«Kick-Ass» von Matthew Vaughn

Aaron Johnson in «Kick-Ass»

My only superpower was being invisible to girls.

Wieso hat eigentlich noch niemand versucht, ein Superheld zu sein? Die Antwort ist ganz einfach, wie Dave Lizewski (Aaron Johnson) in «Kick-Ass» erfahren muss. Der jugendliche Comic-Leser verwandelt sich in Kick-Ass. Gleich bei seiner ersten Begegnung mit zwei Kriminellen wird er niedergestochen und auch noch von einem Auto weggeschleudert. Eine schmerzhafte Lektion. Der auf den Comic von Mark Millar basierende Film von Regisseur Matthew Vaughn («Stardust») ist eine wuchtige Mischung aus Action, Komödie und einer Prise Sozialkritik.

Nach seinem ersten Einsatz landet der schmächtige Dave im Spital. Nach der Kollision mit dem Auto müssen fast alle seine Knochen verstärkt werden, seine Nerven leiten die Schmerzsignale nicht mehr ans Hirn weiter. Plötzlich verfügt Dave also über beste Voraussetzungen, um doch noch einen Versuch als maskierter Verbrechensbekämpfer zu starten. Als er eines Abends sieht, wie ein Mann von drei Schlägern verfolgt wird, schreitet Kick-Ass ein. Mit letzter Kraft vermag er die Angreifer in die Flucht zu schlagen.

Weil ein Gaffer die Prügelei aufgezeichnet hat, wird der maskierte Held zu einem Medienphänomen. So werden auch Damon Macready (Nicolas Cage, «Face/Off», «The Rock») und seine 11-jährige Tochter Mindy (Chloë Grace Moretz) auf Kick-Ass aufmerksam. Die beiden sind als Big Daddy und Hit-Girl ebenfalls auf Verbrecherjagd. Sie verfolgen aber ein viel konkreteres Ziel: Damon möchte sich an Mafia-Boss Frank D’Amico (Mark Strong, «Sherlock Holmes») rächen. Der frühere Polizist Damon ist nämlich wegen D’Amico im Gefängnis gelandet und seine Frau starb anschliessend vor der Geburt seiner Tochter. Beinahe unausweichlich kreuzen sich die Wege von Kick-Ass, Hit-Girl, Big Daddy und D’Amico.

Chloë Grace Moretz in «Kick-Ass»

Ein realer Mensch als Superheld ist ganz bestimmt keine ganz frische Idee. Sogar Batman hat keine Superkräfte, ein Superheld ist er trotzdem. Aber auch finanziell nicht ganz so potente Personen streben manchmal nach Heldentum. Wie etwa im Beitrag «Real Superheroes» auf der Blu-ray-Disc von «Watchmen» berichtet wird, gibt es tatsächlich Menschen, die Kostüme anziehen und wie ihre Vorbilder Verbrechen bekämpfen. Solche Personen waren auch schon die Hauptfiguren in der irrwitzigen Komödie «Mystery Men». Etwas zwiespältiger werden solche Menschen von Michael Rapaport in «Special» oder Woody Harrelson in «Defendor» dargestellt. Rapaport und Harrelson spielen Männer, die auf Grund psychischer Störungen der Ansicht sind, dass sie Superkräfte haben.

In «Kick-Ass» wird im Grunde einfach das Konzept von Batman noch ein wenig näher an die Realität gerückt. Besonders realistisch ist die Inszenierung und das Drehbuch von Jane Goldman und Matthew Vaughn dennoch nicht. «Kick-Ass» ist masslos übertrieben, schonungslos brutal und gigantisch cool. Die besonnene Mischung aus schiefem Humor und unzimperlicher Brutalität ist irgendwie schockierend, aber bildet gerade dadurch eine Stärke des Films. Die mit äusserster Gewalt Selbstjustiz ausübenden Hauptfiguren werden zwar verherrlicht, die Folgen der Taten werden jedoch keineswegs verharmlost. Zahlreiche unerwartete Wendungen sorgen zudem stets für ein beunruhigendes Element der Unsicherheit.

Matthew Vaughn gelingt eine stilsichere und teilweise überwältigende Inszenierung. Mit viel Schwung und Dynamik sorgt er durch die rhythmische Kombination von kraftvoller Musik und rasantem Schnitt dafür, dass die zwei Stunden rasant vorbeifliegen. Hervorragend ist auch die illustre Besetzung. Der leicht trottelig spielende Nicolas Cage und der gewohnt charismatische Mark Strong sind grossartig. Überragend ist aber vor allem Chloë Grace Moretz, die schon in «(500) Days of Summer» als weise kleine Schwester auffallen konnte. In «Kick-Ass» stiehlt sie beinahe jede einzelne Szene und strahlt eine unbesiegbare Dominanz aus.

Eine kleine Botschaft ist auch noch in «Kick-Ass» enthalten. In Umkehrung des üblichen Superhelden-Mottos «With great power comes great responsibility» haben die Abhänger aus «Clerks.» den Spruch «With no power comes no responsibility» gestaltet. Der wird auch in «Kick-Ass» zitiert, allerdings mit einer bedeutenden Ergänzung: «With no power comes no responsibility… except that wasn’t true.» Egal wie machtlos eine Person ist, ganz aus der Verantwortung stehlen kann sich niemand. Der Film ist zwar reine Fantasie und das Vorgehen von Dave Lizewski wird kaum zur Nachahmung empfohlen, aber ein Appell zu mehr Zivilcourage ist dennoch enthalten.

Fazit: «Kick-Ass» ist eine durchschlagende Action-Komödie, die nicht vor harten Schlägen zurückschreckt.

Bewertung: 6 Sterne

(Bilder: © 2010 Universal Pictures International. All rights reserved.)

Ein Kommentar to “«Kick-Ass» von Matthew Vaughn”

  1. Sanny-Pfanni says:

    Der Film ist echt sehenswert.Ein ganz andere Schnack als die sonstigen verfilmten Comics.Ich bin als Fan wieder aus der Preview rausgekommen und hab mich gleich auf die Facebookseite gestürzt ;)

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