner Film.

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