Diagonale 10: «David Wants to Fly» von D. Sieveking

David Sieveking und David Lynch in «David Wants to Fly»

Aber er ist nicht einfach David Lynch, sondern er ist eine Promotionsfigur geworden.

Wie sein grosses Vorbild David Lynch wollte der junge Filmemacher David Sieveking abgründige Filme drehen. Ein wenig enttäuscht musste er aber schnell einmal feststellen, dass er in sich keine Abgründe finden kann. So machte er sich auf den Weg, um sein Idol zu treffen und stiess dabei auf die zweifelhafte Organisation der Transzendentalen Meditation. Aus den skurrilen Erlebnissen von Sieveking entstand der äusserst enthüllende und amüsante Dokumentarfilm «David Wants to Fly».

Die investigative Reise von David Sieveking beginnt in Fairfield, Iowa bei einem Vortrag von David Lynch, der aus Überzeugung von der Transzendentalen Meditation (TM) schwärmt. Die von Inder Maharishi Mahesh Yogi gegründete Bewegung hat seit den 60er-Jahren im Westen zahlreiche prominente Anhänger gewonnen, darunter die Beatles. Fast sechs Millionen Menschen weltweit praktizieren heute TM. Auch David Sieveking ist fasziniert von dieser Lehre des Weltfriedens und lässt sich in die Theorien einführen. Dabei wird ihm erlaubt, seine Erfahrungen mit der Kamera festzuhalten.

David unterzieht sich dem teuren Meditations-Training, erhält für über 2000 Euro sein persönliches Mantra und versucht sich sogar im Yogischen Fliegen. Doch je intensiver sich der neugierige Filmemacher in das Thema einlebt und den Spuren diverser Mitglieder folgt, umso stärker machen sich Zweifel an der Ehrenhaftigkeit der mysteriösen Organisation bemerkbar. Und je skeptischer die Fragen von David werden, umso weniger erhält er Zugang zu den Vertretern der Organisation. Das betrifft natürlich auch die zuvor regelmässig stattfindenden Begegnungen mit David Lynch.

Marie Pohl und David Sieveking in «David Wants to Fly»

Mit grossen Augen und wachem Verstand hat sich David Sieveking auf die Suche nach Inspiration, der Wahrheit und dem inneren Gleichgewicht gemacht. Über 300 Stunden Filmmaterial hat er dabei gesammelt. Im daraus entstandenen Dokumentarfilm «David Wants to Fly» zeigt sich Sieveking als selbstkritischer und ironischer Ermittler. Er gewährt nicht nur einen entblössenden Einblick in die fragwürdigen Praktiken von TM, sondern auch in sein eigenes Privatleben. Sieveking ist sein eigenes Versuchsobjekt und dadurch ist auch seine auf die Probe gestellte Beziehung zu seiner Freundin Marie Pohl ein Bestandteil des Films.

David Sieveking ist keineswegs ein absichtlich skeptischer Beobachter von TM. Seine Einstellung wird vielmehr durch seine Erkenntnisse über die Bewegung beeinflusst, die etwa nicht nur den Weltfrieden, sondern auch die «Unbesiegbarkeit» von gewissen Nationen predigt. Schockierende Szenen hat Sieveking in diesem Zusammenhang bei einem Vortrag in Deutschland zur Gründung einer TM-Universität eingefangen. Auf den Vorwurf, dass schon Hitler die Unbesiegbarkeit von Deutschland herbeiführen wollte, erwidert der Landesvertreter von TM, dass Hitler einfach nicht über die technischen Mittel verfügt habe. TM hingegen stehen durch das Yogische Fliegen die notwendigen Mittel zur Verfügung.

Wie vertieft sich Sieveking mit dem Thema auseinandergesetzt hat, zeigen nicht nur seine vielen Gespräche mit ehemaligen Mitgliedern der Sekte, sondern vor allem auch seine beschwerliche Reise an die Quelle des Ganges. Dort trifft Sieveking auf wirklich spirituelle Menschen. Ein Guru erklärt ihm unterwegs auch, dass ein wirklicher Guru sein Wissen nicht verkaufen, sondern nur teilen kann. Durch die vorbehaltlose Herangehensweise ist das Werk von Sieveking gleichzeitig ein erheiterndes Beispiel einer Selbstfindung wie auch eine eindrückliche Warnung vor geldsüchtigen Scharlatanen.

Fazit: «David Wants to Fly» ist ein in allen Facetten faszinierender Dokumentarfilm, der einzig durch die etwas zu zentrale Stellung des Regisseurs ein wenig irritieren kann.

Bewertung: 5 Sterne

(Bilder: © Lichtblick Film)

2 Kommentare to “Diagonale 10: «David Wants to Fly» von D. Sieveking”

  1. [...] mit Guru – Bhagwan, his Secretary, his Bodyguard unternommen haben, und mit David Sievekings David Wants to Fly. Es geht um den Traum von einer neuen Welt, den in den sechziger und siebzieger Jahren viele junge [...]

  2. [...] David Wants to Fly von David Sieveking. Der Dokumtarfilmer als liebenswürdiger Naivling geht hartnäckig dem Guru Maharishi Mahesh Yogi und seinen Anhängern – darunter David Lynch – auf die Nerven. Witzig und hellsichtig. [...]

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